Anhaltender Preisverfall: Rund zwei Dutzend Bauern in der Vulkaneifel denken ans Aufhören

Anhaltender Preisverfall: Rund zwei Dutzend Bauern in der Vulkaneifel denken ans Aufhören

Der Bauernverband Daun schlägt Alarm: Wegen des anhaltenden Preisverfalls für Milch, Getreide und auch Schlachtvieh würden rund zwei Dutzend Landwirte im Kreis Vulkaneifel aktuell an die Aufgabe ihres Betriebs denken. Kreisbauernchef Marco Weber sagt: "Die Situation war noch nie so dramatisch wie jetzt."

Weber, seit einem Dreivierteljahr Chef der Bauernschaft im Kreis Vulkaneifel, spricht zwar alles in allem von einer ordentlichen Ernte in diesem Jahr, sowohl was die Menge als auch die Qualität angeht, die Preise aber seien eine Katastrophe. Und das hat Folgen. So sagt Weber: "Im Moment spielen etwa zehn Prozent unserer 250 Haupterwerbslandwirte im Kreis mit dem Gedanken, ihren Betrieb aufzugeben. Und darunter sind einige richtig große Betriebe."

Grund dafür seien die anhaltend niedrigen Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Sowohl der Milchpreis von aktuell zwischen 26 und 28 Cent pro Liter als auch der Preis für Raps und Getreide (35 bis 36 Euro pro 100 Kilogramm), für Weizen (16 Euro pro 100 Kilogramm) und für Braugerste (16 bis 17 Euro pro 100 Kilogramm) sei nicht kostendeckend und führe dazu, "dass immer mehr Bauern in die Bredouille kommen". Um kostendeckend zu arbeiten benötigten die Landwirte zehn Cent mehr bei der Milch, bei. Weizen und Braugerste einen Preis von 20 Euro und bei Raps und Getreide von 40 Euro.

Den Kreisbauernverband treibt daher besonders die Frage um, wie er die Situation ändern kann. Spektakuläre Aktionen wie im Nachbarland Frankreich, wo Autobahnen blockiert oder auch schon einmal ein Wagen Mist vor dem Discounter abgeladen wird, lehnt er ab. Weber sagt: "Wir haben ein Image zu verlieren." Seiner Meinung nach geht das nur, indem die Bauernschaft es schafft, bei Bürgern und Verbrauchern ein Umdenken in Gang zu setzen. "Wir müssen es schaffen, dass die Leute sich fragen: Wollen wir, dass uns noch mehr Bauen verloren gehen, noch mehr Landwirtschaft verloren geht und auch die Eifellandschaft, so wie wir sie kennen, verloren geht? Und da sind wir bereit, für Eifeler Qualitätsprodukte etwas mehr Geld auszugeben?" Beispielsweise zehn Cent mehr für den Liter Milch. Beim Weizen und der Braugerste würde der Verbraucher laut Landwirt Albert Bongartz einen kostendeckenden Preis gar nicht spüren. Er sagt: "Der Aufschlag bei einem Brötchen und einem Stubbi würde gerade einmal 0,3 Cent betragen."

Schweinezüchter Weber selbst denkt daran, die Reißleine zu ziehen. Er sagt: "Pro Woche verlassen 50 Schlachtschweine unserem Betrieb, und in diesem Jahr haben wir auf jedes Schwein 20 Euro draufgelegt. Das ist unternehmerischer Nonsens. Wenn sich am Preis nicht bald was ändert, hören wir auf, Schweine zu züchten."

Angesprochen auf das Thema landwirtschaftliche Subvention sagt der Kreisbauernschaft: "Ich will keine Steuergelder, sondern für ein ordentliches Produkt einer ordentlichen Preis." Dafür bekam er Applaus der gesamten Kollegenschaft.

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