Auf eigenen Füßen

DAUN. (bb) Sechs Hauptschülerinnen und vier Realschülerinnen haben zwei Bungalows im Ferienpark Daun bezogen. Die Mädchen bilden für zwei Wochen eine Wohngemeinschaft.

Zehn Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren haben es sich im Wohnzimmer eines Dauner Ferienbungalows gemütlich gemacht. Sie knüpfen Bändchen aus "Scoubidous"-Plastikgarn und haben ihre Handys griffbereit vor sich liegen. "Falls eine SMS kommt", erklärt Tina. "Ich hatte mich schon voriges Jahr für das Projekt interessiert, aber man muss mindestens im neunten Schuljahr sein. Ich habe mir die Sache voll cool vorgestellt, und so ist es jetzt auch. Wir verstehen uns mega gut!" Dass sie am zweiten Tag krank geworden ist, stört Tina kaum: "Es geht mir schon wieder besser. Ich hatte sogar heute Mittag das Essen fast fertig, als die anderen aus der Schule kamen." Mit ihr im Bungalow wohnen Lena, Heidi, Marichor, Sladjana und Melanie. Lena und Tina besuchen die Hauptschule Daun, ihre Mitbewohnerinnen die Niederstadtfelder Hauptschule. Einig sind sie sich in den Gründen für die Teilnahme an dem Projekt: mal zwei Wochen "Eltern-frei" haben, neue Leute kennen lernen, ausprobieren, wie das ist, wenn man vieles alleine regeln muss. Ähnlich geht es Sabrina, Anne-Kathrin, Bettina und Carolin. Sie besuchen die zehnte Klasse der Leopold-von-Daun-Realschule und hatten durch ihre Klassenlehrerin von dem Projekt erfahren. Nach der Anmeldung bei der Rezeption packten sie ihre Koffer aus, verstauten die Lebensmittel in den Küchenregalen und im Kühlschrank. Abends besprachen alle die Hausordnung und das Jugendschutzgesetz. "Daran müssen wir uns halten, das ist oberstes Gebot", wissen die Mädchen. Dass nach der Schule mittags das Essen nicht wie selbstverständlich auf dem Tisch steht, stört am dritten Tag der "WG auf Zeit" noch keine. "Wir wechseln uns mit Kochen und Spülen ab", heißt die Devise. Nur einmal, als kein sauberes Glas mehr im Schrank stand, habe es "eine kleine Krise" gegeben, erzählen sie freimütig und brechen im nächsten Augenblick in unbeschwertes Lachen aus. "Die Woche über ist um 22 Uhr Schluss, am Wochenende darf's bis 24 Uhr gehen", stellt Melanie eine der Regeln vor. Daran habe sich auch der Besuch zu halten. Zur Schule fahren die Mädchen mit dem Bus ab Gemünden. Für den Einkauf in Daun steht ihnen zwei- bis dreimal in der Woche der Dekanatsbus zur Verfügung: "Da müssen wir gut planen und überlegen, was wir brauchen." Die Leitung des Projekts hat der Schulsozialarbeiter Bernd Berenz. Ihm zur Seite stehen der Pastoralreferent Thomas Reichert, die Hausfrau Lisa Schmitz, die Studenten Pascal Bähr, Richard Hoffmann, Maria Ixfeld und Sarah Kreutz sowie die Gemeinde-Assistentin Katja Röser und Julia Tabert vom Haus der Jugend. Jeweils zwei von ihnen sind immer da. "Wir sind keine Babysitter und keine Kontrolleure, wir sind Betreuer und Ansprechpartner," erklärt Pascal Bähr, der gerade mit Maria Ixfeld zusammen "Dienst" hat.

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