Autos, Hunde, Müll: Immer mehr Wildbader am Schalkenmehrener Maar fordern die  Ortsspitze heraus

Kostenpflichtiger Inhalt: Naturschutz : Autos, Hunde, Müll – Immer mehr Menschen baden wild im Schalkenmehrener Maar

Am Schalkenmehrener Maar greift eine Unsitte immer mehr um sich: Wildbader bevölkern – selbst im Naturschutzareal – das Ufer, lassen zum Teil Hunde herumlaufen und baden und hinterlassen Dreck und Müll. 

Die Badesaison 2019 geht bald zu Ende. Auch in Schalkenmehren herrschte Hochbetrieb am Maar. Das Maarbad war an vielen Tagen gut besucht. Doch immer öfter machen sich auch außerhalb des eigentlichen Bades Besucher mit ihren Decken breit. Sie nutzen dann die ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen, die zu Wiesen geworden sind, als kostenlosen Ruheplatz zum Sonnenbaden und hechten von Angelstegen aus ins kühle Nass des Naturschutzgebiets.

Dabei sind Schilder, die auf den Schutzstatus hinweisen, gut sichtbar angebracht. Doch das schert viele Wildbader nicht. Manche parken gar ihre Autos nahe des Maars auf Wiesen und Feldern. So manch einer hinterlässt dann auch noch Müll. Und nicht nur den, denn: Viele der Wildbader bringen auch noch Hunde mit, die sie herumlaufen, im Maar baden und auch auf die Wiese machen lassen, ohne die Hinterlassenschaften mitzunehmen. Auch Schäfer Mario Jehnen klagt über Hundekot, der dazu führt, dass die Schafe häufiger entwurmt werden müssen. Vom Gestank und dem Ärger mit den „Tretminen“ mal ganz abgesehen.

Kein Parkplatz und ein Naturschutzgebiet? Egal, hier steht das Auto doch gut. Schön nah am Maar. . Foto: TV/Bernd Schlimpen

Das will die Ortsgemeinde nun nicht mehr so hinnehmen. Denn erstens braucht sie Einnahmen, da der alljährliche Badebetrieb im Maarbad auch mit erheblichen Kosten verbunden ist: für Aufsichtspersonal, Unterhaltung der Gebäude und Geräte sowie die baldige Anschaffung eines neuen Rettungsbootes. An einem Sommertag wurden mehr als 100 Personen im Naturschutzgebiet gezählt.

Und das Wildsonnen und -baden schadet der Natur und sorgt für zusätzliche Kosten – wenn Müll und Hinterlassenschaften weggeräumt werden müssen.

Ortsbürgermeister Peter Hartogh und einige Gemeinderatsmitglieder haben sich an heißen Sommertagen daher desöfteren zu den Wildbadern begeben und versucht, in freundlicher Manier mit den Leuten zu sprechen und sie zum Aufbruch ins Maarbad zu bewegen. Und ihnen gesagt, dass sie ihre Autos auf den ausgewiesenen Parkplätzen abstellen müssen.

Was er und seine Mitstreiter sich dann manchmal hätten anhören müssen, ärgert Hartogh kolossal. Er berichtet: „Auch wenn man höflich ist, erhält man oft freche patzige Antworten – beispielsweise wenn wir fragen, wem der Hund ohne Leine gehört, der aus dem Wasser springt und sich danach auf der Wiese tummelt: Dann ist es schon vorgekommen, dass uns sein Herrchen gesagt hat: ‚Passen Sie auf den Hund auf, der ist unberechenbar!’“ Ein weiterer Höhepunkt: An der Maarseite des Bootsanlegestegs wurde ein Pferd in aller Seelenruhe gebadet.

Das wollen sich die Schalkenmehrener Verantwortlichen künftig nicht mehr bieten lassen. Hartogh sagt: „Wenn die Wildlagerer und -bader zu uneinsichtig sind, rufen wir auch schon mal die Polizei, die Verwarnungen ausspricht.“ Außerdem habe man bereits die Untere Naturschutzbehörde benachrichtigt. „Doch die verteilte nur ein lapidares Ermahnungs-Schreiben und keine angemessenen Strafen“, bedauert der Schalkenmehrener Ortschef, der sich eine Ordnungskraft wünscht, die dann und wann auch mal Bußgelder erhebt. Doch die, so sei ihm mitgeteilt worden, sei nicht finanzierbar.

Hartogh beklagt, dass es „keine echte Zusammenarbeit zwischen Verbandsgemeinde, Kreisverwaltung und Polizei gibt“, was für ihn wiederum „total unverständlich“ sei. Schließlich sei in den vergangenen vier Jahrzehnten sehr viel Geld in den Erhalt und die Wiederherstellung der einmaligen Natur- und Kulturlandschaft geflossen. Der Unesco Geopark Vulkaneifel mit dem Naturschutzgebiet der Schalkenmehrener Maaregruppe zeige eine Vielzahl naturwissenschaftlicher Phänomene, die in dieser Ausprägung auf der Welt einmalig und von hohem internationalen Interesse für Forschung und Wissenschaft seien. Und für Badefreunde und Erholungssuchende gebe es ja das Maarbad.

Mit dem Angelverein (AV) Schalkenmehren hat man beschlossen, dass die Angelstege zurückgebaut werden, und der AV stattdessen eventuell zwei Ruderbote mehr aktivieren kann.

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