Bäckermeister tauscht Energiequelle aus

Bäckermeister tauscht Energiequelle aus

KERPEN. Im September 1990 schaute ganz Rheinland-Pfalz auf die Eifel: Das erste Windrad wurde in Kerpen aufgestellt. Gestern, bei der Demontage des vom Blitzschlag zerstörten Windrades, war der TV dabei.

Unbemerkt von der Kerpener Bevölkerung änderte sich gestern entscheidend die Dorfkulisse. Das 30 Meter hohe Windrad, auf der Anhöhe neben der Burg, steht nicht mehr. Nachdem ein Blitzschlag vor vier Monaten die Flügel zerfetzte und die Elektrik schmelzen ließ, wurde es für den Betreiber nutzlos. Eine Reparatur war zu teuer. Dabei hatte Bäcker Leonhard Emondts im Herbst 1990 mit dem Bau des 30-Kilowatt-Windrades landesweit für Furore gesorgt. "Damals war es das erste in dieser Größenordnung, dass in Rheinland-Pfalz aufgestellt wurde", erinnert sich der Unternehmer. Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen schauten nach Kerpen. Die Baustelle musste gesichert werden, damit kein Zuschauer in Gefahr geriet. "Das ganze Dorf war hier oben", sagt Emondts. Bei der Legung des "Grundsteines für die Windenergie in Rheinland-Pfalz" wollte niemand fehlen. Immerhin produzierte das Windrad bis zu 30 000 Kilowattstunden pro Jahr. Der Rotordurchmesser betrug 12,50 Meter. An den Kosten von damals 160 000 Mark beteiligte sich der Bund zur Hälfte. "Aber als Pionier kauft man auch alle Kinderkrankheiten mit. Wir haben keinen Gewinn damit gemacht", sagt Emondts. Für den überschüssigen Strom, den er ins Netz lieferte, bekam er anfangs 1,5 Pfennig je Kilowattstunde.Von Kerpen an die tschechische Grenze

"Immer wieder standen Reparaturen an", sagt er. Zuletzt nutzte er die gesamte Leistung des Windrades, um seinen Betrieb mit Strom zu versorgen. Vor allem die großen Elektro-Backöfen verschlucken einiges. Ob Emondts ein neues Windrad aufstellen wird, steht noch nicht fest. "Das Fundament bleibt stehen. Wer weiß, was in ein paar Jahren ist?" "Ein Klotz wie die neueren Windräder wäre Unfug. Es dürfte die Höhe des bisherigen nicht überschreiten", erklärt seine Ehefrau Astrid kategorisch. "Aber das Landesdenkmalamt hat damals den Bau ausdrücklich befürwortet", wiederspricht ihr Mann mit Blick auf künftige Pläne. Ein Hinweis aus gutem Grund: Der Standort neben der historischen Burg wurde oft kritisiert. Das Unternehmerehepaar setzt weiterhin auf "alternative Energie". Vor einem Jahr haben sie thermische Solarkollektoren auf dem Dach der Bäckerei anbringen lassen. "Ich würde auch ein Wasserrad aufstellen", meint Emondts. Aber momentan kalkuliert der Bäcker mit den Fördergeldern: "Solarenergie wird mit 50 Cent je Kilowatt gefördert und Windenergie nur mit neun Cent." Das zerstörte Windrad verkaufte der Unternehmer über eine Internet-Auktionsplattfform für knapp 1200 Euro an einen Landwirt aus dem bayrischen Wald, 30 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Elektrik, Motor und Rotor montiert der Bauer von einem anderen Windrad um. Emondts war es um die Entsorgung aber nicht bange: "Der Mast ist doch aus guten Stahlrohren. Die hätte auch jeder Schrotthändler abmontiert".

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