Wirtschaft: Aus Eifelschiefer oder Büffelhorn werden Brillen

Wirtschaft : Aus Eifelschiefer oder Büffelhorn werden Brillen

Eine Manufaktur aus Kelberg ist mit ihren Sehhilfen in der ganzen Welt bekannt. Sogar der Dalai Lama war schon Kunde.

Eine Brille ist eine Brille. Einfach nur eine Sehhilfe für Menschen mit schlechten Augen. Ein wenig Kunststoff für drum herum, zwei optische Gläser rein – fertig. Oder? Das sehen nicht alle Brillenträger so. Sie wollen etwas Besonderes im Gesicht tragen. Täglich die Sehhilfe aufsetzen und dabei wissen und spüren: Hier war kein Fließband sondern ein erfahrener Handwerker bei der Arbeit.

„Die Leute, die in Kelberg unsere Brillen fertigen, sind nicht bloß Handwerker, sondern in meinen Augen Kunsthandwerker“, sagt Wolfgang Thelen. Er leitet die von Josef Hoffmann 1978 gegründete Firma, die aus dem Horn indischer Wasserbüffel Hornbrillen herstellte. Genau solche Brillen werden in Kelberg auch heute noch hergestellt – seit 2002 unter dem Markennamen „Hoffmann Natural Eyewear“. Die Firma hat verschiedene Sitze in der ganzen Eifel verteilt und beschäftigt unter anderem 25 Mitarbeiter in Leimbach.

Das Rohmaterial für die Brillen stammt immer noch häufig von verendeten indischen Wasserbüffeln. In Kelberg fertigen 60 Mitarbeiter daraus Hornbrillen in unterschiedlichen Formen – von traditionell über modern, von edel bis abgefahren. „Rund 80 Prozent ist dabei Handarbeit“, weiß Thelen. Durchschnittlich eine Brillenfassung entsteht aus einem Wasserbüffelhorn. Das ausgewählte Stück des Horns wird auf rund einen Millimeter heruntergeschliffen, dann werden mehrere Schichten wieder verbunden. So wird das Material für die Brille dünn, leicht, flexibel und trotzdem stabil.

Vom ersten Pinselstrich des Designs bis zur fertigen Fassung, alles wird hier innerhalb der Firma in der Vulkaneifel erledigt. In vier Jahrzehnten hat man in Kelberg jede Menge Erfahrungen gesammelt. Es wurden Ideen umgesetzt und Maschinen selbst konstruiert. Neue technische Errungenschaften fanden ihren Weg in die Manufaktur.

Aber die geschickte Hand, die Erfahrung und das Wissen des Menschen sind bis heute unentbehrlich, um in 280 Arbeitsschritten eine hochwertige Hornbrillenfassung herzustellen. Da kommen Gerätschaften zum Einsatz, wie man sie an den Arbeitsplätzen von Feinmechanikern, Goldschmieden, Uhrmachern und Zahntechnikern findet. Da wird liebevoll und konzentriert geschliffen, poliert, gefräst, gemessen und probiert.

Mit der Brille aus dem Naturstoff Horn entsteht ein Nischenprodukt, das seine Käufer findet. Aber im Brillensektor gibt es noch viele weitere Nischen. Und die findet und erschließt der Chef Wolfgang Thelen gemeinsam mit seinem Team. Seine Ivko GmbH übernahm 2000 die Geschäftsführung.

Neben der Manufaktur in Kelberg gibt es auch eine kleine Holzbrillen-Manufaktur. Für den Dalai Lama fertigte man bei Hoffmann ein Einzelstück mit orangefarbener Seide im Bügel. Auch ausgefallene Wünsche erfüllen die Kunsthandwerker. Etwa einen eingearbeiteten Liebesbrief in der Brille. Und die Haare der Alpakas, die auf Thelens Grundstück stehen, finden ebenfalls ihren Weg in ungewöhnliche Brillengestelle.

Thelen stammt aus Wanderath, ist ein weit gereister Zeitgenosse und hat ganz bewusst die Betriebsstätten für die inzwischen 180 Mitarbeiter der Firma an mehreren Standorten in der Eifel angesiedelt. „Wir wollen nicht riesig bauen. Zudem müssen die Mitarbeiter so nicht allzu weit pendeln.“ Wenn nötig, sorgt die Firma auch selbst für schnelles Internet, denn man ist inzwischen Global Player mit Geschäftsverbindungen in 59 Länder. Und man versteht sich gleichzeitig als ein Unternehmen, das in der Eifel verwurzelt ist und dies bleiben will. Beispiel: Die Firma hat ein leichtes und stabiles Brillengestell aus Eifelschiefer entwickelt. Wie sie aus vulkanischem Gestein eine tragbare und bequeme Brille herstellt? Darauf gibt es vom Chef nur ein wissendes Lächeln und ein „Das bleibt unser Geheimnis.“

In Sachen Kinderbrillen ist die Eifeler Firma Ivko der Ansprechpartner für Eltern, Optiker und Ärzte aus ganz Deutschland. „Für Frühchen und Babys macht es einen großen Unterschied, ob sie Konturen verschwommen oder sauber sehen“, erklärt Thelen. Die Babybrillen sind aus weichem Material und haben keine Scharniere. Mit immer neuen Ideen und immer am Puls der Zeit ist die Vulkaneifel zum Brillenland geworden.