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Aufklären und Licht ins Dunkel bringen

Aufklären und Licht ins Dunkel bringen

Franz-Josef Schmit hat über den Ex-NSDAP-Kreisleiter Walter Kölle referiert. Der "stramme Nazi" hatte auch mit Fritz von Wille zu tun.

Wittlich/Daun "Wer will so was heute noch hören?", "Den kennt doch keiner mehr" und "Hört doch auf mit dem Nazi-Kram!", zitierte Alois Mayer skeptische Stimmen im Vorfeld des Vortrags. Umso erfreulicher sei die Resonanz, sagte der Kulturwart der Eifelvereins-Ortsgruppe zu Beginn mit Blick auf an die 100 Zuhörer. Der Eifelverein hatte gemeinsam mit der Volkshochschule der Stadt Daun eingeladen.
"Unsere Intention ist, aufzuklären und damit vor dem zunehmend nazihaften Denken zu schützen", erklärte Alois Mayer. Licht in das Dunkel des Verschweigens und Vertuschens zu bringen, sei sein Anliegen, betonte der Referent Franz-Josef Schmit (siehe Info).
Zur Biographie des 1897 in Köln-Mülheim geborenen Walter Kölle berichtete Schmit, dass Kölle das Abitur und eine kaufmännische Ausbildung machte. Im Ersten Weltkrieg ist er freiwillig bei der Luftwaffe und bringt es zum Leutnant. Bevor er 1931 hauptamtlicher Kreisleiter der NSDAP für den Kreis Daun wird und in die Altburg bei Schalkenmehren zieht, ist er beruflich als Reisevertreter und politisch als Parteiredner in der Eifel und an der Mosel unterwegs. 1938 wird Kölle Kreisleiter des zusammengelegten Kreises Daun-Wittlich und bewohnt nun eine Luxusvilla in Wittlich.
Seine Auftritte sind linientreu im Sinne der Partei. Und er ist Rädelsführer bei Aktionen gegen die Wittlicher Juden im November 1938.
"Noch erschreckender als der Ton und Inhalt seiner Reden" ist für Franz-Josef Schmit dabei die Tatsache, dass sich 14 Jahre später - trotz Millionen von Toten und unbeschreiblicher Zerstörungen in Deutschland und den von Hitler-Deutschland mit Krieg überzogenen Ländern - an der fanatischen ideologischen Weltanschauung des ehemaligen Kreisleiters so gut wie nichts verändert hatte. Schmits Ausführungen zu der Enttarnung des nach 1945 abgetauchten Kölle liegt seine "Niederschrift" von 1952 zugrunde. "Eine einzige Erfolgsbilanz im propagandistischen Ton wie zu NS-Zeiten", resümiert Schmit. Und: "Fehler einzugestehen oder gar irgendetwas zu bereuen, ist dem ehemaligen Kreisleiter Kölle nicht in den Sinn gekommen." Zwar wird er von der Spruchkammer Koblenz in die Gruppe II der "Belasteten" eingestuft - was den Verlust von Anspruch auf Ruhegehalt sowie auf bestimmte Ämter und Berufe mit sich bringt.
"Aber Kölle ist durchaus glimpflich davongekommen", bemerkt Schmit. Was auch mit den "Persilscheine" genannten entlastenden oder reinigenden Leumundszeugnissen zu tun habe, von denen Kölle der Spruchkammer etliche habe vorlegen können, räumt Schmit ein. So bescheinigt etwa der Eifelmaler Pitt Kreuzberg (Schalkenmehren) dem Kreisleiter Kölle, dass man sich in seiner Amtszeit habe sicher fühlen und seine freie Meinung habe äußern können. Während Schmit in Kreuzbergs "Persilschein" für Kölle eine eventuelle Dankespflicht oder ein nach außen angepasstes Verhalten sieht, betont er, dass der Eifelmaler Fritz von Wille (Kerpen) mit Kölle "sehr auf Linie" gewesen sei, dass Kölle häufig zu Gast bei von Wille gewesen sei und "Herzerweichendes" ins Gästebuch geschrieben habe.
Kölle wird 1953 vom Bonner Landgericht wegen seiner Beteiligung am Judenpogrom in Wittlich zu 13 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt. Er wird nach fünf Monaten entlassen, die Reststrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Er stirbt 1958 - "meinen Recherchen nach bis zuletzt ein unverbesserlicher Nationalsozialist", sagt Franz-Josef Schmit.ZUR PERSON: FRANZ-JOSEF SCHMIT

Extra

Der ehemalige NSDAP-Kreisleiter Walter Kölle. Foto: Archiv. Foto: (m_wil )
Im Vorbeimarsch: Gruppen und Organisationen grü´ßen NSDAP-Kreisleiter Walter Kölle (vor der Adler-Apotheke in Daun) anlässlich des Kreisparteitages 1936. Foto: Archiv. Foto: (e_bit )

Franz-Josef Schmit ist 1954 im Saarland geboren und lebt seit 1985 in Wittlich. Er ist Lehrer für Deutsch und Ethik am dortigen Cusanus-Gymnasium. Schmit engagiert sich im Arbeitskreis "Jüdische Gemeinde Wittlich". Er publiziert regelmäßig in Heimatjahrbüchern und schreibt geschichtliche Beiträge für den Trierischen Volksfreund. Er ist Autor der Bücher "Joseph Feiner - Ein jüdischer Lehrer in Wittlich", "Novemberpogrom in Wittlich 1938" und "Vertriebene sind wir, Verbannte". Im Herbst 2016 erschien als Plädoyer für die Verfolgten und Opfer der NS-Diktatur aus Wittlich und Umgebung der Band "Spätes Erinnern".