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Alternative Energie als Verkaufsargument

Alternative Energie als Verkaufsargument

GEROLSTEIN. Mit welcher Energie soll künftig die Grundschule geheizt werden? Ob auch eine Holzhackschnitzel-Heizung als Möglichkeit in Betracht kommt, wird heute im Bauausschuss und morgen im Haupt- und Finanzausschuss der Verbandsgemeinde diskutiert.

Im Rathaus wird nichtausreichend über regenerative Energien nachgedacht, behauptet TimSteen, Mitglied im Verbandsgemeinderat. Eine"Hau-Ruck-Entscheidung" wie für die neue Gasheizung im Rathaussoll sich nicht mehr wiederholen. "Bei der Auftragsvergabe zurneuen Gasheizung im Rathaus wurde schon die Gelegenheitausgelassen, eine Alternative zu berücksichtigen. Weil ich weiß,dass die Sanierung der maroden Nachtspeicherheizung in derGrundschule bald ansteht, habe ich die Initiative ergriffen",sagt Steen. Ein Mitstreiter ist gefunden

Das Ratsmitglied und Kreisgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen hat Anfang Februar den Antrag auf Erstellung einer Machbarkeitsstudie einer Holzhackschnitzel-Heizung gestellt. Dabei denkt Steen an ein Nahwärme-Konzept, dass auch die angrenzende Jugendherberge, das Hotel Calluna samt dem geplantem Baugebiet unterhalb des Hotelkomplexes sowie die Tennishalle umfassen könnte. In Heinz Weber, Bautec-Chef und Calluna-Gesellschafter, hat Steen einen Mitstreiter gefunden. Weber erklärt: "Wir wollen mit in die Studie. Es wäre denkbar, die eventuelle Erweiterung des Wellness-Centers und die 18 Doppelhäuser des Projektes ,Servicewohnen\' mit alternativer Energie zu versorgen. Wenn es wirtschaftlich ist, wäre es für uns ein tolles Verkaufsargument."

Das Wellness-Center mit mehreren Saunen und Pools soll zwischen dem Hotel und der Schule gebaut werden. "Da gibt es aber noch keine konkreten Pläne, weil die Investition mehrere Millionen Euro kosten würde. Die Eröffnung des Hotels ist ja noch kein halbes Jahr her", meint Weber.

Johannes Pinn, Revierförster in Wiesbaum und seit einem Jahr Holzenergieberater, kennt die Vorteile einer Holzhackschnitzel-Heizung vor allem im kommunalen Bereich. Seit anderthalb Jahren läuft, auf sein Betreiben hin, in Hillesheim eine 300-Kilowatt-Anlage. Damit werden die Grundschule und der Kindergarten versorgt (der TV berichtete).

Anlage hat sich in acht Jahren bezahlt gemacht

"Schon nach dem ersten Winter 2001/2002 wurden die Einsparungen deutlich", freut sich Pinn. Die reinen Brennstoffkosten betrugen für die Biomasse 22 Euro je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Gas hätte 58 Euro je Kilowattstunde gekostet. Pinn macht noch eine Rechnung auf: "Klar stehen der Einsparung hohe Investitionskosten gegenüber, aber ich gehe davon aus, dass sich die Anlage in acht Jahren bezahlt gemacht hat." Für den Holzenergie-Experten zählt auch die Unabhängigkeit vom Weltmarkt zu den Pluspunkten.

Egal, was das Erdöl kostet, minderwertiges Holz und Schnittabfall in den Sägewerken wird es immer geben. "Das macht ein Viertel des gesamten Holzaufkommens aus und deshalb sind die Holzhackschnitzel-Heizungen echte Förderer der heimischen Forstwirtschaft. Das Geld bleibt so in der Region", erklärt Pinn.

Auch Steen pocht auf diesen Vorteil und meint: "Im Interesse ihrer Gemeinden und der neuen Vermarktungsmöglichkeit fürs Holz sollte die Verbandsgemeinde in der Nutzung dieses Energieträgers eine Vorbildfunktion einnehmen." Er erfuhr bei einer Infoveranstaltung im Dauner Forum zum Thema "Regionales Energiekonzept", dass das Land für die Studie Fördermittel zur Verfügung stellt, "wenn man es schleunigst angeht".

Pinn erklärt: "Wenn noch was im Topf ist, gibt es eine Förderung von 25 Euro je installierte Kilowattstunde. Außerdem gibt es günstige Darlehen aus dem CO2-Einsparprogramm."

Im Gerolsteiner Rathaus hält man sich vor den Ausschuss-Sitzungen bedeckt. Bürgermeister Matthias Pauly meint: "Solange der Umfang, die Finanzierung und der exakte Auftrag der Studie nicht geklärt ist, können wir nichts dazu sagen."

Zum Vorwurf der angeblichen "Hau-Ruck-Entscheidung" in puncto neue Gasheizung im Rathaus bezieht allerdings Kämmerer Edgar Weis Stellung. Hintergrund: Steen behauptete, die Entscheidung sei "nur im kleinen Kreis und nicht in den Gremien" gefällt worden und regenerative Energien seien überhaupt nicht berücksichtigt worden.

Alternativen sind geprüft worden

Weis hält dagegen: "Das stimmt nicht. Die Heizung war im Nachtragshaushalt und ist durch alle Gremien gegangen." Außerdem seien durchaus Alternativen geprüft worden. Allerdings würden beispielsweise für eine rentable Holzhackschnitzel-Heizung weitere Mitnutzer im Nahbereich des Rathauses fehlen. "Das ist bei der Grundschule etwas anderes", räumt Weis ein. Die neue Kesselanlage für die Gasheizung hat rund 40 000 Euro gekostet und wurde im Oktober vergangenen Jahres eingebaut.