Munitionsfund: Aufatmen in Gerolstein: Experten entschärfen die Fliegerbombe

Munitionsfund : Aufatmen in Gerolstein: Experten entschärfen die Fliegerbombe

Ein für alle Beteiligten kräfte- und nervenzehrender Tag mit glücklichem Ende: Nach der Bombenentschärfung können die knapp 300 Evakuierten wieder zurück nach Hause.

Weil Jugendliche aus den Niederlanden, die Urlaub in der Eifel machen, am Dienstag eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden haben, herrscht tags drauf eine angespannte Atmosphäre in Gerolstein.  „Schließlich wird hier nicht jeden Tag eine Bombe entschärft“, sagt ein Einwohner.

Wolfgang Schimmels von der Feuerwehr Gerolstein berichtet: „Am Dienstag gegen 10 Uhr wurde die Bombe gefunden. Die Jugendlichen reagierten sehr gut und alarmierten umgehend die Polizei. Die wiederum informierte den Kampfmittelräumdienst, der sofort aktiv wurde. Gegen 18 Uhr stand bereits der Einsatzstab und wir konnten damit beginnen, die Anwohner zu informieren.“ Am Mittwoch sei man dann ganz klassisch von Tür zu Tür gegangen und habe die Anwohner, die angetroffen wurden, persönlich informiert und auch Infoblätter verteilt. Beim Rundgang sei auch festgestellt worden, welche Anwohner Unterstützung bei der Räumung ihrer Häuser brauchen. 15 nahmen das Angebot einer Transporthilfe an. Ein Anwohner wurde kurzfristig im Maternus­stift untergebracht.“ Damit auch alle Besucher im nahe gelegenen Feriendorf erreicht werden konnten, sei das Infoblatt noch am Abend auch ins Niederländische übersetzt worden, erklärt Schimmels.

Der Zeitplan für den Mittwoch: Bis 15 Uhr sollen die rund 300 Anwohner den Evakuierungsraum im Kreis von 300 Metern rund um den Bomben-Fundort verlassen. Gegen 17 Uhr wird das evakuierte Gebiet noch kontrolliert, ob wirklich niemand mehr im Sperrgebiet geblieben ist. Würden doch noch anwesende Bürger angetroffen, sollen sie auch per Lautsprecherdurchsage auf die Situation hingewiesen werden. Kontrollfahrt beendet, ab jetzt heißt es warten. Läuft alles wie geplant, wird die Zugangsstraße voraussichtlich um 21 Uhr wieder geöffnet.

Der Kampfmittelräumdienst (KMRD) des Landes ist am Dienstag angerückt und hat die Bombe bereits vollständig frei gelegt, als Vorbereitung auf die Entschärfung kurz nach 18 Uhr am Mittwoch. KMRD-Chef Horst Lenz hat jahrzehntelange Erfahrung mit solchen Einsätzen und schon mit deutlich größeren Kalibern zu tun gehabt. Die in Gerolstein gefundene Fliegerbombe mit einem Gewicht von 125 Kilo sieht Lenz „in der unteren Liga“ solcher Kriegsaltlasten.

Der Profi erwartet keine großen Probleme bei der Entschärfung, aber natürlich wird so etwas nicht auf die leichte Schulter genommen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von KMRD, Feuerwehr, Polizei, Straßenmeisterei, DRK und Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein ist gebildet worden. Ihre Aufgabe: alles vorbereiten für die Evakuierung mehrerer hundert Bürger im Bereich der Straße Am Auberg. Von Polizei, DRK und Feuerwehr sind 85 Mitarbeiter im Einsatz.

Der seit einigen Wochen amtierende Gerolsteiner Stadtbürgermeister Uwe Schneider hält sich auf dem Laufenden.

Eine solche Entschärfung in Gerolstein ist keine neue Erfahrung für ihn, „ich erinnere mich an mindestens eine weitere“, berichtet der 50-Jährige. Er hat nach eigenem Bekunden ein gutes Gefühl, was den Ausgang angeht: „Ich habe volles Vertrauen in den KMRD. Das sind echte Profis, die bei vielen Gelegenheiten im Land ihr Können unter Beweis gestellt haben.“ Später will er mit VG-Bürgermeister Hans Peter Böffgen die Bürger im Ausweichquartier BBS-Sporthalle besuchen, aber auch die Einsatzkräfte wollen sie treffen, „um unseren Dank auch persönlich auszusprechen“.

Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera kontrolliert die Wälder rund um das im gesperrten Gebiet liegende Stück des Eifelsteigs. „Wir mussten einfach auf Nummer sicher gehen. Die Fläche dort ist groß und teils schlecht einsehbar. Sollte sich doch noch jemand unter einem Busch oder Baum befinden, werden wir ihn auf jedenfalls entdecken“, erklärt Feuerwehrsprecher Schimmels.

Für die KMRD-Spezialisten ist ein Zelt über der Bombe errichtet worden. Sie läge sonst in der prallen Sonne, doch auch so setzt die Hitze von knapp 35 Grad allen Kräften zu. Sie legen früher los als vorgesehen: um 18 statt um 18.30 Uhr.

Jede Menge Einsatzfahrzeuge rund um die Straße Am Auberg: Polizei, Feuerwehr und DRK sind mit 85 Leuten vor Ort. Foto: TV/Frank Auffenberg
Auch per Hubschrauber wird kontrolliert, ob sich niemand rund um den Entschärfungsort befindet. Foto: TV/Frank Auffenberg

Nach sechzehn Minuten ist alles vorbei. Die Bombe ist entschärft. Applaus hallt durch das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Gerolstein. Aufatmen in Gerolstein!

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