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Aus Abwasser wird Kompost

Aus Abwasser wird Kompost

Die Verbandsgemeinde Gerolstein setzt bei der Abwasserentsorgung verstärkt auf die Klärschlamm-Vererdung. Neben den Gruppenkläranlagen Lissingen und Birresborn soll nun auch in Neroth eine solche Anlage entstehen.

 Neben der Kläranlage am Ortseingang von Neroth soll die neue Vererdungsanlage gebaut werden. TV-Foto: Helmut Gassen
Neben der Kläranlage am Ortseingang von Neroth soll die neue Vererdungsanlage gebaut werden. TV-Foto: Helmut Gassen

Neroth. Mit Abwasser die Landwirtschaft fördern - so lässt sich das Verfahren der Klärschlamm-Vererdung beschreiben. Auch die Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein setzt auf dieses Prozedere. Die beiden Vererdungsanlagen an den Gruppenkläranlagen Lissingen und Birresborn liefern 95 Prozent des Klärschlamms für die Vererdung in der VG.

Diese Nutzung des Abwassers soll sich jetzt noch auf 100 Prozent erhöhen, denn die VG Gerolstein wird in Neroth neben der bestehenden Kläranlage ein weiteres Klärschlamm-Vererdungsbecken bauen. Zweck dieser Ausrichtung bei der Entsorgung des Klärschlamms ist der Schutz der Natur. Weil der Klärschlamm komplett austrocknet und an der Erdoberfläche bleibt, sickern keine schädlichen Stoffe ins Grundwasser.

Dieses Ziel ist besonders im Gerolsteiner Land wichtig, weil dort die Wasserquellen des Gerolsteiner Brunnens liegen. "Wir wollen hier vorbildlich sein und so langfristig mit den Klärschlamm-Vererdungsanlagen das Grundwasser schützen. Wer weiß auch, wie lange das mit der Aufbringung des Klärschlamms in der Landwirtschaft überhaupt noch geht, da es immer schwieriger wird", sagt Karl Servatius, Leiter der VG-Werke Gerolstein.

Die Konzeption der Anlage sieht zwei unabhängige Vererdungsbeete mit einer Gesamtbeetfläche von 450 Kubikmeter vor, die eine Lagerkapazität von etwa 30 Jahren sichern. Am Ende des Vererdungsprozesses entsteht ein kompostähnliches Substrat, das für den Landschaftsbau sowie zum Aufbringen in der Landwirtschaft bestens geeignet ist.

Mit den Bauarbeiten sollte schon vor kurzem begonnen werden. Doch da die Baufirma zu viel zu tun habe, warte die VG noch auf einen Termin für den Baubeginn, erklärt Servatius. Mit acht Wochen Bauzeit rechnet der VG-Leiter. "Ich denke, im Herbst können wir die Bepflanzung mit Schilf vornehmen, aber erst im Sommer 2011 wird die Anlage betriebsbereit sein." 180 000 Euro wird die Anlage kosten. Dafür erhält die VG Gerolstein ein zinsloses Darlehen des Landes. Extra Klärschlamm ist ein wässriger Reststoff, der in einer Kläranlage anfällt und zu mindestens 95 Prozent aus Wasser besteht. Bei der Klärschlamm-Vererdung werden die Schlämme in ein erdähnliches Substrat umgewandelt. Dazu wird der Klärschlamm auf bepflanzte Flächen aufgebracht. Die Pflanzen wachsen auf einem Sand-Kies-Gemisch, das als Filter dient. Sie durchwurzeln und durchwachsen den Schlamm und gewährleisten eine beschleunigte Schlammentwässerung und -mineralisierung. Dieser Prozess dauert viele Jahre. Danach kann die Klärschlamm-Erde zum Beispiel landwirtschaftlich verwertet werden.