1. Region
  2. Vulkaneifel

Bankangestellter in Oberkail mit Pistolen bedroht

Bankangestellter in Oberkail mit Pistolen bedroht

Zwei bewaffnete Täter haben gestern die Sparkassenfiliale in Oberkail überfallen. Sie erbeuteten einen fünfstelligen Bargeldbetrag und konnten am helllichten Tag unerkannt fliehen. Zur Tatzeit war kein Kunde in der Bank.

Oberkail/Trier "Hier liegt noch einer", sagt eine junge Mitarbeiterin der Spurensicherung zu ihrem Kollegen, hebt einen Zigarettenstummel vor der Sparkassengeschäftsstelle in Oberkail auf und lässt ihn in eine Papiertüte fallen. Die Frau, die wie alle Mitarbeiter der Spurensicherung an den blauen Einweghandschuhen zu erkennen ist, nimmt am Mittwochvormittag um kurz nach elf Uhr den Eingangsbereich der Bank unter die Lupe.

Nicht mal eine Stunde zuvor, um 9.23 Uhr, sollen nach Angaben der Polizei zwei maskierte Männer die kleine Sparkassenfiliale in Oberkail, keine drei Kilometer von der A 60 entfernt, betreten haben. Sie sollen mit Pistolen bewaffnet gewesen sein und den Bankangestellten in der Filiale mit vorgehaltener Waffe aufgefordert haben, ihnen Bargeld auszuhändigen. Der Angestellte soll der Forderung der Bankräuber nachgekommen sein und ihnen eine fünfstellige Summe übergeben haben.

"Zum Glück ist niemand verletzt worden, und es war kein Kunde in der Bank", sagt Rainer Nickels, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Bitburg-Prüm. Er könne aber nicht sagen, wie stark der Überfall den Bankmitarbeiter psychisch belaste. "Es geht ihm den Umständen entsprechend."
Wie Uwe Konz, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Trier, sagt, soll der Überfall keine fünf Minuten gedauert haben. Dann seien die beiden Täter (siehe Extra) unerkannt aus der Bank und dem Ort geflüchtet. "Merkwürdig ist schon", sagt Ortsbürgermeisterin Petra Fischer, "dass am helllichten Tag niemand im Ort auf der Straße war, der die Täter oder ihren Fluchtwagen gesehen hat."

Als wenige Minuten später Polizisten der Polizeiinspektion Bitburg am Tatort eintrafen, waren die Täter schon über alle Berge. Vielleicht befanden sie sich da schon auf der Autobahn. Die nächste Auffahrt zur A 60 in 2,5 Kilometern Entfernung ist von Oberkail in wenigen Minuten zu erreichen .
"Das würde zum Muster eines geplanten Überfalls passen: eine gute und schnelle Fluchtroute, über welche die Täter in kürzester Zeit eine große Distanz zum Tatort bekommen können", sagt Konz. Die Polizei habe zeitnah eine Fahndung eingeleitet, sagt Konz. Doch die Täter konnten die Ermittler gestern nicht fassen.

Im Zweifel könne es ja auch jemand aus der Nachbarschaft gewesen sein, sagt Konz: "Deshalb ermitteln wir in alle Richtungen. Jetzt beginnt das kriminaltechnische Handwerk. Wir werden alle Spuren, Hinweise und Beobachtungen wie ein Mosaik zusammentragen und darauf prüfen, ob sie erfolgsversprechend sind." Näheres weiß die Polizei also noch nicht über die Täter. Immerhin wurde der Überfall gefilmt, denn die Bank wird mit einer Videokamera überwacht - ein Aufkleber an der Eingangstür weist sogar darauf hin. Die Polizei habe die Videoaufzeichnung in Augenschein genommen, sagt Konz: "Sie wird aber noch weiter ausgewertet. Es gibt technische Möglichkeiten, die Bildqualität der Aufzeichnung im Nachhinein zu verbessern, damit man auf dem Video mehr erkennen kann."
Phantombilder könne die Polizei von den Tätern jedoch nicht anfertigen, sagt Konz, da die beiden Männer ihre Gesichter mit Strumpfmasken verschleiert hätten.

Wie Konz sagt, habe es in jüngster Zeit keine Banküberfälle in der Region gegeben. Deshalb könne man den Überfall in Oberkail in keinen Zusammenhang stellen. In der Tat liegen die letzten Banküberfälle in der Region schon mehr als ein Jahrzehnt zurück: 2002 und 2003 wurden die Geschäftsstelle der Kreissparkasse in Schönecken und die Raiffeisenbank in Bleialf jeweils zwei Mal überfallen.
Einige Täter sind noch flüchtig, andere wurden ehemals verhaftet und verurteilt.FAHNDUNG

Extra

Ein Aufkleber (links) an der Eingangstür der Bank warnt vor Videoüberwachung. Ermittler fotografieren eine Spur im Schnee (rechts). Foto: (e_bit )
Foto: (e_bit )

Die Polizei fahndet nach zwei männlichen Tätern, die 1,75 bis 1,80 Meter groß sein sollen. Zum Tatzeitpunkt trugen sie schwarze Strumpfmasken und Mützen und dazu schwarze Jacken und blaue Jeans. Ein Täter trug schwarze Stiefel, der andere knöchelhohe Sportschuhe. Einer der Täter hatte einen schwarzen Vollbart. Hinweise bitte an die Polizeiinspektion Bitburg, Telefon 06561/96850.