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Autoren stellen Buch über Clara Viebig vor

Autoren stellen Buch über Clara Viebig vor

Wer Clara Viebig war, das haben Christel Aretz und Peter Kämmereit erforscht und in ihrem Buch "Clara Viebig - Ein langes Leben für die Literatur" veröffentlicht. Die Dokumentation zum 150. Geburtstag der Schriftstellerin haben sie in Gerolstein vorgestellt, wo in einigen Tagen eine Viebig-Komödie Premiere feiert.

Gerolstein. Kurz bevor die Clara-Viebig-Komödie "Pittchen" an jedem Wochenende im August aufgeführt wird (siehe Extra), konnten an der Autorin Interessierte im Café Alt-Sarresdorf in Gerolstein Wissenswertes über Clara Viebig erfahren. Christel Aretz und Peter Kämmereit sind hervorragende Kenner der Schriftstellerin und ihres Werks. Sie sind Herausgeber des Standardwerks "Clara Viebig - Ein langes Leben für die Literatur". Aretz ist zudem Präsidentin der 1992 gegründeten Clara-Viebig-Gesellschaft.
Die 1860 in Trier geborene Clara Viebig hat die Eifel als die liebste ihrer vier Heimaten bezeichnet. Die Menschen der Eifel lernte sie in jungen Jahren kennen, wenn sie den Untersuchungsrichter "Onkel Matthieu" auf dessen Fahrten begleiten durfte. In Düsseldorf, dort wurde ihr Vater stellvertretender Regierungspräsident, besuchte sie die höhere Töchterschule.
Reiches literarisches Schaffen


Dann zog sie nach Berlin, um Sängerin zu werden, allerdings ohne Erfolg, und begann mit kleinen Geschichten ihre schriftstellerische Laufbahn, die sie Anfang des 20. Jahrhunderts zur Bestsellerin werden ließ. Die Verwandten ihrer Eltern, die aus der preußischen Provinz Posen stammten, besuchte sie oft. Und aus diesen vier Regionen fand sie den Stoff ihres literarischen Schaffens, das 27 Romane, zahlreiche Novellen und einige Schauspiele, darunter die Komödie "Pittchen" umfasst. Den Stoff um diesen Frauentröster und Geldfälscher aus Eisenschmitt, der im Dorf bleibt, während die Männer sich im Ruhrgebiet verdingen mussten und nur zu Ernte und Weihnachten nach Hause kamen, hatte Viebig bereits in dem Roman "Das Weiberdorf" verarbeitet. Er war 1900 als Fortsetzungsroman in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht worden und löste wegen der seinerzeit als anstößig empfundenen Schilderungen einen Skandal aus, machte Viebig aber deutschlandweit bekannt.
Die zur Lesung erschienen Zuhörer erfuhren viel über das Leben Viebigs, das eine ganze Epoche deutscher Geschichte von der Reichsgründung bis zur Bildung zweier deutscher Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg umfasste. Aus bescheidenen Anfängen gelangte sie durch ihre schriftstellerische Arbeit und die Heirat mit ihrem Verleger zu beachtlichem Wohlstand, der durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise dahinschmolz. Tragisch wurde ihr Leben, als 1933 die Nazis an die Macht kamen, denn sie galt durch die Heirat mit einem Juden als jüdisch versippt und ihr einziger Sohn als Halbjude. Sie flüchtete aus Berlin nach Schlesien und wurde von dort nach Kriegsende vertrieben. Sie fand ihre Villa beschädigt und belegt vor und musste sich mit zwei Zimmern begnügen. Es folgten die Hungerjahre der Nachkriegszeit, die sich allmählich besserten, nachdem die DDR wieder Bücher von ihr publizierte und auch ein kleiner Verlag in Wittlich ihre Eifelwerke herausgab. 1952 starb sie 92-jährig in ihrer Berliner Villa. Sie wurde in einem Ehrengrab auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof beigesetzt.
Das Buch ist im Rhein-Mosel-Verlag erschienen (184 Seiten, 19,80 Euro) und im Buchhandel erhältich. red
Die Burgschauspieler Gerolstein haben am Samstag, 6. August, 18 Uhr, Premiere mit ihrer Freilichtaufführung "Pittchen" auf der Naturbühne der Löwenburg. Der Kartenvorverkauf läuft bei Bürobedarf Hoffmann, der Tourist-Info in der Brunnenstraße, in der Gaststätte Schwarzbrennerei und bei den Burgschauspielern. Weitere Aufführungen: Samstag, 13. August, Samstag, 20. August, und Samstag, 27. August, jeweils um 18 Uhr. Am Sonntag, 14. August, und Sonntag 21. August, beginnt das Stück um 15 Uhr. red