Alles Bio - oder was?

Statt auf Deponien zu Kompost zu verrotten, soll Grünschnitt von Naturschutzflächen bioenergetisch genutzt werden. Das Land bezahlt 22 000 Euro für eine Studie über die Mengenermittlung und Aufzeichnung von Verwertungswegen im Landkreis Vulkaneifel. Erste Erfolge sind bereits zu vermelden.

Daun. "Damit kann der Landkreis Vulkaneifel Impulse für ganze Land geben", meint Margit Conrad, rheinland-pfälzische Umweltministerin. Frank Wagener vom Birkenfelder Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (Ifas) geht noch weiter. Der diplomierte Agraringenieur sagt: "Die ganze Republik ist an dem Projekt interessiert, weil es noch nichts Vergleichbares gibt."Im Landkreis Vulkaneifel werden zunächst die 300 Hektar ausgewiesene Biotopflächen unter die Lupe genommen. Darüber hinaus gibt es noch 1475 Hektar, die unter so genanntem freiwilligen Vertragsnaturschutz stehen.

Jetzt geht's um den Nutzen, den man ziehen kann

Gerd Ostermann, Biotopbetreuer im Kreis, erläutert: "Bisher floss das Geld für Naturschutz in die Pflege. Jetzt geht es darum, daraus Nutzen zu ziehen. Es gibt etliche rentable Biotopflächen für diese lokale Wertschöpfung."

Udo Schmitt aus Üxheim-Ahütte gilt als Pionier. Der 47-Jährige betreibt seit 15 Jahren ein Lohnunternehmen, das Hackschnitzel und Brennholz herstellt. Schmitt freut sich, dass sein Pioniergeist nach anderthalb Jahrzehnten belohnt wird.

Ostermann erklärt: "Die Grundidee zu diesem Projekt hatte Udo Schmitt. Er hat bereits an einigen Standorten gezeigt, dass es funktioniert." Am Baumberg bei Wiesbaum hat er beispielsweisedie wuchernden Kiefern zwischen den schützenswerten Wacholdersträuchern gefällt, einige Monate vor Ort trocken lassen und dann direkt geschreddert. Schmitt rechnet mit 250 Kubikmeter Brennmaterial für Holzhackschnitzel-Heizungen.

Ostermann sagt: "Forstlich waren die Kiefern nicht zu verwerten." Da Schmitt die ganzen Bäume trocken ließ, werden nicht nur die Stämme, sondern auch die Äste bioenergetisch genutzt. Auf ähnliche Weise wurden Biotop-Areale in Leudersdorf und Üxheim bearbeitet.

Ostermann und Ifas-Mann Wagener sehen weiteres Potenzial bei Fichtenaufforstungen in Bachtälern. Grüngut-Nutzung vom Schnitt der Straßenränder stecke noch in den Kinderschuhen. Wagener geht es darum, optimale Wege aufzuzeigen. Dabei seien die "Kommunen wichtige Scharniere". Er sagt: "Viele haben in diese Richtung schon gedacht, aber hier wird es angepackt."

Die Massenermittlung bestimmt einen großen Teil des Projekts. Wagener: "Nur was ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist, wird an der Schnittstelle Naturschutz und Bioenergienutzung von uns zusammengebracht."

6000 Euro in Form von Arbeitsleistung beigesteuert

Ifas verspricht, verlässliche Zahlen und Fakten vorzulegen. Dafür beteiligt sich das Institut mit zusätzlich 6000 Euro, erbracht in Form von Arbeitsleistung, an dem Pilotprojekt. Die Menge, die bioenergetisch genutzt werden kann, ist abhängig von den jeweiligen Arealen. An einigen Standorten fällt jährlich Grünschnitt an, an anderen nur im Fünf-Jahres-Rhythmus.

Parallel dazu wird ein Logistikkonzept für diese Biomasse entwickelt und konkrete Verwertungswege aufgezeigt. Das Projekt startete nach den Sommerferien und soll ein Jahr dauern. Conrad meint: "Heimische Rohstoffe und Energiequellen zu erschließen, ist ein zentraler Baustein in unserem Zukunftskonzept Energien für Rheinland-Pfalz."