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Bäckerei Utters aus Dockweiler bietet abends Tüten voller Backwaren an

Nachhaltigkeit : Immer noch lecker und viel zu gut für die Biotonne

Ein Drittel der Lebensmittel landet in Deutschland im Müll. Mit Überraschungstüten voller Backwaren ist die Biobäckerei Utters aus Dockweiler Teil einer Initiative namens „too good to go“, die etwas Handfestes gegen die Wegwerfmentalität tut.

Veränderungen fangen im Alltag an. Jede Bäckerei kennt das Problem: Die modernen Kunden sind es gewohnt, den ganzen Tag über ofenfrische Backwaren angeboten zu bekommen. Abends sind darum die Regale oft noch gut gefüllt mit Leckerem, das dennoch nicht mehr verkäuflich ist. „Wir wollten einfach keine Backwaren mehr wegwerfen. Zwar geben wir regelmäßig an die Tafel ab, was nicht verkauft wurde, aber sie nimmt nur ein Mal wöchentlich etwas ab“, begründet Viktória Utters die Magic Bag. Sie und ihr Ehemann Josef sahen zufällig bei einem Besuch in Freiburg, wie diese ganz besonderen Überraschungstüten funktionieren. „Wir erlebten mit, wie einfach es war: ein paar Klicks mit dem Handy und kurz darauf hatte man seine Magic Bag (magische Tüte) mit Lebensmitteln, die sonst entsorgt worden wären.“

In Frankreich ist es den Händlern mittlerweile gesetzlich verboten, noch brauchbare Lebensmittel einfach wegzuwerfen. Deutschland ist noch nicht so weit, ein derartiges Zeichen gegen die Verschwendung zu setzen.

Einzelne Supermärkte sind allerdings dazu übergegangen, Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum zu verschenken. Frischesegmente, die in der Regel am selben Tag konsumiert werden, haben ein noch deutlich höheres Risiko, ungenutzt als Biomüll in der Tonne zu landen und sinnlos Ressourcen zu vergeuden. Die Idee, Überraschungstüten mit nicht mehr verkaufbaren Lebensmitteln zu füllen und diese preisgünstig abzugeben, stammt von einer in Dänemark gegründeten Initiative. Sie ist mittlerweile über Bäckereien oder andere Lebensmittelgeschäfte in ganz Deutschland aktiv. Mittels einer App finden umweltbewusste Kunden und Händler oder Erzeuger, die überschüssige Ware nicht in den Container entsorgen wollen, zueinander. Bestellung und Bezahlung läuft ausschließlich über diese App, die glückliche Tütenübergabe wird dort ebenfalls darüber bestätigt.

Josef Utters packt in die Tüten Croissants oder Brötchen, Plunderteilchen oder Nuss-Zöpfe. „Da sind wir nicht knickerig“, meint er und verkauft auf diese Weise für 3,50 Euro Backwaren, die eigentlich mehr als 10,50 Euro wert sind. Ein Teil des Geldes geht an die Initiative „too good to go“, welche die Idee gegen die Lebensmittelverschwendung hatte und die App betreibt. „Zu unserem ökologischen Anspruch gehört es zwar, so zu kalkulieren, dass wir nicht großartig über den täglichen Bedarf hinaus produzieren. Aber dennoch finde ich es gut, wenn es für die abends noch übrigen Backwaren dankbare Abnehmer gibt“, so Utters.

In der Regel werden mittlerweile sechs Magic Bags täglich verkauft, doch an manchen Tagen ist nichts übrig, so dass die Überraschungstütenabholung, die ab 17.30 Uhr in den Filialen der Bäckerei möglich ist, storniert werden muss. Die Resonanz jedenfalls ist gut, sagt Viktória Utters, die Kunden der Biobäckerei haben das Modell nach dem Start im vergangenen November rasch angenommen.

Zur Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung setzt „too good to go“ nicht nur auf den Verkauf von Produkten, die andernfalls sofort entsorgt würden. Die Initiative hat auch eine Kampagne „oft länger gut“ ins Leben gerufen, deren Partner große Händler und Produzenten sind – aus der Region Trier etwa Arla oder Tee Gschwendner. Sie sensibilisiert dafür, dass ein Mindesthaltbarkeitsdatum mitnichten bedeutet, dass das Produkt mit dem Tag des Stempels sofort ungenießbar wäre. Vielmehr sind diese Waren oft deutlich länger sensorisch und gesundheitlich vollkommen unbedenklich. Lediglich wenn „zu verbrauchen bis“ auf dem Etikett steht und das Datum verstrichen ist, sollte vom Verzehr der Lebensmittel abgesehen werden.