1. Region
  2. Vulkaneifel

Aufbruch in eine neue Welt

Aufbruch in eine neue Welt

DAUN. Auf der Flucht vor Armut, Kargheit und Perspektivlosigkeit machten sich in der großen Auswanderungsphase im 19. Jahrhundert Tausende Eifeler auf nach Amerika. Nun haben Wissenschaftler Briefe deutscher Auswanderer in einem Buch veröffentlicht - von 323 gesammelten Schriftstücken stammen 280 aus der Eifel.

Der "verschwundene Ort": So wie fast alle Bewohner von Allscheid, einst zwischen Steiningen und Darscheid gelegen, vor mehr als 150 Jahren nach Amerika auswanderten, suchten auch viele andere Eifeler in der neuen Welt ihr Glück. "In der Großauswanderungsphase von 1840 bis 1847 machten sich insgesamt rund 6550 Auswanderer aus der Eifel legal auf den Weg über den Atlantik", informiert die Wissenschaftlerin Dr. Marlene Nikolay-Panter vom Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande der Universität Bonn. Ungezählt sind die zahlreichen "illegalen Übersiedler", was die Wissenschaftler vermuten lässt, dass der "Amerika-Drang" der Eifeler besonders stark gewesen sein muss."Wir verlangen nicht mehr nach Deutschland"

Nikolay-Panter hat zu diesem Thema zusammen mit Wolfgang Herborn und Jürgen Macha im "Europäischen Verlag der Wissenschaften", Peter Lang, Frankfurt, ein umfangreiches Buch herausgegeben. In ihrem Werk "Wir verlangen nicht mehr nach Deutschland" veröffentlichen sie unter anderem die umfangreiche Briefsammlung von Joseph Scheben (1825 bis 1938), die dieser bereits vor 1933 in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen hatte. Scheben selbst ist bereits aufgefallen, dass "von den 323 Briefen, die ich bislang habe, gut 280 von Auswanderern aus dem kleinen, noch nicht 700 Quadratmeter großen Gebiet der Eifel stammen".Essen, Trinken und Geld waren die Themen

Neben den Briefen zählen zum Scheben-Nachlass eine fast 1000 Bände umfassende Spezialsammlung zur Geschichte der Amerika-Auswanderung sowie eine umfangreiche Personendatei. Die Briefe dokumentieren einen Zeitraum von den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts bis 1938. Geschrieben wurden sie von "einfachen Leuten" aus dem kleinbäuerlichen Milieu. Die häufigsten Themen, über die die Auswanderer ihren Familien in der Heimat berichteten, waren Essen, Trinken, Kleidung und das wirtschaftliche Wohlergehen in der Fremde. Die Auswanderer wollten von ihren Familien wiederum alles über Sterbefälle, Hochzeiten, Geburten und sonstigen Ereignissen wissen. Ein Großteil der Post von Übersee verrät zudem, dass auch Trost aus der alten Heimat gesucht wurde. Denn das "Abenteuer Amerika" ist nicht für alle Auswanderer in der gewünschten Form geglückt: Vergeblich suchten sie ein besseres Leben, und die alten Probleme blieben auch in der neuen Umgebung. Für die Auswanderer-Serie hat der TV einigen Briefen des Buches nachgespürt und Familienangehörige und Nachkommen der Briefschreiber aus der Vulkaneifel ausfindig gemacht. Diese waren durchweg überrascht, wie und woher diese persönlichen Dokumente in das Fachwerk "Wir verlangen nicht mehr nach Deutschland" (ISBN-NR. 3-631-39807-7) gekommen waren. So war beispielsweise auch das Ehepaar Schend in Bodenbach überrascht, mit Briefen ihres Vorfahren Anton Schend konfrontiert zu werden. Doch darüber mehr im nächsten Teil.