Alte Brücken behalten ihren Charme

Alte Brücken behalten ihren Charme

Zwei Eisenbahnbrücken auf der Gemarkung des Ortes in der Verbandsgemeinde (VG) Hillesheim kreuzen den Kalkeifelradweg. Beide wurden nach Originalplänen restauriert.

Walsdorf. Die fast baugleichen, 1910 erbauten Brücken, im Fachjargon "gewölbte Wegüberführung" genannt, überspannten die Bahnstrecke Dümpelfeld-Lissendorf bis zu deren Abbau in den 1970er Jahren.
Heute führt der Kalkeifelradweg unter ihnen hindurch - und die Trasse ist beliebt, wie die an der Eichholzbrücke angebrachte "Radverkehrsstelle Walsdorf" zeigt: Bereits 2014 zählte der Automat fast 17 000 Radfahrer auf der Strecke, die an das Regional- und Fernradwegenetz angeschlossen ist.
"Es musste, um der Verkehrssicherheit zu genügen, etwas geschehen", sagt Walsdorfs Ortsbürgermeister Horst Kolitsch. "Zumal die Brücken auch immer noch von den hiesigen Landwirten als Wirtschaftswege genutzt werden." Ein Abriss hätte also einen schmucklosen Neubau nach sich gezogen - "doch das sind Baudenkmäler", sagt Kolitsch. "So etwas zerstört man nicht."
Stattdessen hat die Gemeinde in eine Sanierung nach den historischen, handgezeichneten Bauplänen der "Königlichen Eisenbahndirektion Cöln" investiert, die ein ehemaliger Walsdorfer Bahnangestellter vor der Vernichtung bewahrt hatte. "Die Kosten dafür lagen bei rund 55 000 Euro je Brücke", sagt Jürgen Mathar, Leiter des Fachbereiches für Planen, Bauen und Umwelt bei der VG Hillesheim. Förderungen für das Projekt erhielt Walsdorf nicht: "Die dafür vorgesehenen Mittel aus dem Investitionsstock des Landes flossen nicht, weil die Gemeinde zu finanzstark war", erklärt Mathar. Die Sanierung der Eichholz- und der Beuelbrücke musste zudem heutigen Normen entsprechen - die Bauwerke sind somit ein Hybrid aus historisch und modern, ohne dabei den Charme der damaligen Baukunst zu verlieren. "Das Geländer hat eine vorschriftsmäßige innenliegende Seilsicherung, die Brücken, mit jeweils rund 25 Metern Spannweite sind mit bis zu 16 Tonnen belastbar", erklärt Jürgen Mathar. Der Schotter auf der auf drei Meter Breite erweiterten Fahrbahn, die nun beiderseits mit radabweisenden Schrammborden versehen ist, sei einer Asphaltdecke gewichen, die ihren Teil dazu beiträgt, die Brücke trocken zu halten. "Das Regenwasser ist früher einfach eingesickert, die mit Naturstein verkleideten Wangen waren dadurch voller Moos und auch die Fundamente haben gelitten."
In mühsamer Feinarbeit sind die Steinblöcke an den Bauwerken neu verfugt worden - obwohl sie mehr als 100 Jahre auf dem Buckel haben, sehen sie aus wie neu. "Für etliche Radfahrer sind die Brücken ein beliebtes Foto-Motiv", sagt Ortsbürgermeister Kolitsch.
Und sie erfüllen eine weitere Funktion, fügt Jürgen Mathar hinzu: "Sie erinnern daran, dass hier früher eine Bahnstrecke existierte."

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