Anzug in Hongkong, Ledermantel in der Eifel

Anzug in Hongkong, Ledermantel in der Eifel

NÜRBURGRING. Zum 15. Mal sind die Fans schwerer Motorräder zum "Alten Elefantentreffen" am Nürburgring gekommen. Mehr als 1500 Biker aus Deutschland, Holland und Frankreich trafen sich am Ring.

"Röhrend und schwer beladen, rolln wir auf die Eifel zu, plötzlich ein krachender Schaden, welche Freude, juchhu. Wir fahren aus Freude am Bauen, stinken nach Öl und Benzin, Autofahrer schauen, wie im Öl wir knien": Der Song zum Elefantentreffen drückt treffend aus, was über 1500 Biker jedes Jahr im Winter zum Ring treibt. Es ist die pure Freude, im Kreis Gleichgesinnter ein paar Tage miteinander zu verbringen und aus dem Alltagstrott auszubrechen. Im richtigen Leben sind sie Monteure, Kurierfahrer, Schlosser und Schreiner, zwischen 20 und 60 Jahre alt, doch für drei Tage verändern sie sich in Typen, die einfach mal aussteigen, Freiheit, Abenteuer und Lagerfeuerromantik suchen. So wie der 50-jährige Fritz Bertsch aus Offenburg bei Freiburg. Für drei Tage tauscht der Rheinschiffer jedes Jahr im Winter seinen "schwankenden" Arbeitsplatz mit seinem schweren Motorrad und fährt auf ein Wintertreffen, entweder im Bayerischen Wald oder wie in diesem Jahr zum Nürburgring.Grundsatz der "Klassenlosigkeit"

"Im Winter trifft man im Gegensatz zum Sommer ganz andere Leute, die aber alle das gleiche Interesse haben. Im Sommer wird mehr angegeben, hier beim Elefantentreffen ist es ganz egal, was einer im wirklichen Leben ist, alle sind gleich", sagt Bertsch, den auch seine Frau mit ihrem eigenen Motorrad begleitet. Für diesen Grundsatz der Klassenlosigkeit ist der Gründer des Alten Elefantentreffens am Nürburgring, Henning Wiekhorst, wohl das beste Beispiel. Mit Fellmütze, an der alle Jahresmarken des bisherigen Elefantentreffens in der Eifel baumeln, und langem Ledermantel sieht er so gar nicht nach einem Geschäftsführer eines großen deutschen Unternehmens in Hongkong aus. Für das Treffen tauscht der gebürtige Bonner Anzug und Krawatte gegen die Biker-Kluft. "Das Elefantentreffen soll keine megagroße Veranstaltung sein, sondern sich für den Veranstalter tragen. Über die Jahre ist es auch stabil geblieben. Aus einer der wildesten Großveranstaltungen ist es die ruhigste in Deutschland geworden. Die Polizei lässt sich hier schon gar nicht mehr blicken, weil wir keine Radau-Brüder mehr haben", erzählt Wiekhorst, der durch seine berufliche Verpflichtung vor vier Jahren die Organisation abgegeben hat. Das heutige Organisationsteam sorgt mit mehr als 20 Leuten für Ordnung auf dem Gelände, unterhält die Biker und versorgt sie mit Holz für ihre Lagerfeuer. Denn wer beim Baumfällen erwischt wird, muss eine Geldstrafe bezahlen. Schorsch aus Bergheim, selbst begeisterter Biker, ist einer der Ordner. "Das Schöne am Treffen ist, dass es zu einem Familientreffen mit Frau und Kindern geworden ist. Pänz siehst du hier überall. Und es ist unheimlich schön, abends am Feuer mit Freunden zu sitzen", sagt er, der nebenbei auch noch Holzscheite verkauft.Veteranen aus Russland und Deutschland

Zwischen modernen Maschinen von Yamaha, Suzuki, Honda und Kawasaki fallen die Oldtimer besonders auf. Weltkriegsveteranen aus dem afrikanischen Wüstenkrieg stehen beim Elefantentreffen neben Maschinen aus Russland. Die Jupiter- und Ural-Modelle haben ihre eigene Anhängerschaft gefunden, weil sie noch richtige Motorräder, einfach zu reparieren und keine Plastik verkleideten Maschinen sind, wo man die Technik nicht mehr sieht.