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Bahnstrecke von Kall nach Gerolstein seit 15. November 1870 in Betrieb

Heimatgeschichte : Motor der wirtschaftlichen Entwicklung

Ein runder „Geburtstag“ steht bevor: Der Teilabschnitt Kall-Gerolstein der heutigen Eifelbahn Köln – Trier wurde am 15. November 1870 in Betrieb genommen.

(red/sts) Nur noch wenige Tage, dann ist es genau 150 Jahre her, dass die Bahnstrecke von Kall im heutigen Nordrhein-Westfalen bis Gerolstein in Betrieb ging. Ein Stück Eifel-Geschichte, mit dem sich Karl-Josef Bales aus Berndorf intensiv beschäftigt hat. Nicht von ungefähr, war es doch die „Heimatstrecke“ für den heute 69-Jährigen in seinen mehr als 50 Jahren im Dienst der Bahn.

Nach seiner Pensionierung hatte er die Zeit, sich intensiv dem Thema zu widmen, und es stecken ein paar Jahre in dem Werk, zu finden im Jahrbuch 2020 des Eifelvereins. Kenntnisse von der Eisenbahngeschichte gehörten für Bales dazu als langjährigem Mitarbeiter des Pressediensts der Bahn. Er ist zwar kein gebürtiger Berndorfer, ist dem Ort aber schon seit 1974 verbunden. Und der nächste runde Geburtstag ist schon in Sicht: Der Abschnitt von Gerolstein bis Trier wurde 1871 fertiggestellt. Die Geschichte zu diesem Streckenteilabschnitt hat Bales im aktuellen Eifelvereins-Jahrbuch veröffentlicht.

An der Eifelbahn-Neubaustrecke Sötenich-Trier starten im Herbst 1868 die Bauarbeiten, zunächst wird die Trasse gerodet. Im Frühjahr und Sommer 1869 beauftragt die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) überwiegend an der Strecke ansässige Firmen mit  den Brückenbau- und Tiefbaugewerken.

Ganz in der Nähe der Ahrquelle auf den Gemarkungen Blankenheimerdorf und Schmidtheim entsteht die im Wald liegende Station Blankenheim, der erste Bahnhof der Neubaustrecke. Auf Jünkerather Gebiet errichtet die RhE den größten Bahnhof der Neubaustrecke, obwohl es dort 1870 nur drei Häuser mit 20 Einwohnern gibt und man daher die Post noch nach „Jünkerath bei Stadtkyll“ adressiert.

Die Gründe für diese Standortwahl liefert der Bauherr mit dem Bahnhofsnamen „Jünkerath (Stadtkyll)“. Obwohl sich die vier Gemeindebezirke Glaadt, Schüller, Feusdorf und Gönnersdorf den Landbesitz des Jünkerather Gebiets teilen, berücksichtigt sie der Bauherr bei der Namensgebung nicht. Selbst Glaadt, mit dem größten Anteil am Bahnhofsgelände und auch das damals zur Bürgermeisterei Steffeln im Kreis Prüm gehörende Schüller, mit zwei kleinen Parzellen im mittleren Bahnhofsbereich, geht leer aus. Stattdessen übernehmen der potenzielle Güter-Großkunde, die Jünkerather Hütte mit dem einwohnerstarken Nachbarort und Bürgermeistereisitz Stadtkyll die Namenspatenschaft. Hinter Jünkerath führt die Trasse  mit einer eisernen Brücke auf das rechte Kyllufer, lässt Birgel links, Lissendorf rechts liegen, erreicht an der Crumpsmühle die Gemarkung Oberbettingen. Die Gleistrasse verlegt man nun bis Gerolstein vollständig zwischen Vulkanen.

Erster Fahrplan der Neubaustrecke Kall-Gerolstein. Foto: TV/Fotoarchiv/Repro: Sammlung Zeitpunkt.NRW
Bahnpioniere tragen 1869 die Deckschicht des Hangsporns am Fuße des Kasselburger Hahns ab und transportieren den Abtrag per Kipploren-Feldbahn in Richtung Pelm. Foto: Medienzentrum Kreis Euskirchen
Auf Jünkerather Gebiet entsteht zwischen dem „Königlichen Wald Tiergarten“ und dem Kyllufer auf der „Grünen Wiese“der größte Bahnhof der Neubaustrecke. Fotoarchiv/Repro: Medienzentrum Kreis Euskirchen Foto: TV/Medienzentrum Kreis Euskirchen

Während im Sommer 1869 in Jünkerath und Hillesheim ein Güterschuppen und ein Beamtenwohnhaus unter Leitung  gebaut werden und man im Herbst in Schmidtheim, Jünkerath sowie Gerolstein einen Lok-Schuppen anlegt, sind in Blankenheim und Schmidtheim fast alle Bahnhofsgebäude im Rohbau fertiggestellt. Die Planung der kyllabwärts gelegenen Stationsgebäude dauert noch bis 1870 an. In diesem Jahr beginnt der deutsch-französische Krieg. Um die Truppentransporte zu beschleunigen, wurde der Weiterbau der Bahn von Kall nach Trier beschleunigt. Am 15. November 1870 übergibt die RhE die Strecke Kall-Gerolstein mit täglich zwei Reisezugpaaren und einem Güterzug, der einmal täglich zwischen Gerolstein und Kall pendelt, dem zivilen Verkehr. Die Eifelbahn legt nicht nur den Grundstein für die Gerolsteiner Mineralbrunnenindustrie. Sie sichert auch der Jünkerather Hütte den  Transport für Rohstoffe und Fertigprodukte. Die Züge lösen nach und nach die Pferde der Postkutschen ab und machen so die Eifeler endlich mobil.