Aufkleber gegen geheime Beschlüsse

Aufkleber gegen geheime Beschlüsse

Der Rat der Verbandsgemeinde Hillesheim befasst sich morgen Abend nochmals mit der Frage, ob nicht doch eine Fusion mit Gerolstein angestrebt werden soll. Das war bislang abgelehnt worden. Hintergrund der möglichen Trendwende sind Gespräche zwischen Gerolstein und der Oberen Kyll. Die Hillesheimer Gegner machen aber erneut mobil.

Hillesheim. Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein und Walsdorfs Ortsbürgermeister Horst Kolitsch (beide CDU) sind wieder fleißig: Während sie bereits vor einem halben Jahr mehrere Hundert Aufkleber für den Erhalt der Verbandsgemeinde Hillesheim haben drucken und verteilen lassen, haben sie nun in die Tasten gehauen. Herausgekommen ist ein Schreiben an alle Mitglieder des VG-Rats Hillesheim. Darin appellieren sie, keine Fusionsgespräche mit den Gerolsteinern aufzunehmen.

Die Aufnahme neuer Verhandlungen - nachdem der VG-Rat dies am 14. März dieses Jahres noch per Beschluss abgelehnt hat - würde nach Ansicht des Duos bedeuten, dass die VG Hillesheim nun als "Bittsteller" auftrete. Verhandlungen auf Augenhöhe werde es nicht geben. Vielmehr mutmaßen Stein und Kolitisch: "Aus der Position des Stärkeren wird Gerolstein nicht nur in der Namens- und Verwaltungssitzfrage, sondern auch in anderen Positionen die eigenen Vorstellungen durchsetzen." Das Duo befürchtet "katastrophale Auswirkungen". Stein sagt: "Allein der Verlust des Verwaltungssitzes wäre für die Stadt Hillesheim, aber auch die umliegenden Dörfer, ein großer Rückschritt." Wozu dies führe, sehe man an den ehemaligen Ämtern Birresborn, Daleiden, Schönecken, deren Bedeutung massiv geschrumpft sei.

Kolitsch sagt: "Wenn wir mit Gerolstein zusammengehen, sind wir in fünf Jahren platt." Das sieht auch Stein so. Er zählt auf: "Wir hatten hier früher Amtsgericht, Landwirtschaftsschule, Katasteramt. Wenn wir Gerolstein zugeschlagen werden, sind sicher bald auch das Forstamt, das Notariat und vielleicht sogar die Realschule weg." Und deswegen werde auch die Aufkleberproduktion noch mal forciert. Stein: "Wir drucken nach."

Ein Randaspekt ist ihm ebenfalls suspekt: Der Umstand, dass in nichtöffentlicher Sitzung über die eventuelle Trendwende beraten und beschlossen wird. Stein sagt: "Ich dachte, die Bürger sollen bei der Kommunalreform mitgenommen werden." Auf die Frage, wieso die Öffentlichkeit gemieden werde, sagte in Abwesenheit von Bürgermeisterin Heike Bohn der Büroleiter der VG-Verwaltung Hillesheim, Herbert Mastiaux: "Es geht um eine interne Meinungsbildung."

Hintergrund der Sondersitzung ist, dass es auf Betreiben der Hillesheimer unlängst nochmals ein Sondierungsgespräch Hillesheim-Gerolstein-Obere Kyll gegeben hat. Mastiaux berichtet: "Es ging darum auszuloten, ob eine Dreier-Fusion grundsätzlich noch beziehungsweise wieder möglich ist."
Hillesheim und die Obere Kyll haben bis Ende des Jahres Zeit, dem Land ein Signal zu geben. Denn beim jüngsten Treffen in Mainz habe Innenstaatssekretär Jürgen Häfner (SPD) laut Mastiaux "unmissverständlich deutlich gemacht, dass die Verbandsgemeinden Obere Kyll und Hillesheim Gebietsveränderungsbedarf haben und dieser, sofern es in diesem Jahr keine freiwillige Lösung gibt, im folgenden Jahr per Gesetz erzwungen wird".Meinung: Gebaren ist nicht nachvollziehbar

Alles zurück auf Los: Die Wiederaufnahme von Gesprächen mit dem Ziel, eventuell doch noch ein Dreierbündnis Gerolstein-Hillesheim-Obere Kyll zustandezubringen, ist vonseiten der beiden kleinen Partner weniger dem Wunsch als der puren Not entsprungen. Die gründet auf der Erkenntnis, dass es das Land wohl ernst meint - letztlich auch mit Zwangsfusionen. Wie angesichts des aktuellen Gebarens, eine derart richtungsweisende Entscheidung im stillen Kämmerlein zu fällen, allerdings künftig die Bürger beim Fusionsprozess mitgenommen werden sollen, ist nicht nachvollziehbar. m.huebner@volksfreund.deExtra

Die Aufkleber, die mittlerweile auf zahlreichen Autos zu sehen sind, sind zwölf mal acht Zentimeter groß. Das Wappen und ein weißer Kartenausschnitt des Hillesheimer Landes sind darauf zu erkennen. Zudem sind am Rand alle Gemeinden und Ortsteile der VG Hillesheim aufgelistet. In der Mitte prangt die Aufschrift: Pro Verbandsgemeinde Hillesheim. mh

Mehr von Volksfreund