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Auch ein paar Schläge wollen gelernt sein

Auch ein paar Schläge wollen gelernt sein

Die Jeans ist zwar immer noch nicht gerne gesehen, die Jugend aber umso mehr. Der Golfclub Hillesheim will nicht mehr als elitäre Einrichtung gelten. Verstärkt kümmert er sich deshalb um die Nachwuchswerbung und Mitglieder aus der Eifel. Doch was erwartet diese auf der Anlage nördlich von Hillesheim? Der TV hat sich aufs Grün gewagt.

Hillesheim. Große Teile der 18 Löcher liegen noch im Schatten, Tau benetzt den akkurat geschnittenen Rasen, als ich am frühen Vormittag im Golfclub Eifel bei Hillesheim ankomme. Vorstandsmitglied Franz Nolden begrüßt mich - natürlich nicht in Jeanshosen. Er trägt eine helle Bügelfaltenhose, ein kurzärmliges kariertes Hemd, Pullunder und glatte Lederschuhe.
Wert auf ordentliche Kleidung wird im Golfclub nach wie vor gelegt. Die verwaschene Jeans und bedruckte T-Shirts sind nicht gerne gesehen. Ich bin froh, heute Morgen einen Bogen um die Turnschuhe gemacht zu haben, auch wenn die stattdessen gewählten Stiefeletten wegen des Absatzes fürs Golfen nicht ganz ideal sind. Aber das soll nicht mein größtes Handicap werden.
Zunächst geht es mit dem Golfkart eine Runde über den Platz. 18 Löcher gibt es insgesamt, neun wurden bei der Gründung vor 35 Jahren angelegt, neun kamen vor rund 20 Jahren dazu. Der Rasen am Abschlag ist übersät mit Löchern. "Wenn der Ball direkt vom Boden geschlagen wird, fliegen oft Rasenstücke mit", erläutert Nolden. Außerdem wechselt die Abschlaglinie regelmäßig um einige Meter. Auf diese Weise werden nicht immer die gleichen Stellen malträtiert.
Nachdem wir gut eine halbe Stunde über den Platz gefahren sind und ich mehr über die Bahnen erfahren habe, als ich mir notieren oder merken kann, bin ich ziemlich ungeduldig und möchte endlich selbst den Schläger in die Hand nehmen. Doch mein Vorschlag stößt nicht auf ungeteilte Begeisterung. "Auf dem Platz dürfen wir nicht spielen - dazu bräuchten Sie zunächst die Platzreife", wehrt Nolden ab. Für diese clubinterne Platzerlaubnis müsste ich einige Übungsstunden absolvieren, damit ich die Regeln und die Etikette des Golfs kenne. "Aber wir können auf die Driving Range gehen!"
Die Driving Range ist ein leicht abfallender Hügel, von dessen höchstem Punkt Anfänger wie auch Profis den richtigen Abschlag üben. Nolden besorgt uns einige Leihschläger und führt mich zu einer Linie, die rund 20 bis 30 Meter vor diesen Häuschen gezogen ist und hinter der unmittelbar der Hang beginnt.
Wieder erhalte ich eine Theoriestunde: Es gibt Schläger aus Holz und aus Eisen, wobei Bälle, die mit einem Holzschläger geschlagen werden, weiter fliegen. Je höher die Zahl dahinter ist, desto weiter fliegt der Ball. Nolden bemüht sich, mir die Physik dahinter zu erklären: "Der Winkel am Schlägerkopf ist dann größer. Man kommt besser unter den Ball, er fliegt deutlich höher, aber deshalb auch nicht so weit."
Zweimal gucke ich Nolden beim Abschlag zu, versuche zu verstehen, wie das Zusammenspiel zwischen Armen, Schläger und Körperdrehung funktioniert. Dann bringe ich mich für den ersten Schlag in Position. Füße parallel, Arme gestreckt, eine Linie mit dem Schläger. Das Gewicht soll ich auf den Vorderfuß verlagern (wenigstens dabei helfen Absätze).
Ich hole mit dem Schläger zur rechten Seite aus, drehe die Hüfte mit, um mich dann mit Schwung wieder zum Ball zu drehen. Ein Profi schlägt immer genau gleich, kann deshalb genau sagen, wie weit er mit welchem Schläger schlagen wird. Mein Schläger saust in Richtung des weißen Balls - und darüber hinweg. "Sie sind mit dem Oberkörper nach hinten gegangen", erklärt Nolden.
Beim zweiten Schlag treffe ich immerhin den Ball - irgendwie, mit Sicherheit nicht richtig, denn er hüpft nur einmal kurz auf und kullert dann den Rasen hinunter. Es dauert noch einige weitere Fehlversuche, bis der Schläger schließlich unter dem Ball landet. Ich höre es sofort am Geräusch - der Ball kommt gut! Er landet ein Stück vor der ersten Markierung bei 75 Metern und rollt noch einige Meter weiter. "Nicht schlecht fürs erste Mal", lobt Nolden: "Abzüglich der 30 Meter, die wir vor den Häuschen stehen, waren das bestimmt 30 oder 40 Meter."
Offen gesagt, auch ich hatte meine Zweifel, ob denn Golf überhaupt Sport sein kann. Ein paar Bälle schlagen - kann doch nicht so schwer sein. Aber am nächsten Tag meldet sich ein zartes Zwicken im Rücken und sagt: "Auch ein paar Schläge wollen erst mal gelernt sein!" Wer dann noch auf das Golfkart verzichtet und die zehn Kilometer zu allen Löchern zu Fuß zurücklegt, hat sein sportliches Tagespensum sicherlich erfüllt.Extra

