Angst vor Feuer unterm Dach

Angst vor Feuer unterm Dach

GEROLSTEIN-MÜLLENBORN. Öltanks im erst vor zwei Jahren gebauten Kindergarten in Müllenborn sorgen für erhitzte Gemüter. Die Tanks wurden, weil offensichtlich bei der Planung die dafür vorgesehenen Räume vergessen wurden, kurzerhand auf dem Speicher installiert. Jetzt wird geprüft, ob die Sicherheit der 22 Kinder im darunter liegenden Kindergarten gewährleistet ist.

"Müllenborn hat den zweifelhaften Ruhm, das einzige Gemeindehaus mit Kindergarten zu besitzen, in dem Heizung und Öltanks auf dem Dachboden untergebracht sind." Mit diesen Worten prangert Hans-Joachim Stief, Fraktionssprecher der WG Möller im Gerolsteiner Stadtrat, einen Umstand an, der an einen Schildbürgerstreich erinnert. Und seinen Worten ließ er auch bereits Taten folgen. So legte er bei der Kommunalaufsicht Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Gerolsteins Bürgermeister ein. Stief geht eindeutig von einer Fehlplanung aus, "die Mehrkosten von 20 000 Euro verursacht hat". Dafür sollen die damals Verantwortlichen nun zur Rechenschaft gezogen werden. In einem Antwortschreiben auf eine Anfrage von Stief teilte Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz (CDU) mit, dass bei einer Ortsbesichtigung durch den Bauausschuss "das Fehlen ausreichender Nebenflächen/Abstellräume" festgestellt worden sei. Da aber die Rohbauarbeiten bereits weit fortgeschritten gewesen seien, "wurde am 11. August 2003 eine Eilentscheidung mit der Maßgabe getroffen, entgegen der ursprünglichen Planung in einem Teilbereich des Kindergartens eine Betondecke herzustellen". Die wurde notwendig, um die 4500 Liter Öl fassenden Tanks dort zu installieren. Damals war Georg Linnerth (SPD) noch Stadtbürgermeister, der Beigeordnete Karl-Heinz Schwartz (CDU) hatte seine Kandidatur um die Nachfolge aber bereits bekannt gegeben. Auf die Nachfrage des TV, ob die Statik der Decke ausreiche, dass die Tanks komplett befüllt werden können, um eine Bevorratung und somit einen Kosten sparenden Einkauf des Öls zu ermöglichen, antwortete der Stadtbürgermeister nicht. Auch zur Frage, ob eine Fehlplanung vorliege, äußerte sich Schwartz gegenüber dem TV nicht. Im Schreiben an Stief ließ er lediglich verlautbaren: "Da eine Fehlplanung nicht erkennbar war, wurden keine weiteren Maßnahmen ergriffen." Stief wiederum vermutet hinter dem Vorgehen auch taktisches Kalkül. Er sagt: "Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Stadtbürgermeister und Verwaltung alles tun, um Fehlentscheidungen zu vertuschen ... wobei die Vergeudung öffentlicher Mittel offensichtlich keine Rolle spielt. Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl 2004 durfte natürlich nicht öffentlich werden, dass die verantwortlichen Stadtväter von Gerolstein in Müllenborn Heizung und Öllager/Funktionsräume vergessen hatten." Da dies alles mittlerweile Vergangenheit ist, dreht sich aktuell die Frage um die Sicherheit. So sagt Stief: "Absolute Priorität hat nun, festzustellen, ob die Sicherheit der Kinder und des Personals im Kindergarten gewährleistet ist." Dazu gibt es von der Kreisverwaltung, deren Fachleute der Bauabteilung und des Brandschutzes die Angelegenheit nun nochmals überprüft haben, eine eindeutige Stellungnahme auf die TV-Anfrage: "Der Raum im Dachgeschoss ist zulässig, so genehmigt worden und stellt keine besondere Gefahr dar." Brandschutzbeauftragter Robert Benz sagte aber: "Es kommt in der Tat nicht oft vor, dass das Öl auf dem Speicher gelagert wird. Wenn der Bauherr das aber so will und alle Anforderungen erfüllt sind, spricht nichts dagegen." Gesichert sei der Raum laut Benz durch zwei Türen, die wie Zimmertüren aussehen, aber feuerhemmend seien, also ein Feuer 30 Minuten lang aufhalten könnten. Dazu müssen sie aber stets verschlossen sein. Kindergartenleiterin Angelika Krämer erinnert sich: "Als wir eingezogen sind, habe ich es schon für ungewöhnlich gehalten, dass das Öl unter dem Dach gelagert wird. Als mir auf Nachfrage aber von der Verwaltung versichert wurde, dass alles rechtens und genehmigt ist, war das für mich in Ordnung."

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