Auslaufmodell oder Vorzeigeprojekt?

Auslaufmodell oder Vorzeigeprojekt?

Die Frage, ob das Jugendtaxi im Landkreis Vulkaneifel zum Auslaufmodell wird, stellt sich bei der Kreisverwaltung nicht. Es sei immer noch ein Vorzeigeprojekt mit vielen Nachahmern in den Nachbarkreisen. Dabei existiert das Angebot nur noch in drei von fünf Verbandsgemeinden im Kreis. Unternehmer schätzen das Jugendtaxi sehr unterschiedlich ein.

Daun. "Seit der Einrichtung des Jugendtaxis hat es hier keine tödliche Discounfälle mehr gegeben. Es ist ein Vorzeigeprojekt", erklärt Diane Lorig, Pressesprecherin der Kreisverwaltung. Paul Kaiser vom Gerolsteiner Taxibetrieb Kaiser-Liske hält dagegen: "In acht von zehn Fällen werden wir für die Katz bestellt. So viele Leerfahrten und das ausfallende Verhalten der meist stark alkoholisierten Jugendlichen lässt uns überlegen, auch auszusteigen.""Von Leerfahrten war nie die Rede"

Bereits vor Jahren ist der Kelberger Partner ausgestiegen und vor kurzem auch das Dauner Taxiunternehmen Ganser. Markus Berns von Taxi Ganser nennt allerdings völlige andere Gründe. Im Gegenteil, er bedauert es für die vielen teilnehmenden Jugendlichen. Berns: "Von vielen Leerfahrten war bei uns nie die Rede, und 85 Prozent der Jugendlichen verhielten sich okay. Bei den Erwachsenen fallen auch etliche im Rausch aus der Rolle." Im Dauner Beritt war Berns der einzige Jugendtaxi-Vertragspartner, und das verursachte die Probleme. Berns erläutert: "Wir konnten es zum Ende der Veranstaltungen nicht schaffen, zeitgleich bis zu 80 Jugendliche nach Hause zu bringen. Es entstanden Wartezeiten, und sonntags hagelte es dann telefonische Beschwerden der Eltern." Er stehe nach wie vor zum Konzept des Jugendtaxis, aber "wenn ich es nicht richtig machen kann, dann lieber gar nicht". Berns hat bei der Kreisverwaltung nachgehört, ob die Jugendtaxi-Fahrten nicht für alle Unternehmer frei gegeben werden könnten. Pressesprecherin Diane Lorig erklärt dazu: "Wir haben sämtliche Mietwagen- und Taxiunternehmer an einen Tisch gebeten. Momentan laufen die Gespräche mit bestehenden und neuen Partnern. Grundsätzlich jedoch bekommt jeder eine Lizenz." Allerdings ist die Kooperation für die Taxifahrer mit Auflagen verbunden, die viel Zeit und Büroaufwand erfordern. Sie müssen sich von jedem Fahrgast einen Beleg ausfüllen lassen. Mit einer Auflistung der Belege erhält der Betrieb dann von der Kreisverwaltung den Zuschussbetrag (siehe Hintergrund). In Teilen des Landkreises rentiert es sich. Adelheid Trauden vom gleichnamigen Taxiunternehmen in Hillesheim sagt: "Wir können nur Positives berichten, und wir sind von der ersten Stunden vor vier Jahren dabei." Cliquen würden das Jugendtaxi schon für die Hinfahrt ordern, obwohl sie dann den üblichen Tarif zahlen müssen. Der Zuschuss gilt nur für die Heimfahrten. Außerdem würden mittlerweile Familienmitglieder der Jugendlichen auch zu anderen Anlässen ihre Taxis rufen. Hintergrund Jugendtaxi: Jugendliche aus dem Landkreis Vulkaneifel im Alter von 14 bis 21 Jahre profitieren vom Jugendtaxi. Sie erhalten zwei Euro Zuschuss pro Fahrt. Bezuschusst werden nur die Heimfahrten von Veranstaltungen in den Nächten von Freitag auf Samstag, von Samstag auf Sonntag, vor Feiertagen sowie in der Zeit von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag. Das Jugendtaxi wurde vor vier Jahren installiert. 2004 nahmen es 6766 Jugendliche in Anspruch, 2005 - 9776, 2006 - 11167 und bis November 2007 waren es 8706. Die Kreissparkasse beteiligt sich mit einer Pauschale von 10000 Euro an den Kosten. Den Rest teilen sich der Kreis und die VGs. Folgende Unternehmer machen mit: Gerolstein: Taxis Liske-Kaiser, 06591/5656, Hillesheim: Taxi Trauden, 06593/989198, Taxi Christen, 06593/260, Nohn: Mietwagen Rollmann, 02696/1515 oder 571, Stadtkyll: Taxi Krämer, 06597/2889 (vog)