Marketing: Auslaufmodell Qualitätsstadt

Marketing : Auslaufmodell Qualitätsstadt

Nur noch wenige Dauner Betriebe wollen sich zertifizieren lassen. Aberkennung droht.

Seit 2011 darf sich Daun Qualitätsstadt nennen – ein Siegel, das von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH verliehen wird. Die Kreis­stadt gehörte auf Landesebene damit zu den Vorreitern. Vorrangiges Ziel des Zertifikats ist die Verbesserung von Image und Servicequalität in der gesamten Stadt. In den besten Zeiten gab es in Daun mehr als 30 Betriebe, die das Siegel führten. 2017 war diese Zahl aber bereits auf 17 zurückgegangen, mindestens 15 Betriebe müssen aber ein solches Zertifikat haben, damit der Ort sich weiterhin Qualitätsstadt nennen kann. Nun steht das Qualitätssiegel für die Kreisstadt vor dem endgültigen Aus, denn die Zahl der Betriebe beläuft sich auf nur noch sieben.

Michaela Schenk, stellvertretende Leiterin der Dauner Kur- und Freizeitbetriebe, die mit dem Geschäftsführer des Gewerbe- und Verkehrsvereins, Wolfgang von Wendt, den Weg zur Qualitätsstadt koordiniert hat und das Projekt auch betreut, sieht die Entwicklung realistisch. „Die Erwartungen waren etwas anders und sind wohl auch nicht erfüllt worden. Wir müssen nun abwarten, ob und wie es weitergeht.“

Wolfgang von Wendt gefällt die Entwicklung nicht, glaubt aber zu wissen, warum es so gekommen ist. „Viele fühlten sich von der zuständigen Prüfstelle in Prüm nicht ausreichend betreut. Sie bekommen Vorgaben gemacht, es gibt keine Rück­meldungen. Die Betriebe hängen praktisch in der Luft und sollen dafür auch noch 300 Euro bezahlen. Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, welche Chancen damit vergeben werden.“ Bereits seit Jahren gebe es Schwierigkeiten mit den im dreijährigen Rhythmus stattfindenden Prüfungen, berichtet von Wendt. „Der Umgang mit den Betrieben hat viele die Motivation verlieren lassen. Es ist traurig anzusehen, dass Betriebe die Lust verloren haben, weiter mitzumachen.“

Wenn nicht noch etwas geschieht, ist die Kreisstadt im Sommer/Herbst 2018 ihren werbewirksamen Zusatz „Qualitätsstadt“ also wieder los. Selbst Steffi-Mayer-Augarde, Vorsitzende des GVV und Besitzerin von Uhren Mayer und einer Galerie, ist eine „Aussteigerin“ in Sachen Q-Zertifikat. „Ich bedauere es auch, dass wir das Zertifikat verlieren. Aber es ist bei vielen, die sich nicht jedes Jahr mit diesen Maßnahmen beschäftigen wollten, einfach die Luft raus. Außerdem war die Vorgehensweise der Prüfstelle für viele Mitglieder nicht branchenkonzipiert und nicht praxisnah gewesen. Es kam nie jemand in die Betriebe, alles wurde nur vom Schreibtisch aus gemacht, man hat sich nie mit uns richtig beschäftigt. Das ist für uns nicht die Realität“, sagt sie. Die Unternehmerin sieht das Kapitel Qualitätsstadt aber trotzdem als positiv und „als eine wichtige Phase“ an.

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