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Gesundheit: Beharrlich dicke Bretter bohren

Gesundheit : Beharrlich dicke Bretter bohren

Lucas Hürtgen ist neuer Gesundheitsmanager des Landkreises Vulkaneifel. Der 29-Jährige mit Masterabschluss in Betriebswirtschaft hat einen ganzheitlichen Blick auf die Probleme der Gesundheitsversorgung auf dem Land.

Offiziell ist Lucas Hürtgen, der in Trier studiert hat  und in Kirchweiler lebt, seit dem 1. Januar auf einem Posten, der ganz neu geschaffen wurde. Denn: Einen kommunalen Gesundheitsbeauftragten gab es zuvor nicht. Aber es bedurfte auch nicht des Anstoßes durch die Schließung der Geburtshilfe, um die Stelle auszuschreiben. „Grundlage ist ein Leader-Konzept aus 2016 zur Gesundheits- und Pflegeversorgung“, erläutert Dieter Schmitz, Abteilungsleiter Struktur- und Kreisentwicklung und somit direkter Vorgesetzter von Hürtgen.

Man war froh, mit dem jungen Betriebswirtschaftler, der bereits seit 2018 als Job-Lotse der Kreisverwaltung tätig war, einen motivierten und kenntnisreichen Bewerber gefunden zu haben. Hürtgen hatte an der Berufsbildenden Schule Gerolstein ( BBS) Abitur gemacht, bei der Kreissparkasse Vulkaneifel Bankkaufmann gelernt und sich während des Studiums auf Marketing und Unternehmensführung spezialisiert.

Die Betriebswirtschaft selbst sieht er durchaus kritisch: „Im Gesundheitssystem ist es ja gerade das größte Problem, dass sich alles nur nach Zahlen richtet!“ Und so definiert er es als eine seiner Hauptaufgaben, den zuständigen Ministerien rückzumelden, wo das System gerade auf dem Land hakt.

„Es geht darum, Flagge zu zeigen und mit Nachdruck zu erläutern, wo wir viel mehr Ermessensspielräume brauchen – etwa bei den Sicherstellungszuschlägen –, um eine funktionierende und angemessene Krankenhausversorgung gewährleisten zu können.“ Das sei, so Hürtgen und Schmitz unisono, das beharrliche Bohren dicker Bretter und gehe nur, wenn man regelrecht für die Vulkaneifel „brenne“.

Aber es sind noch andere Dinge vonnöten als inneres Feuer, und die haben viel mit Vernetzung zu tun. Noch vor seinem offiziellen Amtsantritt begann Hürtgen damit, alle gesundheitsrelevanten Akteure im Landkreis und darüber hinaus aufzusuchen und zu sondieren, wo es konkrete Berührungspunkte und Projekte gibt, welche die Vulkaneifel voranbringen können. So hospitierte er bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz und im Mainzer Gesundheitsministerium, begann jedoch auch den Austausch etwa mit den beiden Krankenhäusern im Kreis, mit der Kreisärzteschaft oder mit dem Verein Bürger für Bürger.

Ein regionales Netzwerk soll dabei helfen, die großen Baustellen anzugehen. „Statistisch gesehen gehen bis 2023 sechzig Prozent der Ärzte in unserem Landkreis in den Ruhestand, da wird ein massives Problem auf uns zukommen“, betont Hürtgen und sieht eine seiner künftigen Schwerpunkte in regelrechtem Klinkenputzen: „Wir brauchen medizinische Fachkräfte und Ärzte, darum nehme ich individuelle Kontakte zu Studierenden, ausgebildeten Medizinern und anderen auf.“

Vor allem an rückkehrwillige Menschen will er sich wenden, welche die Eifel bereits kennen und wissen, dass sie hier eine gute Lebensqualität erwartet. Für medizinisches Personal, welches eine eigene Familie gründen will, ist die Eifel bestens geeignet. „Ein Teil der Arbeit wird auch klassisches Standortmarketing sein“, ergänzt Dieter Schmitz.

Zu den Standortvorteilen gehören, wie beide erläutern, gute Facharztausbildungsmöglichkeiten in der Vulkaneifel. „Man kann hier, gefördert durch die Kassenärztliche Vereinigung, die Famulatur (vorgeschriebenes Praktikum; Anm. d. Red.) absolvieren oder das praktische Jahr im Studium… dazu muss man nicht im teuren Ballungsgebiet wohnen.“

Für den ärztlichen Nachwuchs kann in der Vulkaneifel anfangs eine Unterkunft und einen Leihwagen gestellt werden. Auch richte sich der Landkreis mit mehr Medizinischen Versorgungszentren, die entstehen oder schon existieren, auf die Wünsche der jungen Medizinergeneration ein, die lieber im Angestelltenverhältnis und mit flexiblen Arbeitszeiten tätig ist als einzelkämpferisch mit eigener Praxis. Derartige moderne Kooperationsformen oder auch Telemedizin sind Dinge, die Hürtgen weiter voranbringen will. „Wir sind hier in der Vulkaneifel in vielen Dingen schon sehr gut“, ist Hürtgen überzeugt, „aber wir müssen den Landkreis auch in Sachen Gesundheit gebündelt nach außen vertreten, das ist wichtiger als je zuvor.“ Nur dann werde er auf Landes- und Bundesebene ernst genommen.