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Behördenkrieg ums Kanonenfutter

Behördenkrieg ums Kanonenfutter

DAUN. (HG) Dem Skiclub Daun mit seiner Piste am Mäuseberg fehlen angesichts kaum vorhandener Wintertage mit viel Schnee die Besucher. Eine Beschneiungsanlage sollte die Lösung aller Probleme sein, aber eine Realisierung dieses Planes ist momentan noch nicht in Sicht.

Die Zeiten, als man am Mäuseberg jeden Winter den Schnee als Skifahrer genießen konnte, sind schon lange vorbei. Besonders in den vergangenen Jahren hat sich die Situation für den Skiclub Daun als Betreiber der Piste verschärft. Oftmals gab es überhaupt keinen Skiliftbetrieb, weil die weiße Pracht schlichtweg fehlte oder einfach zu gering war. Als einzige Lösung sah der Club die Anschaffung einer Beschneiungsanlage mit zwei Schneekanonen. Ende 2003 reichten deshalb der Club und die Stadt Daun bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion- Nord (SGD) in Koblenz einen Antrag auf Genehmigung einer Beschneiungsanlage und einer gleichzeitigen Verlängerung der Lifttrasse ein. Unterstützt wurden Club und Stadt in ihrem Vorhaben von der Verbandsgemeinde, dem Gewerbe- und Verkehrsverein, der Eifel- Tourismus- Gesellschaft (ET), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises und den Ferienparks Daun und Gunderath. "Bei einer Ablehnung wird das Engagement des Clubs auf Dauer beeinträchtigt werden", ist die Meinung von Bürgermeister Werner Klöckner.Alles getan, um Anlage zu verhindern

VG-Bürgermeister Werner Klöckner und Peter Schlömer, Vorsitzender des Skiclubs, waren im Sommer bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion in Koblenz, um ihr Anliegen noch einmal zu erläutern. "Der Genehmigungsantrag basierte darauf, das Wasser für die Schneekanonen, etwa 2600 Kubikmeter pro Saison, aus dem Gemündener Maar zu entnehmen", so Werner Klöckner. Dies stieß jedoch auf massive Ablehnung von Naturverbänden und vom Landesamt für Wasserwirtschaft. Denn der Mäuseberg liegt im Naturschutzgebiet "Dauner Maare", und es wird befürchtet, dass das Ökosystem des Maares zudem durch den Zulauf des künstlichen Schnees beeinträchtigt wird. "Nach den Bedenken des Landesamtes gegen die Zuleitung des künstlichen Schnees haben wir vorgeschlagen, das Oberflächenwasser abzuleiten", sagt Klöckner. Das Landesamt meldete aber weitere Bedenken an. Klöckner: "Man sagte uns, dass wir mit der kontingentierten Menge von 2600 Kubikmetern nicht hinkommen würden und mindestens 5000 benötigten, was wir anzweifeln." Dadurch würde der Wasserspiegel des Gemündener Maares abgesenkt und man lehne deshalb eine Entnahme generell ab", so Klöckner. Als Alternative boten die Antragsteller an, das Wasser aus dem Hochbehälter Senheld zu entnehmen, aber auch das wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass dieses Trinkwasser nicht ins Maar laufen dürfte, da ansonsten der Wasserspiegel steigen würde. " Wir haben den Eindruck bekommen, dass alles getan wird, um die Beschneiungsanlage zu verhindern. Denn jedes Mal, wenn wir etwas vorlegen, findet man ein Argument, das man vorher nicht hatte", ärgert sich Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen. Das Landesamt hatte aber auch noch andere Einwände. So werde durch den künstlichen Schnee eine größere Erosion auf den Flächen eintreten, und die Vegetation werde beeinträchtigt. Klöckner: "Auch die Darstellung des überwiegenden öffentlichen Interesses wurde angezweifelt, weil der Träger, ein Verein, ausschließlich ehrenamtlich tätig sei und man deshalb bezweifele, dass dieser überhaupt in der Lage wäre, alle Aufgaben zu bewältigen."Bisherige Aussage ist eine Ablehnung"

Klöckner und Schlömer teilten der Behörde mit, dass der Verein mit Eigenleistungen und Hilfestellung durch einheimische Bauunternehmen die rund zwei Kilometer lange Leitung zum Hochbehälter Senheld herstellen könne und für den Betrieb der Anlage zudem geringfügig Beschäftigte einstellen würde. Außerdem konnte vermittelt werden, dass die aufgefangene Menge des Oberflächenwassers exakt gesteuert werden könne und eine Schädigung der Vegetation nach Ansicht der VG nicht zu befürchten sei. Danach stellte das Landesamt folgendes in Aussicht: Die Bedenken gegen eine vermeintliche Schädigung der Vegetation werden zurück gestellt, und man akzeptiert die Trinkwasserentnahme vom Hochbehälter für die Schneekanonen. Außerdem müssen die Antragsteller das überwiegende öffentliche Interesse fundiert für die Ausnahmegenehmigung belegen. "Wir sind uns bewusst, dass wir nacharbeiten müssen. Aber die Knackpunkte sind meiner Meinung nach heraus gearbeitet, und für einen Teil davon haben wir auch Lösungsmöglichkeiten", sagt Werner Klöckner. Wolfgang Jenssen hat es für die kommende Saison schon aufgegeben, an Wintersport mit einer Beschneiungsanlage am Mäuseberg zu glauben. "In diesem Winter wird es auf jeden Fall nichts damit, denn die bisherige und vorläufige Aussage der SGD ist eine Ablehnung."