Begehrt, aber belegt

Die Vermarktung von Flächen im Industrie- und Gewerbepark (IGP) der Verbandsgemeinde Hillesheim samt Existenzgründerzentrum Higis läuft so gut, dass nun konkret über eine Erweiterung nachgedacht wird.

Wiesbaum/Hillesheim. "Die Konjunktur zieht an, das ist deutlich zu spüren. Daher haben wir sehr großes Interesse daran, zu erweitern." Mit diesen Worten kommentierte Hillesheims Bürgermeisterin Heike Bohn, die zugleich Vorsteherin des Zweckverbands IGP ist, erstens die aktuelle Wirtschaftslage vor Ort. Zweitens bestätigte sie die TV-Information, dass an die Erschließung des dritten Bauabschnitts mit sechs Hektar Gewerbefläche gedacht wird. Der Bebauungsplan des IGP umfasst eine Gesamtfläche von 35 Hektar, davon sind 20 Hektar Nettobaufläche - also jenes Areal, das zum Verkauf steht. In den beiden ersten Bauabschnitten sind 13 Hektar Nettobaufläche bereits an den Mann gebracht worden, lediglich ein Hektar (10 000 Quadratmeter) steht noch zur Verfügung. Der Haken: "Dabei handelt es sich nicht um eine zusammenhängende Fläche, sondern um Kleinstparzellen, die verstreut sind", berichtet IGP-Geschäftsführer Werner Schröder. Eine weitere Großansiedlung wie jüngst von der Firma Palnet, die rund 10 000 Quadratmeter auf einen Schlag belegt hat, ist daher momentan nicht mehr möglich. Für Bürgermeisterin Bohn eine unbefriedigende Situation: "Um das Interesse, das geweckt wurde, auch befriedigen zu können, müssen wir handeln." Damit spielt sie auf die jüngsten Werbeoffensiven für das IGP an - eine viel versprechende davon in den Niederlanden (der TV berichtete).Erste Kontakte bezüglich der Erweiterung seien bereits mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier aufgenommen worden. Derzeit werden laut Bohn die Chancen und Risiken analysiert. Sie sagt: "Wir wollen auf jeden Fall noch in diesem Jahr Klarheit haben, was wir tun können."Eine Belebung ist deutlich zu spüren

Dabei setzen die Hillesheimer nach wie vor auf eine 60-prozentige Bezuschussung (für Teilbereiche gar 70 Prozent), wie sie bislang vom Land für das IGP gewährt wurde. Klar ist aber auch: "Wenn wir erweitern, wird auch der Verbandsbeitrag steigen." Mit diesem finanziert die Verbandsgemeinde (Stadt und Dörfer) den IGP. In diesem Jahr sind das 130 000 Euro, in den Vorjahren waren es jeweils 150 000 Euro. Die Belebung ist nach Einschätzung von Stefan Mertes, Wirtschaftsförderer der VG Hillesheim und Geschäftsführer des Existenzgründerzentrums Higis, seit gut einem Jahr deutlich zu spüren. Er sagt: "Allein für geplante Groß ansiedlungen hatten wir vergangenes Jahr drei stark interessierte Investoren." Fünf bis sechs Treffen in jedem Einzelfall seien diesbezüglich Standard. Mit einem sei man ins Geschäft gekommen (Palnet), einer sei abgesprungen, eine Verhandlung laufe noch. Auch mit der Entwicklung im Higis zeigt sich Mertes zufrieden: Von den vorhandenen 7500 Quadratmetern Büro- und Produktionsflächen seien derzeit 83 Prozent (6625 Quadratmeter) vermietet, im vergangenen Jahr fünf neue Mieter hinzugekommen und einer ausgezogen. Nur eines wurde in der zehnjährigen Geschichte von IGP und Higis - obwohl so geplant - noch nicht erreicht: dass ein Existenzgründer im Higis sein Geschäft aufgebaut und sich anschließend im IGP angesiedelt hat. Meinung Noch ein Zuschussgeschäft Die Tatsache, dass offenbar nun auch auf dem Lande der wirtschaftliche Aufschwung zu spüren ist, ist sehr erfreulich. Daher ist es exakt der richtige Weg, nun bereits bei den entsprechenden Stellen (ADD und Ministerium) vorzufühlen, ob die Erschließung weiterer Gewerbeflächen im dafür ohnehin bereits vorgesehenen Teil des IGPs befürwortet wird. Und vor allem: Ob und wie viel Zuschuss es dafür geben würde. Denn ohne die Zuwendung vom Land ist das Thema sofort gestorben. Einen Automatismus aber darf es aber dennoch nicht geben. Denn auch bei einem 60-prozentigen Landeszuschuss bleibt immer noch ein gehöriger Batzen Geld an den Dörfern des Hillesheimer Landes hängen. Denn die finanzieren letztlich den IGP, der nach wie vor ein Zuschussgeschäft ist. Das Motto muss daher lauten: Kosten und möglichen Ertrag einer Erweiterung genau abwägen, exakt vorplanen und erst dann die Bagger anrücken lassen, wenn weitere Ansiedlungen mehr Wirklichkeit denn reines Wunschdenken sind. Denn eines können und dürfen wir uns heute nicht mehr leisten: Brach liegende Gewerbeflächen vorzuhalten, die für teure Steuermillionen erschlossen wurden. m.huebner@volksfreund.de