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Artgerechtes Leben auf dem Archehof Horperath statt Turboleistung

Artgerechtes Leben auf dem Archehof Horperath statt Turboleistung

Auf dem Archehof Am Kisselbach bei Horperath werden alte Nutztierarten gezüchtet. Hühner, Puten, Enten und Ziegen benötigen ausreichend Auslauf und natürliches Futter.

Die Pute hat sich in ihr Sandloch eingegraben und scheint sich beim Baden im Staub äußerst wohl zu fühlen. Daneben wuseln einige Hühner hin und her. Auch ein paar Enten haben es sich im Freigehege gemütlich gemacht. Eine Freiheit, um die sie viele andere Nutztiere beneiden würden, wüssten sie denn, dass es ein Leben jenseits von Gehegen gibt, in denen meist drangvolle Enge herrscht.

All die Tiere, die in Horperath auf dem Archehof am Kisselbach von Familie Strüning leben, haben nicht nur viel Platz. Sie sind auch anders´ als die Tiere, die in der üblichen Landwirtschaft eingesetzt und gezüchtet werden, nicht auf Leistung getrimmt. "Ein modernes Huhn legt um die 300 Eier im Jahr", sagt Harald Strüning.

Dass Harald und Erika Strüning überhaupt auf Huhn und Ziege gekommen sind, war eher Zufall. 2008 bezog das Paar, das in Düsseldorf einen Elektroinstallationsbetrieb hatte, das Grundstück in der kleinen Gemeinde. Und da eben rund um das Haus auch viel Grundstück war, sollten Hühner dort leben. Erst waren es "normale" Hühner, wie Strüning erzählt.

Bei einer Ausstellung erfuhren sie zum ersten Mal, dass es Haustierrassen gibt, die vom Aussterben bedroht sind. Also wurden die ersten Hühner dieser Art erworben. Und das Ehepaar ist mittlerweile überzeugt, das es sinnvoll ist, die alten Rassen zu erhalten, obwohl sie eben nicht so "wirtschaftlich" sind, wie die Tiere, die in der modernen Haltung eingesetzt werden. Denn nicht nur bei der Legeleistung gibt es Unterschiede. Die alten Rassen brauchen auch länger bis zur Schlachtreife. Wie Erika Strüning sagt, sind es rund sechs Monate, bevor ein Huhn das nötige Gewicht erreicht hat. Ein konventionelles Schlachthähnchen hat nur etwa einen Monat zu leben.

Die ersten Ziegen zogen bei den Strünings als Schutz der Hühner vor dem Habicht ein. "Wir haben uns die schönste Ziege ausgesucht", sagt Erika Strüning. Und das war eine Waliser Schwarzhalsziege. Das Besondere an den Tieren ist die Farbgebung. Vorne sind sie ganz dunkel, hinten ganz weiß mit langem Fell. Zu den Hühnerrassen auf dem Archehof gehört unter anderem der "Westfälische Totleger". "Die legen Eier, bis sie tot umfallen", erklärt Strüning den Namen dieser Rasse. Es sei früher auch das "Arme-Leute-Huhn" gewesen, weil es sehr robust ist und eben lange Eier legen kann. Im Nachbargehege leben einige schwarze Krüper Hühner mit ihrem Hahn. Diese seien sehr agil, sagt Strüning. Von daher fühlen sich die Tiere auch nur wohl, wenn sie ausreichend Auslauf haben, wie es auf dem Archehof am Kisselbach der Fall ist.

Das Ehepaar Strüning selbst schlachtet und isst keines seiner Tiere. Im Gegenteil, sie leben vegan und versorgen sich großteils mit den Erzeugnissen aus dem großen Nutzgarten. Dennoch ist die Tierhaltung keine sentimentale Liebhaberei. Ihnen geht es darum, die Vielfalt der Nutztiere zu erhalten. Deshalb werden Tiere auch an andere Züchter oder Konsumenten abgegeben.

"Reich kann man damit nicht werden", sagt Strüning. Aber es ist auch kein Zuschussbetrieb. Durch die Vernetzung mit anderen Höfen und den Austausch von Tieren könne man die Zucht kostengünstig gestalten.
Hilfe hat das Ehepaar Strüning oft durch junge Menschen, die mit dem sogenannten Wwoofing, einer Art Arbeits- und Reiseprogramm, für eine Zeit auf ihrem Hof leben. Zur Zeit ist Verena aus Stuttgart bei ihnen zu Gast. Sie erhält Kost und Logis und hilft dafür im Garten und bei den Tieren. Für sie als Stadtkind ist es interessant, die Abläufe auf einem solchen Hof kennenzulernen.

Und wie geht es weiter auf dem Archehof am Kisselbach? Weitere Tiere sollen nicht dazukommen, ist sich das Ehepaar einig. "Die Grenze ist erreicht".
"Im Grunde ist unser Leben so, wie es sein sollte", sagt Harald Strüning zufrieden.Extra: INITIATIVE NUTZTIER-ARCHE

 Harald Strüning hält Walliser Schwarzhalsziegen sowie diverse Gefügelarten. TV-Fotos (5): Nora John
Harald Strüning hält Walliser Schwarzhalsziegen sowie diverse Gefügelarten. TV-Fotos (5): Nora John Foto: (e_daun )
 Die Pommern Enten sind nicht für eine Massenhaltung geeignet.
Die Pommern Enten sind nicht für eine Massenhaltung geeignet. Foto: (e_daun )
 Die Küken verbringen ihre ersten Tage in einem gewärmten Brutschrank.
Die Küken verbringen ihre ersten Tage in einem gewärmten Brutschrank. Foto: (e_daun )
 Die Cröllwitzer Pute lebt gerne im Freien und mag das Bad in einer staubigen Kuhle.
Die Cröllwitzer Pute lebt gerne im Freien und mag das Bad in einer staubigen Kuhle. Foto: (e_daun )


Dieser Inititaive können Züchter und Halter gefährdeter Haustierrassen beitreten. Dabei müssen sie bestimmte Voraussetzungen bei der Haltung erfüllen. Damit soll den Verbrauchern die Sicherheit gegeben werden, Produkte aus artgerechter Tierhaltung zu bekommen. Verboten sind zum Beispiel Massentierhaltung, Spaltenböden oder Hochleistungsfutter. Der Nutzen für die Mitglieder besteht in einer besseren Vernetzung. So können zum Beispiel Zuchttiere getauscht werden, um eine Inzucht auf dem eigenen Hof zu vermeiden. Für die Mitglieder der Initiative gibt es ein Logo, mit dem für den Hof und die Produkte geworben werden kann.