Begegnung mit den Folgen von Krieg und Gewalt

DAUN/KELBERG. (bb) Schüler des St. Laurentius-Förderzentrums haben im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft (AG) mit Rektor Alois Mayer Kriegsgräberstätten im Kreis Daun besucht.

 Besuch auf dem Ehrenfriedhof Schwarzenberg: Die Förderzentrum-Schüler mit ihrem Schulleiter Alois Mayer und der pädagogischen Fachkraft Simone Fischer.Foto: Brigitte Bettscheider

Besuch auf dem Ehrenfriedhof Schwarzenberg: Die Förderzentrum-Schüler mit ihrem Schulleiter Alois Mayer und der pädagogischen Fachkraft Simone Fischer.Foto: Brigitte Bettscheider

Eugen, Xhavit und Armin betrachten die Grabplatten und finden bald heraus, was AG-Leiter Alois Mayer in diesem Zusammenhang mit Gemeinsamkeit meint. "Die sind ja fast alle am 16. Januar 1945 gestorben", sagt Xhavit. Alois Mayer berichtet seinen Schülern von dem verheerenden Bombenangriff auf Kelberg, in dessen Nähe sich der "Schwarzenberg" befindet. Dort haben 59 Soldaten am Waldrand ihre letzte Ruhe gefunden; 49 von ihnen waren bei dem Bombenangriff Anfang 1945 ums Leben gekommen. Armin und ein paar Mitschüler vergleichen die Liste, die sie im Kelberger Rathaus bekommen haben, mit den Eintragungen auf den Grabplatten und stellen fest: "Stimmt überein!" Mayer lobt die vorbildliche Ausschilderung zum Ehrenfriedhof auf dem Schwarzenberg und den gepflegten Zustand der Anlage.Anregungen für die Gemeinde

Zwei Anregungen will er aber der für die Kriegsgräber zuständigen Gemeinde geben: Da die Grabplatten nur lose aufliegen, bestehe die Gefahr, dass sie vertauscht werden; eine Befestigung wäre ohne viel Aufwand und Kosten möglich. Zudem sei es, wie an vielen anderen Kriegsgräberstätten üblich, auch auf dem Schwarzenberg sinnvoll, eine Liste der Soldaten und ein Besucherbuch auszulegen. Als Ort biete sich die benachbarte Marienkapelle an. Mit dem Besuch in Kelberg schließt die AG ein Projekt ab, das sie im Laufe des Schuljahres zu allen Kriegsgräberstätten im Kreis Daun geführt hat. Etwa nach Ormont und Stadtkyll, wo jeweils an die 400 Soldaten begraben sind, und auch nach Daun-Neunkirchen, wo sich ein einzelnes Soldatengrab befindet. "Mein Ziel war, die Jugendlichen an die Gräber der Opfer von Krieg und Gewalt zu führen und sie für die schrecklichen Folgen zu sensibilisieren", erläutert Mayer. Er stellte sich auch gemeinsam mit seinen Schülern während eines Dauner Markttages mit einer Sammelbüchse auf die Straße. Parallel zu der Kriegsgräbersammlung machten die AG-Mitglieder eine Befragung und fanden heraus, dass die Leute Geld spenden, weil sie die Gräberpflege für sinnvoll halten, und dass sie nichts geben, wenn sie finden, dass das alles zu lange her sei. Im November 2002 reinigten die Schüler alle Grabsteine des Dauner Ehrenfriedhofs, und sie gestalteten die Feierstunde am Volkstrauertag mit. Sie begegneten Zeitzeugen sowie Familien, die im Krieg Angehörige verloren haben. Sie fuhren nach Verdun (Frankreich) und informierten sich über die Folgen der Materialschlacht während des Ersten Weltkrieges.

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