Auf Zeitreise in Rockeskyll

Brauchtum : Auf Zeitreise in Rockeskyll

„Leben und Arbeiten anno dazumal“ hieß das Motto des diesjährigen Erntedankumzugs. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass früher auch nicht alles besser war.

Auch in diesem Jahr haben die Rockeskyller, aber auch Einwohner aus den umliegenden Gemeinden keine Mühen gescheut, ihren Erntedankumzug prächtig auszustatten.

Altes Brauchtum und das Dorfleben anno dazumal spielen am Sonntag die Hauptrolle des Umzugs, der eigentlich bereits selbst Brauchtum ist: 1954 rollte er das erste Mal durch die Eifelgemeinde nahe Pelm und Gerolstein.

„Diesmal sind 14 Wagen dabei und rund 250 Mitwirkende“, sagt Nikolaus Dres von der Freiwilligen Feuerwehr Rockeskyll, die das Fest, das bereits am Freitag mit einer „Vorglühparty“ begann und am Samstag mit Tanz im Festzelt fortgesetzt wurde, alljährlich ausrichtet. Sonntagsmorgens werden die Erntegaben vor dem Altar der St. Bartholomäus-Kirche gesegnet, dann kann der Festumzug beginnen. „Wir möchten uns bei der Bevölkerung von Rockeskyll und allen weiteren, die den Umzug möglich machen, für die Unterstützung bedanken“, sagt Dres.

Die 14 schön geschmückten Wagen und Fußgruppen zeigen den rund 600 Zuschauern am Straßenrand Bilder von einem Dorfleben in früheren Zeiten: Den strengen Dorflehrer, der mit einer Weidenrute vor der Schultafel steht (und im Gespräch später sagt, dass ein Handyverbot den Schülern heutzutage womöglich mehr wehtut), die Klapperkinder, die über Ostern klappernd die Kirchenglocken ersetzen - ein Brauch, der sich in der Eifel bis heute erhalten hat, und die Waschweiber, die einen Großteil ihrer Tageszeit darauf verwenden mussten, die Wäsche ihrer Familie sauber zu halten. Steht eigentlich irgendwo ein Denkmal für den Erfinder der Waschmaschine?

Auch ein gut ausgestatteter Dorfladen hat einen eigenen Wagen bekommen, denn in den allermeisten Dörfern existiert dieses Angebot schon lange nicht mehr. „Et jibt noch Wuuuscht“ ruft die nette Ladenbesitzerin dem umstehenden Publikum zu. Der uralte, aber blutige Brauch des Hahneköppens, der seit Mitte der 1960er Jahre zu Recht nicht mehr in Rockeskyll existiert, wird an einem Plastikhahn demonstriert und auch der, oder dem Hillich ist ein Wagen gewidmet. Dieser Brauch hat sich im Ort bis heute gehalten, kein Wunder: Immer, wenn eine junge Frau aus Rockeskyll einen Mann aus einem anderen Ort heiratet, ziehen die hiesigen Junggesellen am Abend vor der Hochzeit zu ihrem Elternhaus und ahmen mittels eines drehenden Wagenrads, an das ein Sensenblatt gerieben wird, großen Katzenjammer nach. Herzerweichend - und ein sehr lautes Beispiel dafür, wie auch aus einem Abschied ein fröhliches Fest werden kann.

Mehr von Volksfreund