An der Radler-Skulptur am Kreisel wird nicht gerüttelt
Gerolstein · Im Radsportteam Gerolsteiner wurde systematisch gedopt, dazu gibt es nun ein Gerichtsurteil. Soll die von Schülern im Auftrag des Gerolsteiner Brunnens erschaffene Radler-Skulptur dennoch stehen bleiben? Diese Frage hat der TV der Stadt, dem Unternehmen und dem St. Matthias-Gymnasium gestellt.
Gerolstein. Der Doping-Prozess um Ex-Gerolsteiner-Radprofi Stefan Schumacher hat in den vergangenen Monaten für Aufsehen gesorgt. Nicht nur unter Radsportlern. Ging es bei den Verhandlungen doch um die Kernfrage, ob Schumacher mit seinem Doping (das er bereits früher zugegeben hatte) seinen ehemaligen Arbeitgeber betrogen hat.
Das war in erster Linie der damalige Teamchef Hans-Michael Holczer und in zweiter Linie eben der Gerolsteiner Brunnen als Namensgeber und Hauptsponsor. Das Gericht hat Schumacher vom Betrugsvorwurf freigesprochen und ist damit der Auffassung des Radprofis gefolgt. Seine Argumentation: Betrug kann nicht vorgelegen haben, da es im Team strukturelles Doping gegeben hat, von dem jedes Mitglied wusste. Das verneint Holczer nach wie vor.
Da aber bereits nachgewiesen ist, dass neben Schumacher weitere Profis des Radsportteams Gerolsteiner gedopt haben, hat der TV sich erneut - wie bereits nach den ersten Enthüllungen - bei den Verantwortlichen umgehört, ob die Radler-Skulptur auf dem Kreisverkehr an der Volksbank in Gerolstein stehen bleiben soll.
Sie ist 2005 von Schülern des Kunst-Oberstufenkurses des St. Matthias-Gymnasiums im Auftrag des Brunnens und mit Zustimmung der Stadt erschaffen und auf dem Kreisverkehr aufgestellt worden. Sie ist weiterhin Eigentum des Unternehmens.
Gerolsteins Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos): "Ich glaube nicht, dass das zugunsten von Herrn Schumacher ergangene Gerichtsurteil momentan eine Diskussion über die Neugestaltung des Kreisverkehrs in Gerolstein in Gang setzen sollte beziehungsweise wird. Von daher sehe ich persönlich auch keine Veranlassung, über die Entfernung der Radler-Skulptur nachzudenken beziehungsweise initiativ tätig zu werden."
Vielmehr seien die Themen Sprudel, Radsport, Region Gerolstein, die durch die Skulptur angesprochen werden, "immer noch so aktuell wie damals". May: "Erstens gibt es das weltweit bekannte Gerolsteiner Mineralwasser nach wie vor. Es sprudelt aus zahlreichen Quellen im Stadtgebiet, und wir schätzen uns glücklich, dass der Brunnen hier angesiedelt ist und hier produziert. Und zweitens sind die Stadt und die Region Gerolstein nach wie vor durch das gut ausgeschilderte Radwegenetz, reizvolle Radwege und interessante und anspruchsvolle Mountainbike-Strecken bei Radfahrern sehr beliebt."
Heike Görres, Gerolsteiner Brunnen: "Wir sehen keinen Anlass, die Skulptur zu entfernen. Sie ist Ausdruck einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem St. Matthias-Gymnasium und damit Symbol gelebter regionaler Verbundenheit."
Heribert Steinmetz, Schulleiter des St. Matthias-Gymnasiums: "Wir sehen keinen Grund, darauf einzuwirken, die Skulptur zu entfernen. Sie ist kein Denkmal für einen einzelnen Radprofi oder ausschließlich ein Team. Vielmehr orientiert sich die Gestaltung über die regionale Verbundenheit hinaus an positive Elementen des (Renn-)Radsports wie Einzelleistung im Team oder Durchhaltevermögen. Dies entspricht einer Grundhaltung am St. Matthias-Gymnasium, sich in besonderer Weise am Positiven zu orientieren. Daran ändert auch in menschlicher Schwäche begründetes Fehlverhalten nichts." Ausdrücklich möchte Steinmetz in diesem Zusammenhang auch auf die jährliche Fair-Play-Tour hinweisen, bei der Schüler in einer Woche rund 700 bis 800 Kilometer mit dem Rad zurücklegen.
Liebe Leser, was meinen Sie: Sollte die Radler-Skulptur auf dem Kreisverkehr an der Volksbank in Gerolstein angesichts des jüngsten Doping-Urteils zum Team Gerolsteiner entfernt werden oder stehen bleiben? Schicken Sie uns eine Mail an die Adresse eifel-echo@volksfreund.de samt kurzer Begründung. Bitte Namen und Anschrift nicht vergessen!Meinung
Endlich abbauen!
Die Verantwortlichen von Stadt, Schule und Gerolsteiner Brunnen wollen nichts wissen vom Doping im Team Gerolsteiner - obwohl dies längst und mehrfach von Gerichten festgestellt und geständigen Sündern zugegeben wurde. Während damals angesichts der Erfolge von Schumacher, Hondo, Leipheimer & Co. die Radsport-Euphorie angefeuert, die Banner des Teams und des Gerolsteiner Brunnens aufgehängt, die Flaggen gehisst und geschwenkt, große Partys gefeiert wurden, sich die Gerolsteiner-Chefs und Bürgermeister gerne mit den Radsportgrößen Arm in Arm gezeigt haben, herrschen nun Schweigen, Leugnen, Vergessenmachen. Doping? Kein Thema. Die Radler-Skulptur, die natürlich einen Rennradprofi des Teams Gerolsteiner symbolisiert? Ist doch nur ein Symbol, für was auch immer. Aber beileibe nicht für den verseuchten Profi-Rennradsport. Soll ausschließlich Ausdruck der Partnerschaft zwischen Stadt, Schule und Unternehmen sein. Und vielleicht noch an die sauberen Leistungen der Schüler bei der jährlichen - das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen - "Fair-Play-Tour" erinnern. Es wird höchste Zeit, mit dem Leugnen aufzuhören und die Doping-Skulptur nach vorheriger ausgiebiger Diskussion im Stadtrat als zuständigem Entscheidungsgremium abzubauen. Sie taugt noch nicht einmal als Mahnmal für einen verseuchten Sport und eine falsche Firmenpolitik des bedeutendsten Arbeitgebers der Region. m.huebner@volksfreund.de