Als Hillesheim lichterloh brannte

Als Hillesheim lichterloh brannte

Im Frühjahr vor 160 Jahren sorgten mehrere Brände für großen Schaden in Hillesheim: In nur drei Wochen wurden 24 Wohnhäuser ein Raub der Flammen und brachten Not und Einschränkungen für den bekannten Vieh- und Krammarkt.

Hillesheim. Der laute Schrei "Es brennt, es brennt" schreckte vor 160 Jahren am 29. Januar 1856 die Hillesheimer auf. In der Burgstraße war Feuer in zwei Häusern ausgebrochen und zerstörte sie fast vollständig. Am nächsten Tag um die Mittagszeit derselbe Schrei: Und wiederum zwei Häuser mit Stallungen und Scheunen brannten nieder. Das nährte den Anfangsverdacht einer Brandstiftung: Denn damals war es üblich, dass Bettler im Winter umherstreiften. Wies man sie ab, drohten sie mit Brandstiftung.
Misstrauen machte sich breit. Am Lichtmessfest, dem 2. Februar, als die Hillesheimer beim Mittagessen saßen, brach in der Bachstraße ein verheerendes Feuer aus. Die Feiertagsstille an dem klaren Wintertag sorgte dafür, dass der Klang der Sturmglocke weit in die Umgebung getragen wurde. Rasend schnell griffen die Flammen um sich und fünf Wohnhäuser, acht Ställe und ebenso viele Scheunen stürzten krachend zusammen. Zeitungsberichte schildern das Jammergeschrei der Kinder und der ihre Habseligkeiten rettenden Frauen, Vieh rannte herum, die Glocken läuten unaufhörlich, von überall rücken Helfer unter lautem Gerassel mit Spritzen an.
Der "Ahle Bach" wurde gestaut. Aus ihm und aus dem öffentlichen Trinkbrunnen neben der neuen Volksschule in der Kirchstraße wird eilig Löschwasser geschöpft.
Am nächsten Tag kam der Landrat von Prüm, brachte Männer aus Steffeln und Duppach mit zur Nachtwache. Die preußische Regierung in Trier schickte am 4. Februar zur Ortsbesichtigung einen Gerichtsassessor nach Hillesheim.
War es Brandstiftung?


Weitere vernichtende Feuersbrünste gab es am 15. Februar und letztmalig mitten im Ort am Sonntag, dem 17. Februar. Zwölf eng aneinander gebaute Gebäude mit Ställen und Scheunen brannten aus. Der Verdacht der Brandstiftung erhärtete sich. Die Vermutung lag nahe, dass der Täter es auf die vollständige Vernichtung des Ortes mit seinen knapp 150 Wohnhäusern abgesehen hatte.
Großes Lob erhielten die Helfer für ihre lebensgefährliche Löscharbeit, Bürgermeister Jongnell (weil er den vermeintlichen Verursacher ausfindig machte) und Pfarrer Leuther. Letzterer wuchs zum Helden empor für sein Verhalten, den schwerverletzten und zu Tode erschrockenen Menschen in den rauchenden Straßen, die Heiligen Sterbesakramente gegeben zu haben.
Als drei verdächtige Personen in Gewahrsam kamen, ließ die Aufregung nach. Der 30-jährige vorbestrafte, verheiratete Anführer wird als ein äußerst roher, betrügerischer Mensch geschildert. Er kam, von zwei Gendarmen an der doppelten Leine geführt, über Daun nach Trier. Nach der fünftägigen Gerichtsverhandlung verwünschte der Haupttäter am 21. November 1856 nach der Urteilsverkündung laut im Saal den 60-jährigen Hauptbelastungszeugen. Er solle sich den Hals brechen, was einige Jahre später beim Sturz vom Heuwagen auch geschah.
Zwei 13-jährige Knaben aus achtbaren Familien halfen mit beim Feuerlegen und Postenstehen. Sie kamen in Fesseln auf einem Karren mit verbrannten Sitzbalken ebenfalls nach Trier und mussten auf der Fahrt durch die Dörfer von Neugierigen Hohn und Spott ertragen. Das Strafmaß für den Haupttäter betrug zehn Jahre Gefängnis, doch im wieder aufgebauten Hillesheim wollte ihn seine Frau nach dessen Entlassung nicht mehr aufnehmen. Es wird überliefert, dass der Mann später an Trübsinn starb. Die zwei Knaben wurden in eine Besserungsanstalt eingewiesen. Nach ihrer Entlassung ging einer zu den preußischen Ulanen und der andere wurde von seiner Familie am Gefängnistor der Schmach wegen zur Auswanderung nach Amerika abgeholt.
Von Luxemburg bis zum Rhein


Inzwischen waren von der Obrigkeit kontrollierte Sammelaktionen angelaufen. Gemeinden und Städte bis hin zum Rhein und zur luxemburgischen Grenze hin, Vereine und Höhere Schulen beteiligten sich großherzig daran. Das Ergebnis belief sich laut Abrechnungen vom 9. März 1858 auf 3136 Taler, 7 Silbergroschen und 8 Pfennige. Das wurde an die Geschädigten als Ersatz für verbrannte Vorräte, Saatgut und Materialien für Wiederaufbauzwecke verteilt. Ein Rest von 210 Talern wurde dann zur Anschaffung neuer Brandgerätschaften verwendet. Nicht zuletzt aus dieser Erfahrung heraus gründeten sich 1880 in der Vulkaneifel - mit Unterstützung der preußischen Regierung in Trier - mehrere Freiwillige Feuerwehren - so auch in Hillesheim.
Quelle: Aus der Geschichtschronik mit Aufzeichnungen von Geheimrat Josef Draf (1861 bis 1931).