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Bei Blau zur Seite, bei Rot ist Schluss

Bei Blau zur Seite, bei Rot ist Schluss

NÜRBURGRING. (red) Wer schwenkt für Schumi und Alonso die rote, gelbe und grüne Flagge an der Strecke? Der Nürburgring hat seine eigenen "Marshals", die den Fahrern die Signale für Überholverbot oder freie Bahn geben.

Seit vielen Jahren sorgen die freiwilligen Helfer vom "Marshals Club Nürburgring" (MCN) für die Streckensicherung auf dem Nürburgring - und bevor hier überhaupt die erste Trainingsrunde eines Rennens gefahren werden kann, nehmen Dutzende von ihnen ihre Position entlang der Piste ein. Hildegard Heindorf ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins, organisiert die Einsätze im Vorfeld und übernimmt während eines Rennens die Leitung. Dann sitzt sie im Kreise anderer Einsatzleiter in der "Race Control" (Renn-Kontrollstelle) vor einer Wand aus Bildschirmen, auf denen 40 Kameras die gesamte Strecke zu jeder Zeit abbilden. Von hier gibt sie bei Bedarf über Funk Anweisungen, wenn einer ihrer Sportwarte draußen an der Strecke eine der farbigen Flaggen einsetzen soll. Vorher allerdings hat sie zahlreiche Stunden im kleinen Nürbur- ger Büro des Clubs damit zugebracht, die notwendigen Einsatzkräfte zu verpflichten. Der MCN ist "eine Vereinigung von Sportwarten zur Streckensicherung bei Motorsportveranstaltungen" und zählt 800 Mitglieder, die über ganz Deutschland verteilt wohnen und aus Begeisterung für den Sport den Job an der Strecke übernehmen. Sie erhalten dafür die für Sportwarte übliche Aufwandsentschädigung. Bisweilen übernimmt der MCN auch die Sicherung bei Rennen auf anderen Strecken, "aber 80 Prozent unserer Arbeit tun wir hier auf dem Nürburgring", weiß Heindorf. Für ein Grand-Prix-Wochenende muss sie für die Streckensicherung 120 Leute zusammenbekommen. Wenn Rennen auf der Nordschleife anstehen, sind sogar 200 "Marshals" nötig. Heindorf hat selbst 15 Jahre lang Dienst an der Strecke geschoben, bevor sie 1998 die Einsatzleitung übernahm und damit in den "Innendienst" wechselte. Bei Wind und Wetter, im Sommer und Winter, in der Regel von 7 bis 18 Uhr, stehen die Posten am Rand der Piste. "Auch wenn es in Strömen regnet und man nass wird, hat man keine Chance, die Kleider zu wechseln", erzählt Heindorf, "man muss also schon jede Menge Begeisterung für den Motorsport mitbringen." Vom Rennzirkus mit seinen glamourösen Fans und VIP-Empfängen kriegen die "Flaggenleute" nichts mit. Sie arbeiten im Hintergrund, sind aber für die Fahrer unübersehbar und unverzichtbar. Per Flaggen-Zeichen geben sie die Anweisungen der "Race Control" weiter. Die gelbe Flagge sagt dem Fahrer: Gefahr auf der Strecke, runter vom Gas und nicht überholen, die grüne Flagge gibt dann wieder "grünes Licht", und wenn der Pilot Blau sieht, dann weiß er: Ein schnelleres Fahrzeug setzt zum Überholen an, also Platz machen! Bisweilen kommt auch die rote Flagge zum Einsatz. Sie bedeutet den Abbruch des Rennens und ist selbst Motorsport-Laien inzwischen ein Begriff, seit Schumi sie beim Training in Budapest ignorierte und sich damit Strafsekunden einhandelte.