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Als Stadt bessere Karten?

Als Stadt bessere Karten?

ULMEN. Der Ulmener Ortsbürgermeister Alois Keßeler hat das entsprechende Vokabular schon in Gebrauch. Wenn er von Ulmen spricht, kommen ihm Begriffe wie "Stadtsanierung" oder "Stadtkern" über die Lippen. Nicht von ungefähr: Denn Ulmen will Stadt werden.

"Es gibt noch keinen Zeitplan und auch noch nichts Konkretes. Es geht nur darum, die Diskussion in Gang zu bringen", sagt der Bürgermeister der Ortsgemeinde mit 3500 Einwohnern. Von der Verleihung der Stadtrechte verspricht er sich eine Stärkung Ulmens, auch vor dem Hintergrund einer Gebietsreform. "Wer weiß, ob es beim Zuschnitt der Landkreise bleibt? Wer weiß, wie lange es den Landkreis Cochem-Zell und die Verbandsgemeinden überhaupt noch gibt?", fragt er. Und mit dem Stadtstatus glaubt er, bessere Karten für Ulmen zu haben. "Es wäre vorausschauend, das jetzt anzugehen. Es würde Ulmen in seiner Entwicklung weiter nach vorne bringen", sagt Keßeler. Am liebsten würde er noch in diesem Jahr den Antrag stellen. "Wir haben Grundschule, Regionalschule, Altenheim, Kindergarten, Ärzte, einen wunderbaren Stadtkern - es ist alles da, was ein kleines Städtchen ausmachen muss", zählt er auf. Außerdem sei die Stadtsanierung bald abgeschlossen. Skeptikern, die ihm nur das Streben nach persönlicher Aufwertung attestieren, sich "Stadtbürgermeister" statt "Ortsbürgermeister" nennen zu können, erteilt er eine klare Absage. "Ich möchte das nicht für mich persönlich. Ich finde aber, dass es Ulmen helfen kann. Ich weiß ja nicht mal, ob es in meiner Legislaturperiode überhaupt noch wahr wird." Entscheidung fällt im Innenministerium

Hans-Werner Ehrlich, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ulmen, nimmt das Ansinnen Keßelers wohlwollend zur Kenntnis. "Wenn die Ulmener das wollen - und sie die Kriterien erfüllen - werde auch ich das nach besten Kräften unterstützen." Außerdem habe er das vor Jahren schon mal vorgeschlagen. Ulmen sei nun mal eine "zentralörtliche" Ortsgemeinde, der der Stadttitel gut stehen würde. Nun sei es an den Ulmenern, die Entscheidung zu treffen. "Ich beobachte das ja auch in Kaisersesch. Es ist eine emotionale Frage. Und die Kaisersescher haben ihre Stadt positiv angenommen." Schließlich bedeutet Stadt zu sein, keinerlei Vorteile gegenüber anderen Gemeinden. "Es ist ein Ehrentitel", sagt Ehrlich. Wenn sich die Gremien der Ortsgemeinde für die Umbenennung entschieden haben, ist es letztlich die Landesregierung, die den Daumen hebt oder senkt. Entschieden wird nach der Gemeindeordnung: Demnach wird nur solchen Gemeinden die Bezeichnung "Stadt" verliehen, "die nach Siedlungsform, Gebietsumfang, Einwohnerzahl und anderen, die soziale und kulturelle Eigenart der örtlichen Gemeinschaft bestimmenden Merkmalen, städtisches Gepräge haben", heißt es aus dem Innenministerium. Die betreffende Gemeinde muss beim Innenministerium einen Antrag stellen, worin sie begründen muss, warum sie die Bezeichnung "Stadt" beansprucht. Danach werden Stellungnahmen der Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD), des Landesamts für Vermessung und Geobasisinformation und des Statistischen Landesamts eingeholt. Daraufhin wird das Begehren vom Innenministerium mit den Vertretern der Gemeinde erörtert, es gibt eine Ortsbesichtigung, und dann wird vom Innenministerium entschieden.