Auf Sarresdorf in Gerolstein ist ein Gedenkstein für die französische Widerstandskämpferin Marcelle Dorr enthüllt worden.

Zweiter Weltkrieg : Gestorben in Gerolstein: Andenken an französische Widerstandskämpferin

Auf Sarresdorf in Gerolstein ist ein Gedenkstein für die französische Widerstandskämpferin Marcelle Dorr enthüllt worden, die 1943 im Gerolsteiner Krankenhaus verstarb.

Der Arbeitskreis „Gedenkstein Marcelle Dorr“ hat mit Sonntag, 1. September, und damit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges vor genau 80 Jahren, ein geschichtsträchtiges Datum gewählt, um einer jungen Frau zu gedenken. Nach dem  dem Einmarsch Hitlerdeutschlands in Frankreich 1940 gründete Marcelle Dorr ein Netzwerk, um Kriegsgefangenen die Flucht in die nicht besetzten Gebiete ihres Heimatlandes zu ermöglichen. Nach ihrer Verhaftung 1941 und einer zweijährigen Haftzeit in Köln wurde sie zur lebenslanger Zwangsarbeit in das Außenkommando für politische Gefangene beim Unternehmen Gerolsteiner Sprudel gebracht. Im ehemaligen Krankenhaus der Brunnenstadt starb die knapp 40-Jährige „nach exzessiver Zwangsarbeit und schwerer Krankheit“, so die Inschrift des Gedenksteins.

Zum Termin und der Enthüllung des Gedenksteins reiste eigens eine Delegation aus dem französischen Nancy an, auf dessen Friedhof Marcelle Dorr 1948 umgebettet wurde. Posthum wurde die Widerstandskämpferin in den 1950er Jahren von der französischen Regierung geehrt, eine Straße in Nancy trägt ihren Namen. „Hass, in welcher Form auch immer, wird in Nancy nie einen Platz finden, nie seinen Platz in Gerolstein, nie seinen Platz in Europa“, sagte Josiane Kohan, die am Sonntag den Bürgermeister der französischen Stadt vertritt. Auch SPD-Kreistagsabgeordnete Astrid Schmitt und Landrat Heinz-Peter Thiel schlagen in dieselbe Kerbe: „Dieser Tag ist eine Mahnung und eine Verpflichtung für alle Demokraten menschenfeindliches Gedankengut zu verhindern“, sagte Schmitt. Der Frieden brauche Mut. „Wir erinnern uns heute an einen Menschen, der mutig war, und wir müssen uns auch an den anderen 364 Tagen daran erinnern. Marcelle Dorr war eine, die es nicht hinnehmen wollte, dass die Erde zur Hölle wird“, sagt der Landrat. „Und dafür ist sie durch die Hölle gegangen.“ Nur der Mut Einzelner zur Zivilcourage könne ein Wiedererstarken des rechten Gedankengutes verhindern. „Und das Erinnern hilft uns gegen das Vergessen.“

Am Kreisheimatmuseum in Gerolstein wird seit Sonntag mit einer Gedenktafel an die französiche Widerstandskämpferin Marcelle Dorr erinnert, die 1943 an den Folgen von Misshandlungen während ihrer Verhaftung durch die Natinalsozialisten und unmenschlicher Zustände im Zwangsarbeitslager in der Brunnenstadt verstarb. Neben zahlreichen Vertretern aus der kommunalen Politik, reiste auch eine Delegation aus Nancy in Frankreich an. Foto: Vladi Nowakowski
Am Kreisheimatmuseum in Gerolstein wird seit Sonntag mit einer Gedenktafel an die französiche Widerstandskämpferin Marcelle Dorr erinnert, die 1943 an den Folgen von Misshandlungen während ihrer Verhaftung durch die Natinalsozialisten und unmenschlicher Zustände im Zwangsarbeitslager in der Brunnenstadt verstarb. Neben zahlreichen Vertretern aus der kommunalen Politik, reiste auch eine Delegation aus Nancy in Frankreich an. Foto: Vladi Nowakowski

Unter den Anwesenden war auch Roel Anega, seit kurzem Vorsitzender der Geschäftsführung des Gerolsteiner Brunnens. Ein Zeichen, das positiv aufgenommen wurde. Laut dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin waren insgesamt 1849 Zwangsarbeiter in Gerolstein eingesetzt – davon viele beim Gerolsteiner Sprudel. Marcelle Dorr war nur eine von vielen. Doch weder in der Festschrift zum 125. Jubiläum des Gerolsteiner Brunnens, noch in der Historie des Unternehmens werden die Zwangsarbeiter erwähnt.

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