Anstrengender Aufstieg mit Absturzgefahr

Anstrengender Aufstieg mit Absturzgefahr

HILLESHEIM/GEROLSTEIN. Ob das Dekanat Gerolstein-Hillesheim nach der Strukturreform ("Projekt 2020") aus drei oder vier Einheiten besteht, entscheidet letztlich die Bistumsleitung. Im TV-Gespräch erläutern Dechant Bruno Comes und Dekanatsreferent Michael Schlüter beide Lösungen und ihre möglichen Auswirkungen.

"Die Grunddienste sind gewährleistet", versichert Bruno Comes mit dem Blick auf eine immer wieder geäußerte Sorge der Menschen in seinem Dekanat: "Kann ein Priester bei den großen Einheiten überhaupt noch wirklich seelsorgerlich für seine Schäfchen da sein?" Allerdings werde es nicht mehr jeden Sonntag in jeder Kirche einen Gottesdienst mit einem Priester geben, räumt der Dechant ein. Dabei müsse auch das Profil des Priesters neu bestimmt werden. "Er kann nicht für jedes und alles zuständig sein, und er muss in Bereichen wie Verwaltung und Management entlastet werden", so Dechant Comes. Sei doch die als Projekt 2020 bezeichnete Straffung und Zusammenlegung in den Dekanaten wegen drastisch zurückgehender Priesterzahlen überhaupt erst in Gang gesetzt worden. Die Zusammenlegung birgt auch Chancen

Gleichzeitig sei aber von Seiten der Bistums- und Projektleitung immer der geistliche Aufbruch als wichtigstes Ziel betont worden, erklärt Comes. "Die Zusammenlegung birgt auch Chancen", erklärt Dekanatsreferent Michael Schlüter und nennt die Bündelung der Kräfte durch eine verbesserte Kooperation zwischen Klerikern und Laientheologen, die Öffnung hin zu anderen Pfarreiengemeinschaften, die verstärkte Mitarbeit von Ehrenamtlichen sowie die Chance, dass sich Gleichgesinnte über den eigenen Kirchturm hinaus begegnen. Große Bedeutung komme der Begleitung der Ehrenamtlichen durch Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten zu. Die Mitglieder des Dekanatsrates und der Dekanatskonferenz Gerolstein-Hillesheim hatten sich auf der Grundlage der Vorgabe aus Trier (mindestens drei, höchstens vier pastorale Räume) nach vielen Beratungen und nach der Auswertung der Fragebögen aus den Pfarreien (Comes: "Für den 100-prozentigen Rücklauf gebührt allen Beteiligten ausdrücklich Dank!") für die "Vierer-Lösung" entschieden. Will heißen: Vorausgesetzt, der Bischof stimmt zu, heißen die zukünftigen Einheiten des Dekanats Stadtkyll-Jünkerath, Hillesheim, Niederehe und Gerolstein-Birresborn. Bei einer "Dreier-Lösung" würden auch Hillesheim und Niederehe zusammengefasst. Wesentliches Argument für eine Neuordnung mit vier Pfarreiengemeinschaften sei gewesen, dass das Dekanat dann einen Priester und einen Gemeindereferenten mehr habe, während bei der Dreier-Lösung die Anpassung an bestehende Strukturen (drei Verbandsgemeinden) größer sei und die Entstehung etwa gleich großer Einheiten erfolge. Auf keinen Fall werde der endgültige Plan, den der Bischof von Trier Ende Juni 2007 veröffentlicht, nicht von heute auf morgen umgesetzt. "Er greift nach und nach bei personellen Veränderungen", erklären Comes und Schlüter. Den Prozess der Entscheidung für eine der beiden Lösungen beschreiben der Dechant und der Dekanatsreferent als "zuweilen zähes Ringen". Bildlich gesprochen: "Es war ein anstrengender Bergaufstieg mit Verschnaufpausen und gelegentlicher Absturzgefahr." Bei allem Widerstand, bei allen Befürchtungen und allzu vagen Vorstellungen sei es dennoch gelungen, den vom Bistum angestrebten Prozess auch als Chance der Konzentration der Kräfte und des geistlichen Aufbruchs immer wieder zu thematisieren. "Und das trägt erste Früchte", berichtet Michael Schlüter. So liefen die Vorbereitungen für eine Gemeindemission durch Redemptoristen in Hillesheim an; so seien Glaubenskurse mit dem Pallotinerpater Hubert Lenz für das gesamte Dekanat im Gespräch. Eine wichtige Rolle in der Dekanatsentwicklung spielten auch die Fachkonferenzen. Die gebe es bis jetzt die für Schule und Kirche, Jugend, Caritas, Ehe und Familie, Katholische Erwachsenenbildung sowie Beauftragungen für Familiengottesdienste, Männerpastoral, Frauenpastoral und Kirchenmusik. Kontakt: Dekanat Gerolstein-Hillesheim, Burghof 2, 54576 Hillesheim, Telefon 06593/2089930, Fax 06593/20899319, E-Mail: dekanat.gerolstein-hillesheim@bistum-trier.de.