Der Golfclub Eifel wurde 1977 gegründet. Die Anlage ist rund 70 Hektar groß und bewahrt weitgehend die ursprüngliche Topografie. Der Großteil der Löcher ist von Wald eingerahmt. In abgegrenzten Arealen leben Hirsche und Rehe. Die Anlage ist ein Par-72-Kurs, Profis brauchen also 72 Schläge, um alle Löcher zu schaffen. Alle Bahnen zusammengenommen sind 5903 Meter lang, bei den Frauen, die 20 Prozent näher am Loch starten, 5216 Meter. Um alle 18 Löcher zu spielen, benötigt man rund vier Stunden. Der Verein hat derzeit 463 aktive Mitglieder und 108 inaktive. Eine Schnuppermitgliedschaft über ein Jahr kostet 600 Euro. Auch Unter-35-Jährige zahlen 600 Euro pro Jahr, reguläre Mitglieder 1200 Euro. Schnupperkurse finden am Samstag, 22. August, 12. September, jeweils 15 bis 19 Uhr, und 27. September, 11 bis 14 Uhr, statt. Telefon: 06593/1241, E-Mail: info@gc-eifel.de. cliExtra

Rasen: Die Bahn gliedert sich von Abschlag bis Loch in Tee (Abschlag), Rough (ungemähtes Terrain), Fairway (Großteil der Spielfläche), Semi-Green (kurz gemäht) und Green (Fläche mit dem Loch, sehr kurz gemäht). Es gibt verschiedene Hindernisse, wie Bunker (Sand), Wasser oder Biotope (naturbelassene Bereiche). Par: Par gibt an, mit wie vielen Schlägen ein Loch oder ein Kurs zu schaffen sein soll. Für ein Loch, das Par 3 hat, sollte ein guter Spieler also nicht mehr als drei Schläge benötigen, ansonsten liegt er "über Par". Handicap: Mit dem Handicap werden Unterschiede zwischen guten und schwächeren Spielern ausgeglichen. So beginnt jeder Spieler mit einem Handicap von 54. Das bedeutet, dass er entsprechend mehr Schläge brauchen darf, um alle Löcher zu spielen, ohne Punkte abgezogen zu bekommen. Wer in Hillesheim mit einem Handicap von 20 spielt, darf statt 72 Schlägen (Par 72) bis zu 92 Schläge aufwenden. Die Spieler messen sich dadurch weniger untereinander als vielmehr gegen ihr Handicap. Verbessert werden kann das Handicap auf verschiedenen Turnieren. Fahne: Nicht nur die Abschlagposition wandert um mehrere Meter. Auch das Loch ist nicht immer an der gleichen Stelle im Green. Eine Kugel an der Fahnenstange gibt an, ob das Loch am Anfang (unten), in der Mitte (Mitte) oder am Ende (oben) des Greens ist. cli