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Altes Hotel wird neue Anlaufstelle

Altes Hotel wird neue Anlaufstelle

Um Flüchtlinge beherbergen zu können, für die noch keine Wohnung gefunden wurde, richtet der Kreis eine weitere Gemeinschaftsunterkunft ein. Im ehemaligen Hotel Haus Christina im Deudesfelder Ortsteil Desserath stehen bis 80 Plätze zur Verfügung.

Deudesfeld-Desserath/Daun. Gut 30 Einwohner hat Desserath, ein Ortsteil von Deudesfeld in der Verbandsgemeinde Daun, aber diese Zahl wird morgen nach oben schnellen. Denn in dem kleinen Ort im Hinterbüsch werden am Donnerstag die ersten Flüchtlinge ins ehemalige Hotel Haus Christina einziehen - nach Mitteilung der Kreisverwaltung 15 Personen, darunter zwei Familien. "Die Gemeinde steht dem sehr positiv gegenüber", sagt Ortsbürgermeister Otmar Eckstein. "Im Rat hat keiner Ängste oder Befürchtungen wegen der künftigen Nutzung des ehemaligen Hotels. Wir lassen es auf uns zukommen und machen uns nicht vorher negative Gedanken." Er berichtet von Hilfsbereitschaft im 360-Einwohner-Dorf: "Ich bin schon von einigen Bürgern gefragt worden: Wann kommen die ersten Flüchtlinge, was können wir für die tun?"
Größere Flüchtlingsunterkünfte gibt es im Kreis derzeit in Jünkerath, Kelberg, Kerpen und Steineberg. Das dortige Haus, schon seit vielen Jahren die zentrale Aufnahmestätte des Kreises, wird vom Verein Jugendzentrum Steineberg getragen. Der ist es auch, der nun die Unterkunft in Desserath unterhalten wird.
Die große Zahl von Flüchtlingen, die in den Kreis kommen, macht es nach Auskunft der Verwaltung unvermeidlich, "eine weitere größere Immobilie zu nutzen", sagt Verena Bernardy, Sprecherin des Vulkaneifelkreises. Die zeitweilige neue Heimat der Flüchtlinge, das Haus Christina, wurde 1968 von Erich und Christel Berg eröffnet. Sie führten ihr Haus, in dem nun bis zu 80 Flüchtlingen untergebracht werden können, bis zur Schließung 2012. Nun kommt wieder Leben rein, und Besitzer Erich Berg ist optimistisch, wie die Einwohnerschaft auf die "Neu-Bürger" reagiert: "Ich habe nichts Negatives gehört, nur Positives. Die Leute hier im Dorf sind sehr aufgeschlossen." Für seine Einschätzung sprechen Aussagen einiger Deudesfelder, die nicht namentlich genannt werden wollten: "Es ist doch besser, wenn die Leute in einem richtigen Haus wohnen und nicht im Zelt." "Früher gab es auch Flüchtlinge im Krieg, denen wurde auch geholfen. Wir sind doch Christenmenschen", oder "Ich finde es einfach bescheuert, von Flüchtlingsströmen zu sprechen. Das sind schließlich Menschen, die Hilfe brauchen, also helfen wir denen", oder ganz pragmatisch "Das wird schon irgendwie klappen."
Ortsbürgermeister Eckstein ergänzt: "Wir sehen das auch als Chance, den Menschen zu zeigen, hier auf dem Land haben wir auch alle Möglichkeiten, auch um vielleicht später hier sesshaft zu werden." Die Kreisverwaltung ist gewappnet, größere Immobilien nutzen zu können, "denn es ist davon auszugehen, dass spätestens Februar/März eine weitere größere Unterkunft gebraucht wird. Wir setzen nach wie vor alles daran, dass keine Turn- oder Industriehallen in Anspruch genommen werden müssen." Deshalb werde das Wohnungsmanagement in Absprache mit den Verbandsgemeinden zentral beim Kreis angesiedelt, die Akquise könne so weiter verstärkt werden. "Denn wir haben nach wie vor großen Bedarf an Wohnraum", sagt die Kreissprecherin.
Dazu kann auch demnächst die Gemeinde Deudesfeld etwas beisteuern: "Wir haben in der alten Schule eine gemeindeeigene Wohnung, die frei wird. Die haben wir dem Kreis gemeldet als Unterkunft für Asylbewerber. Da könnte eine kleine Familie rein, damit die wenigstens vorübergehend ein Zuhause hat", sagt der Ortsbürgermeister.Extra

 Haus Christina in Desserath soll zur Flüchtlingsunterkunft werden. TV-Foto: Klaus Kimmling
Haus Christina in Desserath soll zur Flüchtlingsunterkunft werden. TV-Foto: Klaus Kimmling Foto: klaus kimmling (e_daun )

Erste Station für Flüchtlinge ist Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) in Trier. Von dort werden sie auf die Kommunen verteilt, wo sie bis Abschluss ihres Asylverfahrens bleiben. Bis Ende des Jahres werden voraussichtlich bis zu 700 Flüchtlinge (im Vorjahr waren es 184) in den Kreis Vulkaneifel gekommen sein. 116 von ihnen, aus den Balkanstaaten, sind laut Kreisverwaltung freiwillig wieder ausgereist. 20 Personen wurden abgeschoben. sts