1. Region
  2. Vulkaneifel

Amputierten-Fußball: Drei Eifeler sammeln WM-Erfahrung in Mexiko

Amputierten-Fußball: Drei Eifeler sammeln WM-Erfahrung in Mexiko

Hinter den besten deutschen Amputierten-Fußballern liegt eine kräftezehrende Weltmeisterschaftswoche in Mexiko. Neben Spieler Christian Heintz aus Bodenbach (Vulkaneifelkreis) waren noch zwei weitere Eifeler bei der WM aktiv: Delegationsleiter Thomas Borsch aus Ellscheid und Schiedsrichter Mario Schmidt aus Daun.

"Die WM war einfach ein schönes Erlebnis." Christian Heintz hat sich einen Traum erfüllt. Mit seinen Teamkollegen des 1. Amputierten-Fußball-Clubs (1. AFC) vertrat er Deutschland bei den vom Amputierten-Fußball-Weltverband organisierten Titelkämpfen im mexikanischen Culiacan. Durch eine Werbekampagne im Vorfeld seien die Spiele gut besucht gewesen: "Zu den Abendspielen der Mexikaner kamen bis zu 3000 Zuschauer. Zum Endspiel kamen sogar rund 4000 Fans", berichtet Heintz, der aus Bodenbach im Vulkaneifelkreis stammt und seit einem Autocrash unterschenkelamputiert ist.

Schon am zweiten Tag nach der Ankunft in Mexiko stand für die deutsche Mannschaft das erste WM-Spiel gegen Haiti auf dem Programm. Heintz und Co. kamen schwer ins Spiel und verloren mit 0:2. In der zweiten Partie stand das deutsche Team gegen die Effizienz des späteren Weltmeisters Russland (3:1 im Finale gegen Angola) auf verlorenem Posten. 0:7 hieß es am Ende. Im abschließenden Vorrundenspiel dann aber doch noch das erste Erfolgserlebnis. Die deutsche Auswahl siegte 3:2 gegen Kenia - dank der Torschützen Marco Reinecke (zwei Treffer, aus Berlin) und Heintz.

Als einer der besten Gruppendritten rutschte Deutschland somit noch ins Achtelfinale. Dort war aber gegen den routinierten Copa-America-Sieger Brasilien Schluss. Das bittere Endergebnis: 0:11. Im letzten Platzierungsspiel gegen die USA gab's eine 1:5-Niederlage - den Ehrentreffer erzielte Heintz.

Damit belegte die deutsche Mannschaft bei ihrer ersten WM-Teilnahme unter 21 Mannschaften den 13. Platz. Trainer Michael van de Löcht war zufrieden: "Wir haben unser Ziel erreicht und die Gruppenphase überstanden. Wir haben gesehen, dass wir in einigen Bereichen noch Nachholbedarf haben und dass uns die Weltspitze momentan noch weit voraus ist. Für uns war die WM eine wichtige Erfahrung."

Die Spieler bliesen ins selbe Horn: "Für uns gilt es nun, die Euphorie mit ins neue Jahr zu nehmen, um mit ihr weiterhin Pionierarbeit im Amputiertenfußball zu leisten." Ein Ziel für 2015 ist die Angliederung an die Sepp-Herberger-Stiftung. Dadurch würde eine finanzielle Unterstützung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) möglich.

Der Weltmeisterschafts-Teilnahme war eine große Überzeugungsarbeit vorangegangen. Als der 1. AFC Anfang Oktober unerwartet noch eine Turniereinladung vom Weltverband erhalten hatte, brauchte es mehrere Tausend Euro, um die Flugkosten nach Mexiko zu bestreiten. Der DFB konnte nicht helfen, da der Verein noch keine Gemeinnützigkeit vorweisen kann. Letztlich wurde das Geld dank anderweitiger Spenden und einer Crowdfunding-Aktion im Internet eingesammelt.

Innerhalb weniger Tage mussten die Flugtickets gebucht und andere organisatorische Dinge erledigt werden. Hierbei tat sich ein Eifeler hervor. Die Ernennung des ehemaligen Verbandsligatorjägers Thomas Borsch aus Ellscheid zum Delegationsleiter hat sich aus Sicht des 1. AFC als "Glücksgriff" erwiesen. Im Handumdrehen habe er alle notwendigen Formalitäten erledigt.

Positiv machte bei der WM auch ein dritter Eifeler auf sich aufmerksam. Schiedsrichter Mario Schmidt aus Daun pfiff mehrere Partien, unter anderem das Eröffnungsspiel und das Finale. Er wurde als einer der besten drei WM-Unparteiischen ausgezeichnet.