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Als Daun Backstube für Berliner war - Produktion endet vor gut einem Jahr

Als Daun Backstube für Berliner war - Produktion endet vor gut einem Jahr

Mehr als 60 Jahre lang wurden in Daun Backwaren produziert. Bis Anfang 2015, als der Insolvenzverwalter das endgültige Aus verkündete. Mehr als 80 Mitarbeiter standen auf der Straße, der Großteil von ihnen hat aber wieder einen Job.

Daun. Die besondere "Berliner Luft", die über der Kreisstadt Daun lag, wenn das beliebte Gebäck im Alten Weg hergestellt wurde, hat so mancher Dauner noch in der Nase. Zum Bedauern vieler ist sie aber längst Geschichte. Im Februar 2015 wurde die Produktion aller Backerzeugnisse eingestellt.

Das Kapitel "Brotfabrik in Daun" wurde nach mehr als 60 Jahren im April vergangenen Jahres geschlossen, als die Maschinen versteigert wurden. Zuvor, im Herbst 2014, hatte Aldi die Lieferverträge für die Berliner gekündigt, der Großbäckerei gingen 2,5 Millionen Euro im Monat verloren - rund 80 Prozent des Umsatzes. Die Folge: Insolvenz. Wie auch 2013, nur damals gelang es, die Brotfabrik zu retten.

Markus Hoffmann, langjähriger Betriebsratsvorsitzender, fiel nach dem endgültigen Aus für die Firma, für die er 23 Jahre gearbeitet hatte, nach eigenem Bekunden "in ein tiefes Loch". Er war lange krankgeschrieben, "ich bin aber wieder auf dem aufsteigenden Ast und halte die Augen nach einer neuen Stelle offen." Der 44-Jährige gehörte zu den 84 Beschäftigten, die durch die Schließung der Brotfabrik ihre Arbeit verloren.

Immerhin: Der größte Teil hat wieder einen Job gefunden. "Von den 84 Entlassenen sind derzeit noch zwölf als arbeitslos registriert, sechs Frauen und sechs Männer", berichtet Robert Gilles, Leiter der Geschäftsstellen Bitburg und Gerolstein der Agentur für Arbeit. Untereinander hat die frühere Belegschaft noch guten Kontakt, berichtet Markus Hoffmann. Neuigkeiten würden regelmäßig ausgetauscht, erst kürzlich habe es ein Treffen gegeben: "Das hängt meiner Meinung nach damit zusammen, dass wir eine besondere Atmosphäre in der Firma hatten, ein familiäres Verhältnis." Für Frank Bachhausen ist das Kapitel Brotfabrik noch nicht geschlossen. Ihm gehörte sie bis 2008, dann verkaufte er das Unternehmen an die Firma Stauffenberg, die sieben Jahre in Daun produzierte. Der 76-Jährige erinnert sich, wie er als Jugendlicher schon mit anpackte und wie er später die Produktpalette der Großbäckerei um Berliner und Brötchen erweiterte. Mit Erfolg: Vor allem die Krapfen wurden zu einem Verkaufsschlager aus Daun, besonders gefragt in der Karnevalssession. In der heißen Phase der fünften Jahreszeit wurden täglich gut eine halbe Million Berliner produziert.

Aus, vorbei, "das tut mir immer noch weh", sagt Bachhausen. Er versucht seit gut einem Jahr, die Flächen zu vermieten: "Für 1000 Quadratmeter habe ich jemanden gefunden, für weitere 4500 suche ich weiter nach Interessenten. Aber es ist nicht einfach. Am liebsten würde ich alles verkaufen." Was auch immer mit dem Komplex geschieht: "Berliner Luft" wird wohl nie mehr mit Daun in Verbindung gebracht werden.Extra

Das Düsseldorfer Unternehmen Engelberth suchte Anfang der 1950er Jahre nach einem Standort für eine Großbäckerei in der Eifel und fand diesen in Daun. Zunächst in der Bahnhofstraße, später dann im Alten Weg. 2003 wurde das Jubiläum "50 Jahre Brotfabrik" gefeiert. 2013 ging das Unternehmen erstmals in die Insolvenz, 2014 folgte die zweite, aus der es keine Rettung mehr gab. sts