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Abriss statt Sanierung: Das als Gemeindehaus genutzte Jugendheim in Wiesbaum weicht einem Neubau. Gestaltung und exakter Standort stehen noch nicht fest.

Wiesbaum Mit den Worten "Die nächste Weiche ist gestellt" kommentiert Wiesbaums Ortsbürgermeisterin Karin Pinn die jüngste Entscheidung des Ortsgemeinderats in der Immobilien-Thematik (siehe Extra). Mit großer Mehrheit hat sich das Gremium dafür ausgesprochen, das seit Jahren als Gemeindehaus genutzte Jugendheim nicht zu sanieren, sondern abzureißen und einen Neubau zu errichten.
Sie sagt: "Die Kostenermittlung hat ergeben, dass eine Sanierung mit 800 000 Euro zu Buche schlagen würde, ein Neubau mit rund einer Million Euro."
Die geringe Differenz habe den Ausschlag zugunsten eines Neubaus gegeben, denn: "Bei einer Sanierung kommen oft die bösen Überraschungen während der Arbeiten, und beim Neubau müssen wir viel weniger Kompromisse eingehen", begründet Pinn. Außerdem seien die jährlichen Betriebskosten für das in die Jahre gekommene Jugendheim zu hoch. Pinn rechnet mit "10 000 bis 13 000 Euro". Sie sagt: "Das Haus sieht zwar von außen noch ganz gut aus, aber der Schein trügt gewaltig."
Nach umfangreichen Verhandlungen haben sich Orts- und Kirchengemeinde geeinigt, wer künftig welche Immobilie wie nutzt. Ein Hauptpunkt des Deals: Zum Jahresbeginn hat die Ortsgemeinde zum symbolischen Preis von einem Euro (samt knapp 11 000 für das Grundstück) das Jugendheim von der Kirchengemeinde erworben (der TV berichtete).
Wie das neue Gemeindehaus genau aussehen, wo der exakte Standort sein soll, ist noch unklar. Es sei noch kein Planungsauftrag erteilt worden.
Zur Diskussion stehen ein Abriss des Altbaus samt Integration des benachbarten Mehrzweckgebäudes (in dem unter anderem die Feuerwehr untergebracht ist) oder ein Neubau an neuer Stelle - jedoch in der unmittelbaren Umgebung. Denn es sei Ziel, das gesamte Areal zwischen Kirche, Mehrzweckgebäude, Spielplatz und künftigem Gemeindehaus zum "neuen, schmucken Dorfmittelpunkt" zu machen, sagt die Ortsbürgermeisterin.
Nachdem der Ortsgemeinderat vor der Entscheidung über Sanierung oder Abriss bereits andere Bürgerhäuser in der Region besichtigt hat, ist nun eine weitere Besichtigungstour geplant. "Wir wollen uns möglichst viele Ideen holen und werden uns auch für die Planung Zeit lassen", kündigt Pinn an, "schließlich ist das eine Entscheidung für Jahrzehnte."
Gut möglich, dass für sie daher in diesem Jahr die Sommerpause aus- oder zumindest sehr kurz ausfällt.
Aber das sei nicht schlimm: "Das sind ja alles kreative Dinge, und die machen mir keinen Stress." Laufe alles optimal, werde noch dieses Jahr der Zuschussantrag gestellt, ansonsten 2018.
Wichtig sei, dass möglichst viele Bürger einbezogen würden, hinter dem Projekt stünden und sich künftig dort wohlfühlten.
"Dann mache ich mir auch keine Sorgen, dass genug Leute helfen, wenn Eigenleistung gefragt ist. Und es wird viel zu tun sein", kündigt die Ortsbürgermeisterin an.Extra: IMMOBILIEN DER KIRCHE


Drei Gotteshäuser (Pfarrkirche St. Martin, Alte Kirche am Friedhof und die Erlöserkapelle in Mirbach), ein Pfarrhaus und ein Veranstaltungssaal (Jugendheim): In Wiesbaum-Mirbach, einem Dorf mit rund 600 Einwohnern und 469 Katholiken, besaß die Kirchengemeinde bis Ende 2016 noch fünf Immobilien. Da sie aber mit deren Unterhaltung überfordert war, hat sie ein langfristiges Immobilienkonzept erstellt. Davon sind einige Punkte umgesetzt, andere zurückgenommen worden. So hat die Kirchengemeinde das seit Jahren als Gemeindehaus genutzte Jugendheim an die Ortsgemeinde verkauft und das durch einen Brand beschädigte Pfarrhaus im Ortskern abreißen lassen. Folglich muss sie sich heute nur noch um die Unterhaltung von drei Immobilien in der Doppelgemeinde kümmern - und erhält von der Ortsgemeinde zudem für die Erlöserkapelle finanzielle Unterstützung. Die Idee, die große Pfarrkirche im Ortskern aufzugeben und zum Bürgerhaus umzubauen, würde zurückgenommen, da es dagegen heftigen Widerstand aus der Bevölkerung gab.