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Aufatmen in Daun: Katasteramt bleibt

Aufatmen in Daun: Katasteramt bleibt

Die Würfel bei der Neuordnung der Vermessungs- und Katasterverwaltung im Land sind gefallen: Der Standort Prüm wird aufgelöst, Daun bleibt erhalten, innerhalb des neuen Amts "Westeifel-Mosel" mit Sitz in Bernkastel-Kues.

Prüm/Daun. Der rot-grüne Ministerrat des Landes Rheinland-Pfalz hat am Dienstag die neue Struktur der Vermessungs- und Katasterverwaltung beschlossen. Statt 23 Ämtern wird es künftig nur noch zwölf geben, in sechs Bezirken. Die Ämter in Daun und Bernkastel-Kues bleiben im künftigen Bezirk "Westeifel-Mosel" erhalten. Wobei Daun nur Nebensitz sein wird, auch wenn die Landesregierung den Begriff nicht verwendet, sondern von einem "weiteren Standort" spricht.
Prüm mit 57 Mitarbeitern wird aufgelöst, ebenso wie das Amt Trier mit 70 Beschäftigten und Wittlich mit 21. Die neue Struktur werde die Verwaltung der Vermessungs- und Katasterämter "in ihrer Leistungsfähigkeit weiter stärken und für die nächsten zehn bis 15 Jahre zukunftsfest machen", sagte Innenminister Roger Lewentz bei der Vorstellung der neuen Ämterstruktur. Die Landesregierung will damit jährlich 3,5 Millionen Euro einsparen. Dass man diese Entscheidung in Prüm anders wertet, überrascht nicht: Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG), hält sie für "schlicht nicht nachvollziehbar und mehr als bedauerlich". Gerade erst sei die Behörde um die Kollegen aus Bitburg erweitert und neu ausgestattet worden, und jetzt kündige man das Ende für den Prümer Standort an. Das habe mit einer langfristigen Planung nichts zu tun.
"Da kann man von einer Verschwendung öffentlicher Mittel sprechen", sagt Söhngen. Außerdem lägen die verbleibenden Standorte Daun und Bernkastel-Kues relativ nahe beieinander. Für die Erschließung des Zuständigkeitsbereiches wären seiner Meinung nach die Standorte in Prüm und Bernkastel-Kues besser gewesen: "Das ist eine Fehlentscheidung im Gesamtkonzept." Tatsächlich hatte das Land das Behördenhaus in der Prümer Teichstraße, in dem auch das Amtsgericht und die KFZ-Zulassung residieren, zwischen 2005 und 2007 für zwei Millionen Euro renovieren lassen (der TV berichtete). Erst vor sechs Wochen zogen die bisherigen Mitarbeiter der Kataster-Außenstelle Bitburg in Prüm ein. Ähnlich die Reaktion von Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy: "Da kann man wirklich nicht mehr sagen, der ländliche Raum werde gestärkt. Man hat uns das Kulturamt weggenommen mit 80 Mitarbeitern, jetzt nimmt man uns das Katasteramt weg. Ich bin tief enttäuscht. Und wir werden das nicht so einfach an uns vorbeiziehen lassen."
Söhngens und Weinandys Einschätzung teilt der Dauner Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen nicht: Er ist "hocherfreut" angesichts der Nachricht aus Mainz, dass die Kreisstadt weiterhin Standort eines Vermessungs- und Katasteramts mit derzeit knapp 60 Beschäftigten ist. Jenssen: "Es hat mir sehr daran gelegen, dass das Amt hier bleibt. Aus meiner Sicht ist eine gute Lösung gefunden worden, von der auch die Stadt Daun profitiert." Für Werner Klöckner, Bürgermeister der VG Daun, ist es "positiv, dass die bisherige Behördenstruktur in der Kreisstadt erhalten bleibt. Außerdem freue ich mich für die Mitarbeiter in Daun."
Die Mitarbeiter im Prümer Katasteramt haben dagegen weniger Grund zur Freude - und äußern sich entsprechend: "Da hat ein offensichtlicher politischer Kuhhandel die vernünftigsten Argumente zerschlagen", sagt Harald Büchel. Für Walter Braus haben die politischen Vertreter aus der Region, "egal, welcher Couleur, jämmerlich versagt".
Von einer verständlichen Entscheidung, sagt auch die Personalratsvorsitzende Gertrud Bayerschen, könne keine Rede sein. "Aber wo ist bei den Politikern die Logik? Der Menschenverstand? Ich weiß es nicht so ganz genau." Fest steht: Niemand wird seinen Job verlieren, aber viele werden nach der Umsetzung, die spätestens in vier Jahren über die Bühne gegangen sein soll, deutlich weiter fahren müssen. Falls sie sich nicht vorher für eine Ruhestandsregelung oder für das Angebot der "Telearbeit" entscheiden.
Staatssekretärin Heike Raab wirbt im Gespräch mit dem TV um Verständnis: "Wir müssen 500 Stellen abbauen. Wenn wir nichts machen, dann dauert das bis 2025." Die Entscheidung gegen Prüm habe man sich "ganz besonders schwer gemacht. Aber die meisten Bürgerkontakte passieren über das Internet. Dass tatsächlich jemand aufs Amt kommt, ist eher eine Seltenheit." Allerdings sei man bereit, in Prüm zukünftig ein Bürgerbüro als Anlaufstelle einzurichten.
Was aus dem Behördenhaus in Prüm werden soll, steht noch nicht fest. "Wir müssen uns darum kümmern, wie die Liegenschaft weiter verwertet wird", sagt Heike Raab. Da kommen bei einigen Katasteramts-Mitarbeitern Zweifel auf: Sie sorgen sich, dass auch das Amtsgericht aufgelöst werden könnte. "Dann ist hier nichts mehr", sagt einer. "Dann können Sie hier einen Freizeitpark hinmachen. Oder ein Altenheim."Meinung

Das riecht ein bisschen
Sparen ist ja gut, aber so? So sehr man sich über die Erhaltung und wahrscheinlich Vergrößerung des Kataster-Standorts in Daun freut: Das Behördenhaus in Prüm wurde vor vier Jahren für zwei Millionen Euro saniert. Vor sechs Wochen zogen dort die Mitarbeiter der Außenstelle Bitburg ein. Jetzt erfahren sie, dass sie nur kurz in in der Abteistadt geparkt sein sollen. Die paar Wochen hätten sie auch in Bitburg bleiben können. Und wer auf der Landkarte der Region Trier nach künftigen Kataster-Standorten sucht, findet im Westen: nichts. Oder hängen die Auflösung der Ämter Prüm und die Gründung des neuen Bezirks "Westeifel-Mosel" schon mit etwas ganz anderem zusammen? "Westeifel-Mosel"? Das klingt irgendwie schon nach einem zukünftigen Landkreis. Ein politischer Kuhhandel? Auf jeden Fall riecht die Sache ein bisschen. f.p.linden@volksfreund.de

Die künftigen Kataster-Amtsbezirke und ihre Standorte: Osteifel-Hunsrück (Mayen und Simmern); Rheinhessen-Nahe (Alzey und Birkenfeld); Rheinpfalz (Landau und Neustadt); Westeifel-Mosel (Bernkastel-Kues und Daun); Westpfalz (Pirmasens und Kusel); Westerwald-Taunus (Westerburg und Sankt Goarshausen).