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Auch für Mutter mit Kind ist Platz am neuen Wasserspiel

Auch für Mutter mit Kind ist Platz am neuen Wasserspiel

Ulrich Henn (86), international renommierter Künstler und Erschaffer der Mutter-mit-Kind-Skulptur, die bisher den Rondellbrunnen geziert hat, gefällt der für Gerolstein geplante Bürgerbrunnen. Und er stimmt zu, dass seine Skulptur einbezogen wird. Das sagte er bei einem Treffen mit Künstlerkollege Martin Schambach. Derweil warten die Initiatoren auf die Auftragsvergabe durch die Stadt.

Gerolstein/Üxheim-Leudersdorf. "Ich denke, dass es schön wird, und kann mir gut vorstellen, dass der Brunnen zum neuen Treffpunkt für Gerolstein wird." Mit diesen Worten "adelt" Künstler Ulrich Henn (86) den Bürgerbrunnen von Martin Schambach. Bei einem Treffen im Haus des 86-jährigen Bildhauers in Leudersdorf stellen ihm Schambach und Andreas Stritzke, Hauptinitiator des Bürgerbegehrens für den neuen Gerolsteiner Brunnen, das weiterentwickelte Modell und dessen Entstehungsgeschichte vor. In das hat Künstler Schambach nun - nach dem Willen des Stadtrats und vieler Bürger - die von Henn erschaffene Mutter-Kind-Skulptur einbezogen. Und das gefällt. Henn sagt: "Mutter und Kind sowie in ein paar Metern Entfernung Pitter, der Zeitungsleser, gehören zusammen. Es wäre doch schade, wenn ich um Pitter mal ein Schild hängen müsste, auf dem steht: Einsamer Zeitungsleser, durch behördliche Willkür von Mutter und Kind getrennt."
Ärger über Stadtverwaltung


Damit spielt Henn auf das Vorgehen der Stadt an. Er sagt: "Ich habe bis heute keinen Anruf, kein Schreiben der Stadt erhalten, weshalb die Skulptur abgebaut wurde, in welchem Zustand sie ist, ob und wo sie wieder aufgebaut wird." Erst nach einem Schreiben seines Anwalts sei diesem geantwortet worden. "Ansonsten habe ich alles nur aus dem TV und war schon ein wenig schockiert", sagt Henn.
Lobende Worte


Zum Bürgerbegehren hingegen findet der betagte Künstler lobende Worte. Er sagt: "Es ist gut, wenn die Leute ihre Meinung äußern. Auf jeden Fall ist es besser, als dass sie im Nachhinein nur den Kopf schütteln, wenn bereits etwas steht."
Nachdem sich der Bauausschuss der Stadt bereits für eines von drei Brunnenmodellen (den Röhrenbrunnen von Werner Bitzigeio) entschieden hatte, regte sich Widerstand aus der Bevölkerung. Mehr als 1000 Bürger stimmten gegen das ausgesuchte Modell.
Daraufhin revidierte der Stadtrat seine Entscheidung und beugte sich dem Willen der Bürger - für den Bürgerbrunnen. Dafür musste sie schließlich 19 000 Euro Entschädigung zahlen und hat bereits 15 000 Euro überwiesen. Hinzu kommen die geschätzten 46 000 Euro für den neuen Brunnen (davon 5000 Euro für bislang nicht berücksichtigte Installationsarbeiten, die auch beim Röhrenbrunnen angefallen wären).
Dessen neueste und wohl endgültige Fassung sieht einen erhöhten Brunnenrand und nur noch drei statt vier "Bänken" vor. Das werden jeweils große, geschwungene Granitblöcke, von denen jeder gut eine Tonne wiegen wird. Sie sollen somit nicht nur besonders robust und vor Vandalismus und Diebstahl gefeit sein, sondern auch einen Schutz vor den in unmittelbarer Nähe vorbeifahrenden Autos bieten.
Die vierte Bank weicht einer Auswölbung auf dem Rand, auf der die Mutter-mit-Kind-Skulptur Platz finden soll.Extra

Die Idee des Bürgerbrunnens ist, dass in ihn Gegenstände von Gerolsteiner Bürgern eingegossen werden sollen. Fossilien, Steine, aber auch sonstige Dinge, die den Menschen lieb sind und nicht aus organischem Material bestehen. "Gedankensteine" nennt sie Künstler Martin Schambach. Sie sollen ins Beton-Fundament und die darüber liegende Estrich-Bodenplatte kommen. Auf dem Gerolsteiner Weihnachtsmarkt am dritten Adventswochenende wollen die Initiatoren den Bürgern erstmals die Gelegenheit geben, "Gedankensteine" abzugeben. mhExtra

Der Bau des Bürgerbrunnens, der in diesem Sommer bereits hätte abgeschlossen sein sollen, hatte sich wegen rechtlicher und finanzieller Fragen verzögert. Nachdem sich laut Schambach ein - wie von der Stadt gefordert - Generalunternehmer gefunden hat (die M&K Naturstein- und Steinmetzbetrieb aus Üxheim-Niederehe), warten alle auf eine schriftliche Auftragsvergabe durch die Stadt. Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) sagt: "Es laufen noch Gespräche. Am 14. November werden wir uns im Stadtrat mit dem Thema erneut beschäftigen." mh