Ausstellung, Arztvorträge für Blinde und zu Schlafstörungen in Uersfeld

Gesundheit : Die innere Uhr gerät aus dem Takt

Woche des Sehens: Hilfsmittelausstellung und Arztvorträge im Bürgersaal Uersfeld zeigt Menschen, die schlecht oder gar nicht sehen, Möglichkeiten optimaler Lebensqualität auf.

Er sei neugierig gewesen auf die Veranstaltung, die Roswitha Karst als Gründerin der Selbsthilfegruppe Daun in ihrem Wohnort auf die Beine gestellt habe, sagt Bürgermeister Johannes Saxler (Verbandsgemeinde Kelberg) dem Trierischen Volksfreund. Nun sei er von zweierlei total überrascht. „Mir war nicht bewusst, wie viele Betroffene es in der Region gibt“, erklärt er – „wenn man bedenkt, dass die 150 Besucher, die heute nach Uersfeld gekommen sind, nur einen Bruchteil ausmachen.“ Auch von der Bandbreite an Hilfsmitteln sei er beeindruckt. „Davon machen wir Sehenden uns normalerweise ja keine Vorstellung“, räumt Saxler ein.

Unter den Ausstellern ist auch Tobias Marx von Optik Schäfer in Gerolstein. „Viele Betroffene und Angehörige sind nicht genügend informiert, was es an Hilfsmitteln gibt und was ihnen zusteht“, sagt er. Im Rahmen einer Ausstellung könne ein breites Spektrum gezeigt werden, darunter auch einige Neuheiten. „Vor allem kann das Meiste direkt ausprobiert werden, wie zum Beispiel die vergrößernden elektronischen Lesehilfen“, betont der Augenoptiker.

Neben der Ausstellung steht der Vortrag des Trierer Augenarztes Johannes Luttke auf dem Programm; er spricht über die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD, siehe Info) als Hauptursache schwerer Sehbehinderung bei Menschen über 60 Jahren. Doch was hat „Der Schlaf – Eine Reise durch die Nacht“ als das Thema des weiteren Referenten Matthias Berger (Karlsruhe) mit Augenerkrankungen zu tun?

Dr. Berger ist Hals-Nasen-Ohren-Facharzt, und er ist auch Schlafmediziner. Er gibt zunächst allgemeine Erklärungen ab: dass kein Lebewesen ohne Schlaf auskommt; dass es bei den Griechen und den Römern mit Hypnos und Somnus Gottheiten des Schlafs gab; dass der Schlaf in mehreren Phasen verläuft und dass sich dabei Körpertemperatur und Herzschläge absenken. Er kommt auf die von Sonnenlicht gesteuerte „innere Uhr“ (circadiane Rhythmik) zu sprechen. Sie sei der Grund dafür, dass wir bevorzugt nachts schlafen, erklärt der Arzt. Ideal sei, wenn die circadiane Rhythmik und der Schlafdruck sich synchron zueinander verhielten. Sei dies nicht der Fall, komme es zu Schlafstörungen mit Auswirkungen auf den Gesundheitszustand und die Lebensqualität: Einschlafschwierigkeiten, Schlaflosigkeit in der Nacht, häufiges Aufwachen, Probleme, morgens wach zu werden, ausgeprägte Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsmangel, schlechte Stimmung, geringe Leistungsfähigkeit, Risiko zusätzlicher Gesundheitsprobleme. Von besonders schweren Schlafstörungen ist nach Aussage von Dr. Matthias Berger eine Gruppe am häufigsten betroffen: Etwa 70 Prozent der vollblinden Menschen leiden an einer fortlaufenden Verschiebung des Schlaf- und Wach-Zyklus. „Das Problem ist uralt“, räumt der Mediziner ein. Doch erst seit 2014 sei mit dem Wirkstoff Tasimelteon eine medikamentöse Synchronisierung der inneren Uhr möglich.

Roswitha Karst hat für Betroffene in der Vulkaneifel den „Stammtisch Daun“ als eine Gruppe des Vereins “Pro Retina Deutschland“ ins Leben gerufen. Kontakt und Info: Telefon 02657/616, E-Mail: pro.retina.karst@gmail.com.

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