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Justiz: Angeklagter fiel schon mit Gewalt auf

Justiz : Angeklagter fiel schon mit Gewalt auf

Beleidigungen, Schläge, sexuelle Belästigung – damit zog ein 32-Jähriger eine Spur durch Daun. Gestern folgte der vierte Verhandlungstag vor dem Landgericht Trier.

Schlägereien mit Verletzten standen gestern bei der Ersten Großen Strafkammer wieder einmal im Mittelpunkt der Beweisaufnahme. Angeklagt ist ein gebürtiger Gelsenkirchener, der zuletzt in Daun wohnte und derzeit vorläufig in der Psychiatrischen Klinik Andernach untergebracht ist. Die Vorfälle, die gestern von der Kammer erneut beleuchtet wurden, ereigneten sich zwischen dem 24. Juni und dem 16. Juli 2019 an verschiedenen Orten der Eifelstadt.

Begonnen hatte es laut Anklage vor einem Supermarkt. Dort soll der Mann auf eine Gruppe Jugendlicher gestoßen sein, die er dann provoziert habe (wir berichteten). Die Sache endete an der Dauner „Eselsbrücke“, wo ein erwachsenes Paar, das die Vorgänge beobachtet und die Polizei verständigt hatte, vom Angeklagten angegriffen und verletzt wurde.

Am vorangegangenen Sitzungstag war bereits ein junger Mann aus der Gruppe Jugendlicher als Zeuge gehört worden. Ihn hatte es nach dem Supermarkt-Vorfall besonders hart getroffen. Er wurde in der Folgezeit vom Angeklagten angegriffen, sobald dieser ihn zu Gesicht bekam.

Der schwerwiegendste Fall ereignete sich am 16. Juli wieder im besagten Supermarkt. Dort traf der junge Mann zufällig auf den Angeklagten und wurde mit Faustschlägen bis zur Bewusstlosigkeit traktiert.

Diesmal endete die Attacke für ihn im Krankenhaus, wo seine Kopfverletzungen geklebt werden mussten. Gestern, am vierten Verhandlungstag, hörte das Gericht eine Reihe junger Zeugen aus seinem Umfeld. Sie bestätigten die im Verfahren vorangegangenen Aussagen weitgehend. Der Angeklagte monierte die Aussagen – tatsächlich sei er zuerst beleidigt und angegriffen worden und die Gruppe habe ihm am Supermarkt aufgelauert.

Einen Blick in die Vorgeschichte des heute 37-Jährigen präsentierte die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz gestern anhand seiner Strafakten. Vorhanden sind neun Einträge von Gerichten in Gelsenkirchen, Essen und Duisburg. Die Reihe beginnt mit kleineren Jugendstrafen und setzt sich später fort mit Betrug, Betäubungsmitteln, Beleidigung und Körperverletzung. Die letzteren Fälle ähneln denen in Daun.

So etwa ein Vorfall in Essen. Dort hatte ihn eine ältere Frau im Bus gebeten, doch seine Tasche neben sich vom leeren Sitz zu nehmen, damit sie sich setzen könne. Er verweigerte dies, eine jüngere Frau sprach ihn deshalb an und wurde durch Faustschläge und Tritte erheblich verletzt.

Die Staatsanwaltschaft geht beim Angeklagten aufgrund einer psychischen Erkrankung von verminderter Schuldfähigkeit aus. Ihm droht die unbefristete Einweisung in die geschlossene Psychiatrie. Ausschlaggebend dürfte das demnächst erwartete Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen Dr. Sylvia Leipold sein.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 27. Februar, um 9 Uhr, fortgesetzt.