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Naturschutz: Alter Bunker als Heimat für Fledermäuse

Naturschutz : Alter Bunker als Heimat für Fledermäuse

Das Naturschutzprojekt „Obere Kyll – natürlich gut!“ geht in die zweite Runde. Dahinter stecken mehrere Einzelvorhaben, mit denen die Belastungen durch die neuen Windkraftanlagen reduziert werden sollen.

(red) In Zusammenarbeit von Kreisverwaltung Vulkaneifel, Verbandsgemeinde Gerolstein, Biotopbetreuer Gerd Ostermann sowie der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz sollen nun weitere zehn Teilprojekte als Ausgleich für die Windkraftanlagen an der Oberen Kyll gefördert werden.

Nachdem die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) bereits einen Förderbescheid über 864 500 Euro an die Verantwortlichen von Kreis und Verbandsgemeinde übergeben hatte, sind nun zehn weitere Projekte im Wert von 351 000 Euro angemeldet worden. Die Förderungssumme stammt von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, die die Ersatzgeldzahlungen der Betreiber der Windkraftanlagen im Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde Obere Kyll verwaltet.

Seit 2015 wurde die Errichtung von insgesamt 30 neuen Windkraftanlagen und anderen Höhenbauwerken in der früheren Verbandsgemeinde Obere Kyll genehmigt. Deren Bau bedeutet immer auch einen gravierenden Eingriff in die Natur, der sich auch in der Beeinträchtigung des Landschaftsbilds widerspiegelt.

Dafür leisten die Betreiber der Windkraftanlagen Ersatzgeldzahlungen für nicht ausgleichbare Eingriffe in das Landschaftsbild. Die untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Vulkaneifel, die Verbandsgemeinde Gerolstein und Biotopbetreuer Gerd Ostermann, von der Bürogemeinschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie in Birgel, waren sich einig, dass entsprechende Ausgleichsmaßnahmen auch in der durch die Windkraftanlagen betroffenen Region umgesetzt werden sollten.

Unter dem Titel „Obere Kyll- natürlich gut“ wurden bereits vergangenes Jahr insgesamt 25 Teilprojekte erarbeitet, die sich über das komplette Gebiet der ehemaligen Verbandsgemeinde Obere Kyll erstrecken.

Sie sollen das ökologische Entwicklungspotential des Naturraumes aufgreifen und entsprechende nachhaltige ökologische Verbesserungen – mit unterschiedlichen Schwerpunkten – bewirken.

Eines dieser 25 Projekte ist der Steffelkopf, eine ehemalige Vulkankuppe, die jahrelang als Lava-Grube genutzt wurde. Um den Steffelkopf weiterhin frei von Gebüsch und Bewaldung zu halten, wurde zum Jahreswechsel eine Umzäunung des Gebiets vorgenommen mit dem Ziel, das Gelände im Sommer mit Ziegen zu beweiden.

Durch die vierbeinigen Landschaftspfleger sollen dann ähnlich wie am Weinfelder Maar langfristig artenreiche Magerweiden entstehen. Diese Idee fand auch Zustimmung in der Bevölkerung, sodass sich viele regionale Viehhalter für die Beweidung der Wiesen bei Biotopbetreuer Gerd Ostermann gemeldet haben. Mit einem Weideauftrieb kann vermutlich im Frühjahr gerechnet werden. In einem Ausschreibungsverfahren wird sich nun für einen der Kandidaten entschieden.

Ein weiteres herausragendes Projekt sind die Bunkeranlagen des ehemaligen Westwalls bei Ormont. Viele Bunker wurden gesprengt, einer aber blieb davon verschont. Er wurde nach dem Krieg als sogenannter Wasserbunker genutzt und diente unter anderem der Wasserversorgung des Schwarzen Manns. Als diese Nutzung hinfällig geworden war, wurde der Bunker unzugänglich gemacht. Der Plan sieht nun eine Ansiedlung von Fledermäusen vor. Deshalb wurden im Inneren des Bunkers Vorrichtungen angebracht, die ein Sommer- und Winterquartier für Fledermäuse ermöglichen sollen. Zusätzlich wurde ein Auftrag vergeben, mit dem Hintergrund, die Nutzung und Frequentierung der Fledermäuse der Bunkeranlage messbar zu machen. Dem Abschluss des Projekts steht nun nur noch die Rodung der Fichten auf dem Bunkergelände im Wege, die durch die Borkenkäferplage im Hitzesommer 2018 verschoben werden musste.

15 der 25 Projekte sind in Bearbeitung, sieben Projekte sind aufgrund unklarer Eigentumsverhältnisse noch nicht begonnen, zwei Projekte können nicht wie geplant realisiert werden, eines wurde erfolgreich abgeschlossen.

In den vergangenen Monaten wurde an der Fortführung des Projektes „Obere Kyll natürlich gut!“ gearbeitet. Im Ergebnis wurden zehn Vorhaben entwickelt, die mit einem Gesamtvolumen von 351 000 Euro gefördert werden sollen. Der Antrag ist bereits in Bearbeitung. Mit einem Genehmigungsbescheid ist im Frühjahr zu rechnen.

Die Projekte sind verteilt über Steffeln, Birgel, Scheid, Schüller und Stadtkyll.

Die Ziele sind unterschiedlich, von der Errichtung eines Waldrefugiums bis zur Einrichtung eines Feldermausbiotops, einer Auenwaldentwicklung sowie einer Laubwaldansiedlung ist alles dabei.