Applaus aus Arbach

Kleine Revolution: Die Verbandsgemeinde Kelberg hat erstmals seit "Menschengedenken" die Umlage gesenkt: von 40 auf 37 Prozent. 25 der 33 Ortsgemeinden müssen daher 2008 weniger zahlen.

 In die Jahre gekommen: Die alte Turnhalle der Grund- und Regionalen Schule Kelberg wird im nächsten Jahr für 115 000 Euro saniert. TV-Foto: Stephan Sartoris

In die Jahre gekommen: Die alte Turnhalle der Grund- und Regionalen Schule Kelberg wird im nächsten Jahr für 115 000 Euro saniert. TV-Foto: Stephan Sartoris

Kelberg. Angesichts der Haushaltsdebatte im vergangenen Jahr war es fast zu erwarten, aber dennoch kommt es vielen wie eine "Revolution" vor. Erstmals seit "Menschengedenken" ist in der Verbandsgemeinde Kelberg die Umlage gesenkt worden. Festgemauert für Jahrzehnte waren die 40 Prozent, für 2008 sind es nur noch 37 Prozent. Franz-Josef Jax (Wählergruppe Jax) und die SPD wollten sogar gleich runter auf 35 Prozent, aber so forsch wollte der Rest des Rats dann doch nicht rangehen. Zumal der erwartete Überschuss im Haushalt 2008 mit knapp 36 000 Euro sehr überschaubar ist. Deshalb warnte Johannes Saxler, VG-Büroleiter und für die Erstellung des Haushalts verantwortlich, vor einer noch stärkeren Senkung der Umlage. "Die Hosen weit heruntergelassen"

"Einen kleinen Puffer brauchen wir, zumal im Haushalt noch einige Unwägbarkeiten stecken. Ansonsten haben wir die Hosen ziemlich weit runtergelassen mit der dreiprozentigen Reduzierung", erklärte Saxler. Die Ankündigung der Senkung der Umlage sorgte sogar für Applaus, und zwar aus Arbach: Ortsbürgermeister Albert Emmerichs freute sich besonders, nicht nur, weil das Dorf 2008 knapp 2000 Euro weniger Umlage zahlen muss, sondern wohl auch, weil er in seiner Zeit als VG-Ratsmitglied häufig einen solchen Schritt gefordert hatte, damals aber immer erfolglos. Aber nicht nur Arbach zahlt weniger, weitere 24 Ortsgemeinden haben im kommenden Jahr einen etwas größeren finanziellen Spielraum. Auch für die nahe Zukunft werden Überschüsse der VG erwartet: 2009 rund 250 000 Euro, für 2011 sogar rund 355 000 Euro. Große Investitionen der VG sind in den kommenden Jahren nicht geplant. Investiert wird in die technische Ausstattung des Rathauses, in die Feuerwehrausstattung, in die Bausubstanz und Ausstattung der Schulen in Uersfeld und Kelberg (beispielsweise 115 000 Euro in die Sanierung der dortigen alten Sporthalle im nächsten Jahr), in die Sanierung des Sportplatzes Kelberg, ins Freibad und in den Fremdenverkehr. Die SPD trug den Haushalt mit, bis auf eine Ausnahme: die Abwassergebühren, die Reinhold Müller (Mannebach) erneut monierte. Seiner Berechnung nach seien die Gebühren für einen Vier-Personen-Haushalt von vor 2004 von 428 Euro auf nun 576 Euro gestiegen, was fast 35 Prozent entspreche. CDU-Fraktionschef Heinrich Braun bestritt die Zahlen nicht, wies aber darauf hin, dass die Gebühren im Vergleich zu Nachbar-Verbandsgemeinden immer noch "sehr günstig" lägen. Meinung Nur konsequent Große Investitionen sind auf mittlere Sicht nicht zu erwarten, die Finanzsituation der Verbandsgemeinde ist solide, auch für die kommende Jahre werden Haushaltsüberschüsse erwartet: Da ist es nur konsequent, dass mit der "eisernen" Tradition gebrochen und die Umlage gesenkt wurde. Und das mit Augenmaß: Auch wenn eine weitere Senkung schon möglich gewesen wäre, ist es doch richtig, sich nicht schon jetzt jeden Spielraum zu nehmen. s.sartoris@volksfreund.de

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