Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

Er hat zugegeben, zwei Bekannte geschlagen und beraubt zu haben und wurde auch dafür verurteilt. Doch weil im ersten Verfahren ein Fehler gemacht wurde, wird erneut gegen einen Eifeler verhandelt - und das einstige Geständnis gilt als nie gemacht.

Daun/Trier. Kurzer Prozess: Der Auftakt der Verhandlung gegen einen 30-Jährigen, der sich im Oktober 2013 innerhalb weniger Tage zweimal der besonders schweren räuberischen Erpressung schuldig gemacht haben soll, geht bereits nach gut einer Stunde wieder zu Ende.
Der Angeklagte will sich nicht äußern zu dem ihm Vorgeworfenen: Demnach soll er einen Bekannten erst mit einem eingegipsten Arm und mit einem Monitor geschlagen, außerdem erpresst, beraubt und mit dem Tod bedroht haben (der TV berichtete). Einen anderen Menschen soll der Angeklagte wenige Tage später wegen einer Beleidigung ebenfalls extrem attackiert und beraubt haben.
Diese Taten hatte der 30-Jährige in einem ersten Prozess eingestanden und war dafür zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Weil aber der Bundesgerichtshof einen schweren Verfahrensfehler beanstandet hat, gilt das Geständnis als nie abgelegt.
Die Folge: Es muss noch einmal komplett neu verhandelt werden gegen den Mann, der wegen anderer Vergehen derzeit bereits in Haft sitzt. Während sich der Angeklagte diesmal also nicht zur Tat äußern will, stellt er sich immerhin den allgemeinen Fragen zu seiner Person. Damit versucht der Vorsitzende Richter Günther Köhler, sich vom Angeklagten ein umfassendes Bild zu machen.
Das fällt denkbar trist aus: Als ältestes von sieben Kindern wird der Angeklagte in der ehemaligen Sowjetunion geboren, im Kaukasus. Als er vier Jahre alt ist, wandert die Familie nach Deutschland aus. "Nach Norddeutschland", erklärt der Angeklagte. Wohin genau, kann er nicht sagen.
Später zieht die Familie in die Eifel. Nach der Hauptschule macht der Angeklagte eine Ausbildung in der Elektro- und Metalltechnik, allerdings nur überbetrieblich: Einen Betrieb, der ihn ausbildet, habe er nicht gefunden, weil er "autistisch veranlagt" und dadurch "einfach nicht bei der Sache" sei.
Mit 21 bezieht er eine eigene Wohnung in Daun, die das Sozialamt ihm bezahlt. Das Geld habe nie gereicht, obwohl er gearbeitet habe. Eine Zeit lang etwa als Putzhilfe. Irgendwann auch mal etwas anderes. Was, wo, will der Richter wissen. Der Angeklagte weiß es nicht mehr.
Mehrfach habe er freiwillig eine psychosomatische Klinik aufgesucht. Vor Gericht spricht er wieder von "Aufmerksamkeitsstörungen" und "Autismus". Später fragt ihn einer der Schöffen, ob denn je eine entsprechende Diagnose erfolgt sei. Nein, sagt der Angeklagte. Er würde sich aber "gerne untersuchen lassen".
Ausweichende Antworten


Auch Fragen zu Drogenkonsum werden ausweichend beantwortet: Da war mal was, ganz sporadisch, vor Jahren. Was? Das weiß der Angeklagte nicht so genau. Dabei hat er längst eine Therapie wegen seiner Amphetamin-Sucht gemacht. Und der letzte Drogengebrauch dürfte auch erst vor wenigen Tagen erfolgt sein - allerdings staatlich erlaubt: Der Angeklagte befindet sich seit gut einer Woche in der Psychiatrie. Dort habe er fast täglich "etwas zur Beruhigung" bekommen. Was? Das weiß er nicht.
Richter Köhler hält den Mann, der sich in durchaus klaren, wohlformulierten Sätzen artikuliert, für verhandlungsfähig.
Der nächste Verhandlungstag ist für den 7. November angesetzt. Dann sollen die ersten Zeugen befragt werden. Das funktionierte im ersten Prozess nicht auf Anhieb: Da ließen sich ausgerechnet die mutmaßlich Attackierten zunächst "entschuldigen": Angeblich hatten sie kein Fahrgeld, um nach Trier zu kommen. Einer war "nicht reisefähig" - wegen Volltrunkenheit.

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