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Auf den Spuren einer Unbekannten

Auf den Spuren einer Unbekannten

Eine Woche lang stand die weitgehend unbekannte Hillesheimer Schriftstellerin Franziska Bram im Mittelpunkt einer Festwoche die vom Franziska-Bram- Freundeskreis veranstaltet wurde. Information, Lesungen und Schreiben wie die Eifeler Autorin, das waren die Inhalte der Festwoche.

Hillesheim. (HG) Wer war Franziska Bram, wie lebte sie in ihrer Zeit, was zeichnet sie als Eifeler Schriftstellerin aus? Das waren Fragen, die während der Festwoche beantwortet wurden. "Ich finde es schade, dass eine Frau, die um die Jahrhundertwende so geschrieben hat, in Vergessenheit gerät. Es wäre schön, wenn sie bekannter würde und es ist meine Hoffnung, dass wir noch mehr Spuren hier in Hillesheim von ihr finden. Denn es ist noch so viel unklar, dass es sich lohnt zu suchen", wünscht sich Gisela Leuer vom Freundeskreis Franziska Bram.

Die Eifeler Autorin wurde vor 150 Jahren als zweites von vier Kindern des Apothekers Gottfried Bram und seiner Frau Josephina Veling in Hillesheim geboren. Ihre weiteren Jahre verlebte sie in Koblenz, Berlin, Lehmen (wo sie 1932 starb) und immer wieder in der Eifel in Hillesheim, das sie liebte. Die Festwoche orientierte sich am Leben der Schriftstellerin, als Veranstaltungsort war das Hotel "Zum Amtsrichter" gewählt worden, wo ihr Vater einst als Friedensrichter tätig war.

Schade, dass diese Frau in Vergessenheit geraten ist



Der Freundeskreis Franziska Bram hatte in das Programm der Festwoche aber auch das alltägliche Leben der damaligen Zeit eingearbeitet. Besucher konnten "Schreiben wie Franziska Bram": mit Griffeln auf Tafeln oder mit Feder und Tinte übten sie die Sütterlin-Schrift. "Ich habe bei meiner Oma eine Bibel in dieser Schrift gesehen, ich wusste aber nicht wie sie heißt. Sie zu schreiben ist ziemlich schwer, aber sie sieht sehr schön aus", sagt Christoph Weber (15) aus Berndorf. Eine andere Besucherin, Irene Grotte aus Hillesheim, fand die Schrift "wunderschön und ausgesprochen interessant".

Die Romanautorin Martina Kempff las vor einem interessierten Publikum aus Franziska Brams Roman "Der Zorn Gottes" (1913). Die Germanistin Eva de Voss hob bei der Eröffnung die detailreiche Beschreibung in den Geschichten von Bram hervor, "die es den Lesern erlaubt, den Schauplatz der Geschichte selbst zu schaffen".

Mit einer großen Anzahl von Besuchern hatte Initiatorin Gisela Leuer angesichts des geringen Bekanntheitsgrades der Autorin zur Festwoche nicht gerechnet. Umso zufriedener war sie mit der Resonanz. "Es hat sich gelohnt. Franziska Bram ist durch die Festwoche bekannter geworden. Ich fühle mich dadurch dazu ermuntert, ein weiteres Werk neu aufzulegen", sagt sie. Dazu muss "Der Zorn Gottes" aber zuerst einmal abgeschrieben werden, was viel Arbeit bedeutet.

Aufgrund der Berichterstattung im Trierischen Volksfreund gab es auch Überraschungen. Ein Hillesheimer brachte ihr eine selbst gebundene Mappe mit Brams Fortsetzungserzählung "Der Eulenspiegel von Rauhenstein", die 1923 im "Paulinus" erschienen war.

Und eine Frau aus Prüm bot ihr nach Lektüre des TV-Artikels an, nach ihrer Pensionierung im nächsten Jahr bei der Abschrift eines Romans zu helfen. "Das alles war ein Effekt, über den ich mich gewundert und gefreut habe", erklärt Gisela Leuer. no/jöl