Angekündigte Entlassungswelle bei CC Pharma: Belegschaft sprachlos und schockiert

Densborn · Sprachlosigkeit nach dem Schock: Nachdem die neue Geschäftsführung des Arzneimittel-Reimporteurs CC Pharma in Densborn am Freitag mitgeteilt hat, bis Ende Oktober rund 160 seiner 420 Mitarbeiter (überwiegend Frauen) zu entlassen, sind viele Betroffene fix und fertig. Und nur wenige trauen sich, sich zu äußern.

Alarmstimmung beim Arzneimittel-Reimporteur CC Pharma in Densborn, wo die neue Geschäftsführung am Freitag mitgeteilt hat, dass bis Ende Oktober 160 Leute entlassen werden. TV-Foto: Mario Hübner

Foto: (e_gero )

Densborn. Schichtende am Freitagnachmittag bei CC Pharma. Deutlich weniger Mitarbeiter als üblich verlassen das Werksgelände. Es ist aber auch kein Tag wie jeder andere, von Vorfreude aufs Wochenende keine Spur. Die Männer und Frauen gehen mit hängenden Köpfen zu ihren Autos, einige schütteln den Kopf, die meisten sehen bedrückt bis niedergeschlagen aus. Einige Stunden zuvor hat die neue Geschäftsführung verkündet, was als Gerücht bereits kursierte: Bis Ende Oktober wird das Unternehmen 160 bis 170 seiner 420 Mitarbeiter entlassen. Betroffen davon sind überproportional viele Frauen, da bei CC Pharma mehr als zwei Drittel der Belegschaft weiblich sind.
Äußern möchten sich nur wenige dazu, was kurz zuvor in der Firma passiert war. Einige ziehen mit den Worten "kein Kommentar" vorbei, andere erklären, dass sie lieber nichts sagen möchten, "da wir sonst Ärger kriegen".
Ein Mittdreißiger aus dem Kreis Vulkaneifel, der seit mehreren Jahren im Büro bei CC Pharma arbeitet und auch seine Papiere bekommt, ist bereit, sich zu äußern - wenn auch nur anonym. Er sagt: "Uns hat der Abteilungsleiter heute Morgen informiert, dass wir entlassen werden. Da waren wir natürlich geschockt, obwohl bei der jüngsten Betriebsversammlung schon angekündigt wurde, dass Entlassungen anstehen. Aber wenn es dann wirklich so weit ist und man selbst betroffen ist, ist das hart. Es sind viele Tränen geflossen, und auch ich muss das erst mal sacken lassen." Vor allem müsse er sich entscheiden, ob er den angebotenen Auflösungsvertrag unterschreibe. Diejenigen, die einen befristeten Vertrag hätten, bekämen schlicht keine Verlängerung.Mann vom Arbeitsamt kommt


So wie der junge Mann aus der Produktion, der erst seit wenigen Monaten in der Firma ist. Er sagt: "Für mich war der Job eine große Hoffnung, jetzt ist alles wieder dahin."
Am Mittwoch kommt nach Aussage der Beschäftigten ein Mitarbeiter des Arbeitsamts in die Firma. Nur sehr wenige hätten seit Aufkommen der Gerüchte versucht, anderswo einen neuen Job zu bekommen. "Ich weiß nur von zwei Leuten", sagt der Mittdreißiger. Viele hätten auf den neuen Geschäftsführer Ulrich Eggert (58) gesetzt, der am 1. Oktober 2014 angetreten war. Aber auch er ist nicht mehr an Bord. "Darüber wurden wir dieser Tage per Mail informiert. So wie es aussieht, hatte er gar keine Gelegenheit mehr, sich zu verabschieden", sagt der Mitarbeiter und fügt hinzu: "Herr Eggert hatte einen sehr guten Ruf, viele haben in ihn große Hoffnungen gesetzt, da er sich in der Branche auskennt." Anders fällt die Meinung zum Betriebsrat aus, wie mehrere Mitarbeiter sagen: "Der Großteil der Belegschaft ist der Meinung, dass der Betriebsrat viel zu wenig gemacht hat."
CC Pharma kauft im europäischen Ausland günstig Medikamente ein, etikettiert sie für den deutschen Markt um und verkauft sie hier teurer weiter. 2006 hat CC Pharma seinen Firmensitz von Grevenbroich ins Kylltal verlegt und ist mit 53 Beschäftigten gestartet. 2010 hat die Firma mit 360 Beschäftigten rund 270 Millionen Euro Umsatz gemacht, 2013 waren es bereits 330 Millionen Euro. Derzeit beschäftigt CC Pharma 420 Mitarbeiter, davon mehr als zwei Drittel Frauen.