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Baggerlärm beruhigt Bürgermeister: Start des millionenschweren Kyll-Umbaus in Gerolstein

Gerolstein. Der große Umbau der Kyll in Gerolstein hat begonnen. Allein für den ersten Bauabschnitt sind Kosten von mehr als einer Million Euro veranschlagt. Nachdem es während der Planungsphase vor allem wegen Kostensteigerung und Vergabefragen zu heftigem politischen Streit gekommen ist, ist Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) nun froh, dass endlich gearbeitet wird und Ruhe eingekehrt ist. Der TV hat mit ihm die Baustelle besichtigt. Mario Hübner

Ein Bauzaun von der Hochbrücke, entlang des Kinderspielplatzes bis hin zum Rathaus versperrt seit Kurzem den Zugang zur Kyll - und zur Helenenquelle. Zwar ist eine Tür im Zaun, doch sie ist abgeschlossen. Dennoch kann man das rege Treiben auf der Baustelle beobachten.

Dort, wo vor Monaten großflächig Bäume und Sträucher gerodet wurden, sind nun Bagger, LKW, sonstige Baumaschinen und Bauarbeiter zu Gang. Sie ziehen Gräben, legen Leitungen frei, reißen Asphalt auf, stemmen Beton weg, tragen Teile des Ufers ab. Der Anblick von Steinhalden hier, Erdhaufen dort, tiefen Furchen überall und einem mit Eisenrohren durchzogenen Schotterweg durch den Fluss wirkt nicht gerade einladend. Dennoch greift Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) zum Schlüssel, schließt die Baustellentür auf und bittet zum Rundgang. Hereinspaziert!

"Es wird superschön", antwortet er auf die Frage des TV-Reporters, ob er sich angesichts der aktuellen Kraterlandschaft schon vorstellen könne, wie das Kyll-Areal einmal aussehen werde. "Hier entsteht ein zentraler Begegnungspunkt für Jung und Alt. Und ein Naherholungsgebiet mitten in der Stadt. Das Wasser, das die Stadt Gerolstein ausmacht, wird hier lebendig", sagt Bongartz.

Während er den Blick über die gesamte Baustelle schweifen lässt, gerät er ins Schwärmen. Es fallen Worte wie "Alleinstellungsmerkmal", "Attraktivität", "Lebensqualität" und "touristischer Anziehungspunkt". Er fixiert den großen Erdhügel vor dem Kinderspielplatz, rollt den Bauplan aus und zeigt mit dem Finger auf die entsprechende Stelle. "Hier entsteht der Wasserspielplatz, den sich viele Bürger gewünscht haben und der besonders für die Kinder zum Anziehungspunkt werden wird." Ganz in der Nähe würden Trittsteine bis in den Fluss gebaut, in Rathausnähe Sitzstufen bis in die Kyll sowie ein neues Wassertretbecken: Sein Finger wandert vom Plan zum jeweiligen Punkt auf der Baustelle. Ein Blick zum Gast, ein Nicken - und erst dann geht es weiter zum nächsten Projekt.
Auch an Angebote für die ältere Generation werde gedacht: mit Ruhebänken und Sitzgruppen für eine Rast oder ein Picknick am Wasser, "wo man so schön den Enten zusehen und die Natur beobachten kann", wie Bongartz sagt. Angetan hat es ihm auch der Fußweg entlang des Bahndamms bis zur Pfeilsmühle, der einen kleinen Spazierrundgang durchs gesamte Areal ermöglicht, das in den nächsten Monaten umgestaltet wird.Jeden Dienstag Lagebesprechung

Ja, er sei froh, dass nach den vielen Querelen und des politischen Streits um Vergabefragen und um die Kostensteigerung auf gut 1,2 Millionen Euro (eine Million galt lange als absolute Obergrenze für den ersten Bauabschnitt) sowie nach der monatelangen Verzögerung nun endlich losgelegt wurde. Er betont aber: "Den Ärger und die Beschimpfungen habe ich abgehakt. Ich blicke nach vorne. Es geht darum, dass das Projekt Stadt im Fluss nun im Fluss bleibt."

Deswegen treffen sich nach Auskunft des Stadtbürgermeisters jeden Dienstag die Stadtspitze, Vertreter des Ingenieurbüros, der Baufirma, der Bauabteilung sowie weitere Beteiligte zur aktuellen Lagebesprechung im Rathaus. Das sei schon ein besonderes Vorgehen, aber die Baustelle sei eben auch besonders. "Wir wollen damit stets auf dem Laufenden sein und auf aktuelle Herausforderungen rasch reagieren können. Und natürlich die Kostenentwicklung stets im Blick haben", begründet Bongartz. Und das hat auch schon funktioniert. Als beim Graben festgestellt wurde, dass die Mineralwasserleitungen der Helenenquelle anders liegen als im Plan eingezeichnet, konnten die Sitzstufen samt Aussichtsplattform am Kyll-Ufer am Rathaus nicht in der geplanten Form realisiert werden. Es folgten innerhalb kurzer Zeit: Beratschlagung bei der Lagebesprechung, Vorstellung der neuen Planung im Bauausschuss, Eilentscheidung, Umsetzung. Alles ohne größere Bauverzögerung.

Die Entwicklung im Blick behalten möchte an vorderster Stelle auch die Bauabteilung im Rathaus. Deren Leitungsduo, Carsten Schneider und Stellvertreter Winfried Schegner, besucht die Baustelle fast täglich. Dabei sprechen sie mit den Arbeitern und dokumentieren den Baufortschritt per Kamera. "Man vergisst so schnell, wie alles einmal ausgesehen hat", begründet Schneider.

Damit die Bürger sich schon jetzt ein Bild machen können, was - sofern der Zeitplan eingehalten wird - bis Jahresende an der Kyll vorm Rathaus alles entsteht, wird noch ein großer Bauplan am Zaun befestigt.

"Das Schönste ist für mich, wenn ich sehe, dass die Leute sich freuen, dass sich in ihrem Gerolstein etwas tut", sagt Bongartz, steigt über einen Erdhügel, verlässt mit dem TV-Reporter die Baustelle und schließt ordentlich die Tür hinter sich ab.

FOTO: Birgit Keiser