"Auf höheren Abschuss drängen"

"Auf höheren Abschuss drängen"

ÜXHEIM/NOHN. Die Gefahr der Europäischen Schweinepest (ESP) rückt wieder näher: Nachdem auf nordrhein-westfälischer Seite der Landesgrenze positive Fälle registriert wurden, sind die Großgemeinde Üxheim und die Gemeinde Nohn zu gefährdeten Gebieten erklärt worden. Am Wochenende wurden Impfköder ausgelegt. Bauern und Jäger im Kreis Daun bangen.

"Wir haben Angst, dass es überschwappt. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir den ersten positiven Fall haben", sagt Siegfried Neuerburg, Kreisgruppenführer des Landesjagdverbands. Im Oktober war in der Nähe von Bad Münstereifel ein tot aufgefundener Frischling positiv getestet worden. Mittlerweile sollen nach TV-Informationen über ein Dutzend positive Fälle im Raum Blankenheim, Nettersheim und Bad Münstereifel registriert worden sein. Im Kreis Daun wurde der vorläufig letzte positive Fall im März 2002 verzeichnet.In NRW wurde nur in kleinem Areal geimpft

Seit April 2005 sind die rigiden Schutzmaßnahmen (kein Aufbrechen im Wald, jedes erlegte Wildschwein in spezielle Annahmestellen bringen, Proben entnehmen) aufgehoben. In 24 Aktionen wurden in der Zeit seit dem Ausbrechen im Herbst 1999 auf rheinland-pfälzischer Seite Impfköder in den drei Landkreisen Daun, Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich ausgebracht. Neuerburg vermutet: "NRW hätte auch einen größeren Radius bei den Impfungen ziehen müssen. Dort wurde nur in einem kleinen Areal geimpft." Im Kreis Daun lag die Immunisierungsrate danach nämlich bei durchschnittlich 60 Prozent (bei Frischlingen bei 50 Prozent, bei älteren Tieren bei bis zu 90 Prozent). Seit November sind wegen der positiven Fälle auf NRW-Seite die Großgemeinde Üxheim sowie die Gemeinde Nohn zu gefährdeten Bezirken erklärt worden. Am 3. Dezember wurden dort erneut Impfköder ausgebracht. Die zweite Impfaktion wurde an diesem Wochenende veranstaltet. Jedoch nicht nur in den zwei Gemeinden, sondern im gesamten Landkreis Daun haben sich die Vorschriften für die Jäger geändert. "Wurden bisher nur noch von Stücken bis 30 Kilogramm Gewicht Proben gezogen, gilt die Vorschrift jetzt wieder für jedes erlegte Wildschwein", erklärt Neuerburg. Schweiß-(Blut) und Gewebeproben der Milz werden an das Landesuntersuchungsamt Koblenz geschickt. Noch brauchen die Jäger die erlegten Wildschweine nicht in Wildannahmestellen zu bringen. "Wir waren mit Weitsicht gegen den Abbau der Annahmestellen. Die Behörden hätten es anders gewollt", sagt Neuerburg mit Blick auf eventuelle neue Entwicklungen. Die Annahmestellen in Kelberg, Mehren und Walsdorf stehen noch. Lediglich in Steffeln wurde die Annahmestelle demontiert. Im Kreis Daun sei man also gerüstet. Auch die Landwirte fürchten ein Ausbrechen der Seuche. Bernd Feltges, Geschäftsführer des Bauernverbands im Kreis Daun, sagt: "Noch gibt es keine Handelsbeschränkungen, weil kein positiver Fall im Umkreis von fünf Kilometer war, aber unsere Schweinehalter bangen ja nicht ohne Grund."Population führt zu hohen Schadensmeldungen

Der Bauernfunktionär macht die Jäger für die neue Bedrohung verantwortlich. Er sagt: "Einen so hohen Bestand an Wildschweinen wie aktuell habe ich selten erlebt. Die extreme Population führt zu sehr hohen Schadensmeldungen, besonders im Kelberger Raum." Feltges will gemeinsam mit Präsident Leo Blum an die Kreisverwaltung Daun schreiben, damit "massiv auf höheren Abschuss gedrängt" werde. Ein vier Hektar großes Feld sei, noch während der Landwirt Getreide aussäte, am helllichten Tag von einer Rotte Wildschweine verwüstet worden. Diesen Vorwurf lässt "Jäger-Chef" Neuerburg nicht auf seinen Waidmännern sitzen. Er sagt: "Wir sind unserer Verpflichtung nachgekommen, haben viel geschossen und die Verantwortung übernommen." Die Abschusszahlen, die der Unteren Jagdbehörde vorliegen, geben ihm Recht. Danach sind im laufenden Jagdjahr bis Ende November 1790 Stück Schwarzwild erlegt worden. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahrs waren es 537 Stück weniger, also 1253.

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