Auf der Jagd nach der verbuddelten Dose

Auf der Jagd nach der verbuddelten Dose

BIRRESBORN/WALSDORF/ZILSDORF. Derzeit macht ein neues Hobby die Runde, das vor allem bei Städtern beliebt ist: "Geo-Caching". Dabei suchen mit GPS-System und Karten ausgestattete Internet-Freaks nach Schätzen in der Eifel.

Zilsdorf liegt noch im Frühnebel. Langsam rollt ein Auto auf den Parkplatz hinter der Kapelle. Lothar und Olaf Peters haben sich hier zu einer Geo-Caching-Tour mit dem viel versprechenden Titel "Höllenschlund" verabredet - der TV darf die winterliche Schatzsuche exklusiv begleiten. Lothar (66) und Olaf (33) wandern los durch die Wiesen in Richtung Arensberg, bewaffnet mit Rucksack und einem Global-Positioning-System (GPS). Auch wenn sie so aussehen - Lothar und Olaf sind keine gewöhnlichen Wanderer. Bei ihren Streifzügen durch die Eifel lösen Vater und Sohn knifflige Rätsel, um die Koordinaten verschiedener "Caches" zu finden. Ein Cache ist meistens eine kleine Plastikdose mit Krimskrams, die jemand irgendwo versteckt hat. Hinweise, die zu den Schatztruhen führen, werden im Internet veröffentlicht. Geo-Caching heißt das Hobby, bei dem Lothar und Olaf als "Team Eifelwanderung" ihr Interesse für Technik mit der Wanderleidenschaft verbinden. "Es fing alles damit an, dass ich mir so ein GPS-Gerät fürs Auto zugelegt habe und wissen wollte, was man damit sonst noch anfangen kann. 2004 habe ich dann meinen ersten Cache gefunden", erzählt Olaf. Seitdem packt ihn das Schnitzeljagd-Fieber immer wieder - zum Beispiel auch im Urlaub auf Gran Canaria. Der erste Cache weltweit ist im Mai 2000 von einem Amerikaner im eigenen Garten verbuddelt worden, nachdem GPS für jeden zugänglich gemacht worden war. Seit etwa zwei Jahren boomt Geo-Caching auch in Deutschland. Schätzungsweise 3000 Menschen jeden Alters machen hier Jagd auf rund 15 000 versteckte Dosen, von denen etwa 500 in der Eifel zu finden sind. Die beiden sympathischen Wanderer haben selbst schon 19 Caches angelegt, die die Suchenden zu besonders faszinierenden Stellen in der Natur der Vulkaneifel führen. Die nächste Station auf dem Weg zum "Höllenschlund" ist ein Heiligenhäuschen. Die Jah-reszahlen, die hier geschrieben stehen und die Anzahl der Basaltsteine am Wegrand müssen nun in eine Rechenaufgabe eingesetzt werden und liefern so die Koordinaten, die zum Ziel führen.Man fühlt sich schon wie in einem Geheimbund

Unterwegs berichtet Lothar, was für ihn den besonderen Reiz bei seinem ungewöhnlichen Hobby ausmacht: "Wir sind schon immer gern gewandert, vor allem in der Eifel. Aber beim Geo-Caching nimmt man die Natur noch intensiver wahr, weil man ganz genau hinschauen muss." Olaf findet: "Spannend wird es vor allem dann, wenn man an der Stelle, wo ein Schatz liegt, andere Leute trifft. Man fühlt sich schon wie in einem Geheimbund und möchte vermeiden, dass ,Geo-Muggels' das Spiel kaputt machen!" Noch 20 Meter bis zum Fund-ort - doch mitten im Arensberg-Krater versagt die Technik. Das GPS hat keinen Satelliten-Empfang mehr. Jetzt heißt es suchen. Zwischen Schneeresten und Geröll spürt das Team schließlich den Cache auf! Was ist in der Dose? Neben Aufklebern, Schokoladen-Talern, Haargummis und anderem Kleinkram ist auch ein Logbuch deponiert, in das jeder Cacher seinen Fund notiert. Olaf trägt außer dem Datum auch ein, was er aus der Schatztruhe nimmt und was er stattdessen hinein legt. Der wertvollste Schatz, den man im "Höllenschlund" finden kann, sind neue Koordinaten, die zu weiteren Caches, Abenteuern und Naturerlebnissen der Serie "Ring of Eifelfire" führen.

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